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Flensburger Architektur : Das Vermächtnis von Axel Bundsen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Klassizismus-Häuser in Flensburg sind noch heute sichtbarer Ausdruck des neuen Reichtums durch den Westindienhandel im 19. Jahrhundert.

Flensburg | Vor wenigen Wochen ist ein neuer, kompakter Architekturführer für die Stadt Flensburg erschienen. Auf 170 Seiten vermittelt er einen Überblick, was die Stadt an herausragenden Bauwerken und Kulturdenkmälern vorweisen kann. Die beiden Autoren Henrik Gram und Eiko Wenzel haben mit den Augen von Architekten und Denkmalpflegern die Objekte ausgewählt und beschrieben, die nach ihrer Meinung die Baukultur in der Fördestadt prägen. Eiko Wenzel gibt in einer zehnteiligen Serie im Flensburger Tageblatt einen Überblick über den Inhalt dieses neuen Buches. Heute: Klassizismus in Flensburg – der Architekt Axel Bundsen.

 

Durch die Kriege des 17. und frühen 18. Jahrhunderts war die Wirtschaftskraft Flensburgs stark ausgezehrt. Erst um 1720 trat eine Erholung ein, in deren Folge auch die Bautätigkeit wieder zunahm. Die Barocktürme von St. Marien (1730/31) und St. Johannis (1741), das Waisenhaus in der Norderstraße (1725) oder der Barockgiebel des Eckener-Hauses sind heute noch ablesbare Spuren dieser Erholung. Aber erst mit dem ab 1755 vom dänischen König freigegebenen Westindienhandel setzte ein nachhaltiger Aufschwung ein, der an der Wende zum 19. Jahrhundert einen Höhepunkt erreichte. Sichtbarer Ausdruck des neuen Reichtums auf der Grundlage von Schifffahrt und Handel ist der Klassizismus.

Zu den bedeutenden Architekten des dänischen Klassizismus zählte der mehrfach in Flensburg beschäftigte Axel Bundsen. Er wurde 1768 in Assens auf der Insel Fünen geboren und studierte von 1785 bis 89 an der Kunstakademie in Kopenhagen Architektur. Auf einer Studienreise nach Frankreich hatte er die französische Revolutionsarchitektur kennen gelernt, deren Kennzeichen ein bewusster Bruch mit bis dahin geltenden Regeln der Baukunst war.

Bundsens erstes nachweisbares Werk in Flensburg ist der Umbau eines Müllerhauses zu einem repräsentativen Landhaus für den Kaufmann Peter Clausen Stuhr (heute Katharinen-Hospiz am Park) im Jahr 1797. 1804 baute Bundsen das Kaufmannshaus Angelburger Straße 2 für den Gewürzhändler und Reeder Christian Jensen. Die Fassade wird geprägt durch den flachen Dreiecksgiebel, der von ionischen Kolossalpilastern getragen wird. Leider ist dieses vielleicht schönste Beispiel eines klassizistischen Bürgerhauses seit einem bereits 1897 erfolgten Umbau des Erdgeschosses entstellt.

Ein weiteres Beispiel ist das ebenfalls Bundsen zugeschriebene Haus Große Straße 24, das Andreas Christiansen II (1780-1831) in Auftrag gab. Auch hier wird die Fassade durch einen breiten Dreieck-Giebel abgeschlossen und durch Stuckreliefs geziert. Andreas Christiansen II war auch der Auftraggeber des großen Landschaftsgartens auf der Westlichen Höhe (Christiansen-Park), in dem 1810-13 der (Alte) Friedhof in der Grundrissform eines antiken Sarkophags angelegt wurde. Architekt sowohl der Friedhofsanlage als auch der Kapelle war wiederum Axel Bundsen. Die Beschäftigung Bundsens, der viele Aufträge aus dem Adel erhielt, durch den bürgerlichen Kaufmann Christiansen spricht für das Selbstbewusstsein und den Anspruch des bedeutendsten Flensburger Kaufmanns dieser Zeit.

Zu den Hauptwerken des Klassizismus im Norden wird die Friedhofskapelle gezählt. An keinem anderen Bauwerk zeigt sich die Vorbildwirkung der französischen Revolutionsarchitektur so deutlich wie hier. Der Bau wurde als Symbol des Übergangs vom Leben zum Tod gestaltet. Er ist als Torbau konzipiert, in dem die Trauergemeinde für die Feier in einem intimen Kuppelraum verweilt. Die Stuckarbeiten in der Kapelle werden dem aus dem Tessin stammenden Stuckateur Francesco Antonio Tadey zugeschrieben, der mit Bundsen bereits beim Neubau des Gutes Knoop zusammengearbeitet hatte. Tadey schuf auch die Stuckaturen in den Wohnräumen des Kaufmannshauses Angelburger Straße 2.

Nach den Rückschlägen der Napoleonischen Zeit setzte sich der Aufschwung fort. Der dänische Klassizismus blieb der beherrschende Stil in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Beispiele sind die Gaststätte in der Marienhölzung und das vom Königlichen Bauinspektor Wilhelm Friedrich Meyer 1842/43 erbaute Zollpackhaus (heute Schifffahrtsmuseum).

 

Henrik Gram/Eiko Wenzel, Zeitzeichen. Architektur in Flensburg, herausgegeben von der Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein, dem Landesamt für Denkmalpflege, der Stadt Flensburg und dem Verein Flensburger Baukultur, erschienen im Verlagshaus Leupelt, Handewitt, 2015, ISBN 978-3-943582-11-6, 14,80 Euro.

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erstellt am 19.Aug.2015 | 11:00 Uhr

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