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Serie Die Flensburger Stadtrose : Das verschwundene Gymnasium

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Teil 4: 1857 wird der Grundstein für den Neubau an der Roten Straße gelegt. Dort, wo lange die „alte Lateinschule“ stand.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2013 | 11:45 Uhr

Ein Flensburger Sammler sprach die frühere Leiterin des Flensburger Schifffahrtsmuseums, Jutta Glüsing, wegen eines seltenen Fundstücks aus seiner Sammlung an. Von der Stadtrose hatte sie zwar gehört, allerdings noch nie eine in Händen gehalten. In einer kleinen Serie für das Tageblatt stellt Jutta Glüsing die Flensburger Stadtrose und ihre Bestandteile vor.

Nach 1850 hatte eine grundsätzliche Umstrukturierung des Schulwesens im Herzogtum Schleswig stattgefunden, die sich auch in neuen Schulgebäuden des Landes widerspiegelte, so auch in Flensburg, wo L. A. Winstrup Pläne für eine Latein- und Realschule entwerfen sollte.

Einen entsprechenden Baugrund in Flensburg zu finden, war auch bei dieser Aufgabe vergeblich. So entstand auf dem alten Klostergrund, wo bereits die alte Lateinschule seit den Zeiten der Reformation ihren Platz hatte, eine große Dreiflügelanlage zwischen Roter Straße, dem Kloster sowie der Dr.-Todsen-Straße.

Davon ist heute nichts mehr vorhanden. Der Neubau eines Parkhauses zerstörte dieses Ensemble 1968; 1921 war bereits der Bibliotheksflügel am Klostergang für den Bau einer Haushaltungsschule verschwunden.

König Friedrich VII. begleitete mit großem Interesse diesen Schulneubau, dessen Kosten die königliche Kasse in Kopenhagen in erheblichem Maße trug, aber auch die hiesige Gotthard und Anna Hansen-Stiftung war beteiligt. Die Stadt Flensburg regelte die Verfügung von Grund und Boden.

Der König, der sich des öfteren in Flensburg aufhielt, ließ sich zusammen mit der Gräfin Danner die Bauentwürfe von Winstrup zeigen. Insbesondere lag ihm die Bibliothek am Herzen, deren Vorbild die Universitätsbibliothek in Kopenhagen sein sollte, und daher öffentlich für jedermann. Dafür konnte das alte Schulgebäude genutzt werden, das nun auch die Aula und einen Gymnastiksaal aufnehmen sollte.

Die Grundsteinlegung des Neubaus an der Roten Straße fand im August 1857 statt, vier Jahre später die feierliche Einweihung, die zweisprachig erfolgte. Friedrich VII. war anwesend. Die Büste des Königs, Blumen und Eichenlaub schmückten den Festsaal. Seine Verdienste für diese neue Einrichtung wurden in dänischer Sprache auch auf der Silberplakette festgehalten, die bei der Grundsteinlegung Verwendung gefunden hatte. Winstrups Fassadenentwurf für die Hauptansicht der neuen Lateinschule griff auf mittelalterliche Stilelemente zurück. Das Innere aber sollte den modernsten Ansprüchen genügen. Große, helle Klassenräume, Einrichtungen für naturwissenschaftliche Fächer wie Physik und Chemie, und nicht zuletzt das Observatorium auf dem Turm zeichnete diese Bildungsstätte aus.

Auch der Direktor hatte hier seine zur Roten Straße gelegene Wohnung. Im ersten Schuljahr unterrichteten bereits über 20 Lehrer 280 Schüler, überwiegend in dänischer, aber auch in deutscher Sprache.

Die durch den König verfügte Sprachverordnung, die den stark dänischen Charakter dieser Einrichtung bestimmte, führte öfters zu Spannungen bei den deutsch gesinnten Bürgern. Selbst ein Gedenken an Friedrich Schiller im Jubiläumsjahr 1859 wurde den Primanern nicht gestattet. Sie mussten in ein „Privatlokal“ ausweichen. Dabei war Schiller noch zu seinen Lebzeiten ein auch in Dänemark gefeierter Dichter gewesen.

Nächste und letzte Folge: Englisches Kapital: Das Gaswerk




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