Das "Vermächtnis" des Großvaters

Heinz Jensen (l.) und Malte Stahnke mit dem Porträt einer kleinen Maasbüllerin von 1914.            Foto: oy
Heinz Jensen (l.) und Malte Stahnke mit dem Porträt einer kleinen Maasbüllerin von 1914. Foto: oy

Nachfahren wollen das Werk des Angelner Malers Theo Jensen-Husby (1888 bis 1970) sichten und katalogisieren

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08. Mai 2012, 05:46 Uhr

Husby | Mit seinen Bildern ist der Angelner Maler Theo Jensen-Husby (1888 bis 1970) auch heute noch gegenwärtig. Etwa an den Wänden des stattlichen Hodderuper Hofgebäudes des Großneffen des Malers, Heinz Jensen (69), und seiner Frau Anne prangen farben-prächtige Exponate: das groß-formatige Ölbild des blau-stillen Teiches im Husbyrieser Wald von 1923, etwa; auch das Spätwerk des bunten Beetes im Glücksburger Garten des Künstlers, hiesige Landschaften, sprechende Porträts. Gemeinsam mit seinem Cousin Malte Stahnke (55) aus Uelzen, dem Enkel des Malers, will Jensen das künstlerische Werk seines Großonkels sichten und katalogisieren. "Wir empfinden es als Vermächtnis", erklären beide: "Es ist toll, wir haben so viel Spaß daran." Schließlich würde Theo Jensen-Husby im kommenden Jahr 125 Jahre alt.

Seit Dezember wird regelmäßig zusammengetragen, gesichtet, fotografiert. Allein im Familienbesitz befinden sich an die hundert Werke. Ein großes Ziel motiviert die Jensen-Nachfahren: Sie wollen ein Werkverzeichnis, wenn möglich einen umfassenden Katalog erstellen. "Wir sind sehr interessiert, mehr über den Verbleib und die Hintergründe möglichst vieler Bilder zu erfahren, würden sie gern fotografieren." Die Geschichten hinter den Bildern, die sie entdecken, seien köstlich, berichtet Jensen. Sehr sei das Werk Theo Jensen-Husbys in der Region verankert; vor allem Ältere könnten noch etwas zu Hintergrund oder Motiv der Bilder erzählen. Für ein wieder entdecktes Bild seines Großvaters wird Stahnke in diesen Tagen gar bis ins nördliche Schweden reisen: "Ich bin gespannt, welche Ge-schichte, welche Verbindung sich dahinter verbirgt", sagt er.

Lebhaft erinnert sich Stahnke an seinen Großvater, in dessen Haus er als Kind die Sommerferien verbrachte, wo er ihm beim Malen zusehen durfte. "Die ungebundene, künstlerische, großzügige, kreative und experimentierfreudige Aura hat uns Kinder fasziniert", berichtet der Maler-Enkel. In den sechzig Jahren seines Kunstschaffens sei Theo Jensen-Husby ungeheuer fleißig gewesen, versuchte sich an immer wieder neuen Stilrichtungen, malte unter freiem Himmel wie im großen Atelier, das die ganze erste Etage seines Glücksburger Hauses am Philosophenweg einnahm. Anschaulich erzählt Stahnke von der anregenden Künstleratmosphäre im großelterlichen Haus: "Da war immer viel los, es wurde gescherzt, getrunken, gelacht." Immer seien Künstlerkollegen da gewesen, vor allem die Maler Hans Holtorf und Sophus Hansen, der Bildhauer Jonannes Jensen-Kragholm. Die Geburtstage seien Sternstunden gewesen, mit viel zu Essen, Zigarren und gegenseitig geschenkten Kunstwerken, die kritisch diskutiert wurden. "Das musste was Ordentliches sein", so Anne Jensen: "Dat weer keen Schiet", habe Jensen-Husby dann gern gesagt.

Theo Jensen-Husby, am 4. August 1888 in Weseby als Sohn des Maschinenbauers Peter Jensen geboren, lernte zwei Jahre an der Flensburger Kunstgewerbeschule, wo er später auch unterrichtete, studierte in München figürliche und Kirchenmalerei. Er war Soldat im Ersten und Zweiten Weltkrieg, lebte als freier Künstler zunächst in der Husbyer Flensburger Straße, ab 1929 in Glücksburg. Neben der Malerei arbeitete er von 1925 bis 1942 als Bühnenbildner am Flensburger Theater. Er restaurierte das Alt-Flensburger Haus, den Orgelprospekt von St. Nikolai, Deckengemälde und Orgeln der Kirchen von Rüllschau, Steinbergkirche, Toestrup und Wenningstedt auf Sylt. Im Sommer wurde im Atelier am Bottschlotter See gemalt und gelebt. 1921 präsentierte das Flensburger Museum Theo Jensen-Husby in einer Einzelausstellung. Hübsches Kuriosum am Rande: Im Haus Heinz Jensens, das aus dem Besitz der Schwiegereltern stammt, hatte der Großonkel einst die Türen mit jahreszeitlichen Motiven versehen. Unter Telefon 0162/107 31 21 ist Heinz Jensen erreichbar. www.theo-jensen-husby.de

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