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Wolfram Aust : Das Vermächtnis eines Malers, der die Landschaft Angeln liebte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Galerie Bilder im Hof in Flensburg erinnert mit einer Ausstellung an den 2012 verstorbenen Expressionisten Wolfram Aust.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2014 | 07:24 Uhr

Flensburg | Der norddeutsche Himmel kann bei Wolfram Aust alle Farben tragen: blassblau, zartgrau, dunkelviolett. Und meistens bauschen sich schneeweiße oder auch mal schmutzige Wolken dort auf. „Der Himmel über Angeln lässt mich das ganze Jahr nicht los“, soll der Künstler, der 2012 gestorben ist, gesagt haben. Ihm widmet die Flensburger Galerie „Bilder im Hof“ in der Roten Straße eine Ausstellung zur Erinnerung, zeigt zum dritten Mal Austs Werke.

Reizend gelber Raps, strahlend blaue Förde, heller Sand, gelegentlich bunte Häfen, jedoch niemals Menschen bildet Wolfram Aust ab. Gefühlt seien vier von fünf Bildern irgendwo zwischen Flensburg und Kappeln angesiedelt, sagt Galeristin Karen Kaul.

Der in Schlesien geborene Aust wollte immer Maler werden, weiß sie, schon in frühen Skizzen sei „dieser expressionistische Strich“ erkennbar gewesen. Tatsächlich habe er in seiner Jugend Unterricht genommen und über die Malerei eine Freundschaft mit dem Kunstmaler Professor Klaus Fußmann entwickelt. Wolfram Aust wurde aber Arzt, später Chefarzt der Augenklinik Kassel. Zum Ausgleich malte der Professor Ölbilder und Aquarelle, im Urlaub, für sich, sagt Kaul. Die Familie verbrachte die Ferien bevorzugt im Sommerhaus in Nordgaardholz an der Förde. Als der Augenheilkundler in den Ruhestand ging, sei die Malerei zu seinem Lebensinhalt geworden.

In Norgaardholz sei sie aufgewachsen, erzählt die Galeristin. Eines der 78 Exponate bei Bilder im Hof, von denen die Hälfte noch nie gezeigt worden sei, trägt den Titel „Badestelle mit Lietzows Boot“. An den in der Gegend beinahe legendären Fischer namens Lietzow kann sich Karen Kaul erinnern. Ihre Eltern hätten schon den Butt gekauft, den er mit dem Rad unter die Leute brachte und aus dem Korb heraus verkaufte.

Aust sei ein Künstler gewesen, der all seinen Bildern Namen gegeben habe, sagt Kaul. Feld, Wiesen, Raps kommt darin vor – und für Menschen dieser Gegend vertraute Namen wie Gelting, Wackerballig, natürlich Norgaardholz. Als Aust zum ersten Mal die Flensburger Galerie betrat, um seine Bilder anzubieten, hatte Inhaber Holger Schwiewager eigentlich gerade keinen Kopf für neue Künstler, berichtet Kaul. Doch: „Wolfram Aust hat etwas ausgelöst“, erinnert sie sich an Schwiewagers Reaktion, obwohl der Maler keine Proben dabei hatte. Der Besuch im Atelier überzeugte indes, und die Begegnung war der Beginn einer vertrauensvollen Zusammenarbeit, die in drei Ausstellungen mündete.

„Wenn er nicht mehr malen kann, will er nicht mehr leben“, zitiert Karen Kaul noch einen Satz Austs, des ihr bekannten, bescheidensten Künstlers. Tatsächlich sei sein letztes Bild zwei Wochen vor seinem Tod mit 80 Jahren entstanden.

Wolfram Aust – in memoriam: bis zum 26. April zu sehen in der Galerie Bilder im Hof, Rote Straße 16, Flensburg, Mo-Fr 9.30 bis 18 Uhr, Sa bis 16 Uhr.

 

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