Der Umbau des Bahnhofviertels : Das verschüttete Idyll

Blick vom Bahnhof: Vorn rechts der restaurierte Güterbahnhof; im Grünen, wo heute noch die Sportplätze sind (hinter den Bäumen), sollen  Wohnhäuser entstehen. Foto: Nowc
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Blick vom Bahnhof: Vorn rechts der restaurierte Güterbahnhof; im Grünen, wo heute noch die Sportplätze sind (hinter den Bäumen), sollen Wohnhäuser entstehen. Foto: Nowc

Der Umbau des Gebietes nördlich des Bahnhofs wird ein städtebauliches Großprojekt. Ein historischer Rückblick auf das Viertel im Süden der Stadt:

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23. Februar 2013, 07:17 Uhr

Flensburg | Nach den Vorstellungen der Stadt wird das Viertel am Bahnhof sein Erscheinungsbild drastisch verändern. Das Gebiet zwischen Postamt und Backensmühle ist Sanierungsgebiet. Mit der Neugestaltung soll Platz für neue Wohnhäuser entstehen - Anlass für einen Blick in die Vergangenheit.

Hätten wir ihn noch, er wäre ein Schatz im Stadtbild, eine Perle der Naherholung: der Mühlenteich. Als Relikt der Eiszeit, als große Wasserfläche, hat er das Gelände südlich der Innenstadt geprägt. Der Weg "Munketoft" teilte den stattlichen See in den großen (vom Munketoft bis zum Bahnhof) und den kleinen Mühlenteich (rund um das Deutsche Haus). Später wurde der Damm für die 1854 eröffnete Eisenbahn aufgeschüttet.

Die Bahn brachte der See-Idylle den Todesstoß. Die Gleisanlagen in der Innenstadt, rund um den heutigen ZOB, fanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr genug Platz. Auf der Suche nach neuem Gelände für den Bahnhof fiel die Wahl auf den Südrand des großen Mühlenteiches.

Es sollte ein extrem kompliziertes Projekt werden - erst recht, weil wahrscheinlich in den Köpfen der Stadtväter die Hoffnung auf einen Entwicklungsschub dämmerte. Auch in anderen Städten hatte die Bahn ihren Platz vor dem alten Stadtkern gefunden. Dazwischen entstand nicht selten ein florierendes Bahnhofsviertel. Vorbild für die Flensburger? Zumindest konnten sie eine Vergrößerung des Stadtgebietes erwarten. So verschwanden durch gewaltige Erdarbeiten die Mühlenteiche. Für Wasser war kein Platz mehr.

Der Gang durch die Bahnhofstraße zeigt, dass die Hoffnungen enttäuscht wurden. Feuerwehr, altes Arbeitsamt, Hallenbad - Verlegenheitslösungen.

Dafür verlor die Stadt eine Idylle. Ihrer Schönheit waren sich schon einige Flensburger bewusst, als der Verschöneungsverein 1880 einen prächtigen Weg, die "Valentinerallee", rund um den See anlegen ließ - "zur Freude der Mitbürger", wie es Dr. Dieter Pust beschreibt. Familie Valentiner schenkte dafür den Grund und Boden.

Nach der Einweihung 1927 beherrschte die Bahn das Gebiet mit Bahnhof, Bahnpost, der Güteranlage und dem Betriebswerk am Peelwatt. Der zweifelhafte Strukturwandel bei der Bahn ließ Anlagen verschwinden. Einige werden neu genutzt. Ein so großes Bahnhofsgebäude wie 1927 würde heute nie wieder entstehen.

Hätten wir den großen Mühlenteich noch - er hätte die Qualität einer Binnenalster. Ob die Sanierung des Viertels das Element Wasser zurück bringt, steht am Anfang der Planungen noch nicht fest.

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