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Ausstellung Museumsberg : Das Universalgenie des Jugendstils

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Museumsberg zeigt ab Sonntag die erste große Retrospektive zum Gesamtwerk Hans Christiansens.

Flensburg | Es ist die größte Ausstellung, die Direktor Michael Fuhr auf dem Museumsberg je verantwortet hat. Sie ist so groß, dass Fuhr und sein Team die rund 300 Exponate auf beide Häuser verteilt haben. Und es ist die erste große Retrospektive eines Künstlers, der immerhin so bedeutend war, dass eines der beiden Gebäude auf dem Museumsberg nach ihm benannt wurde. Die Rede ist von Hans Christiansen, geboren 1866 in Flensburg.

Er galt als „Universalgenie des Jugendstils“ (Fuhr), hat diese Kunstrichtung maßgeblich mitgeprägt, geriet jedoch schon zu Lebzeiten in Vergessenheit. Das führte nicht zuletzt zu einem Preisverfall seiner Werke; in weiser Voraussicht hat die damalige Museumsdirektorin Ellen Redlefsen in den 50er Jahren den Nachlass Christiansens von dessen Witwe Claire für vergleichsweise wenig Geld erworben – schon damals hatte die Stadt kein Geld, so dass der Kunstverein half.

Die Ausstellung, die am Sonntag eröffnet wird, hat am Geburtsort des Künstlers ihre Endstation. Vor rund einem Jahr wurde sie auf der Mathildenhöhe in Darmstadt eröffnet. Dort gehörte Christiansen zur Erstbesetzung der Künstlerkolonie des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und gestaltete sein Wohnhaus „Villa in Rosen“ als Gesamtkunstwerk. Zusammen mit dem Institut der Mathildenhöhe hat der Museumsberg die Ausstellung mit einem Vorlauf von vier Jahren zusammen gestellt. Sie war im Sommer in München (Villa Stuck) und zuvor in Berlin (Bröhan-Museum) gezeigt worden. Sie hat bundesweit für Aufsehen gesorgt, unter anderem hat die Neue Zürcher Zeitung sie rezensiert: „Die Mathildenhöhe feiert nun die Wiederentdeckung eines der größten Kunsthandwerkers des 20. Jahrhunderts“.

Kunsthandwerker – na ja! Die Ausstellung zeigt eine ungemein große Bandbreite des Allround-Künstlers, der sich in seiner letzter Lebens- und Schaffensphase sogar als Philosoph, Autor und Weltenretter sah. Von der Brosche bis zum komplett eingerichteten Salon reicht das Spektrum der präsentierten Werke. Die Schau ist chronologisch aufgebaut, beginnt im Christiansen-Haus mit den frühen Phasen, thematisiert den Besuch des Künstlers bei der Weltausstellung 1893 in Chicago – Kuratorin Dorothee Bieske: „ein Erweckungserlebnis“ – und den Wechsel nach Paris, wo er die Malerei entdeckte. Von hier aus versorgte er die stilprägende Zeitschrift „Die Jugend“ mit Grafiken und zahllosen Titelbildern, zu sehen in Entwürfen und Originalen. Michael Fuhr: „Am besten war er als Grafiker“, der Zyklus „Die vier Elemente“ ist für Bieske „archetypischer Jugendstil“, der Umgang mit der Fläche in diesen Grafiken meisterhaft.

Zu sehen sind Entwürfe für Geschirr und das Geschirr selbst, ein Entwurf für ein prächtiges rotes Kleid und das von der Flensburger Theaterschneiderin gefertigte Kleid selbst. Gezeigt werden Glasfenster in überbordender Farbigkeit, meist als Entwürfe, Plakate, die an Toulouse-Lautrec erinnern, aber auch prächtige Schränke, die zum Teil in Flensburg restauriert wurden, und – natürlich – Wandteppiche.

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erstellt am 09.Okt.2015 | 14:30 Uhr

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