Das traurige Ende eines Naturdenkmals

Den in Stücke zersägten Stamm der Esche nahmen die Düttebüller unter die Lupe: Willi Rohloff (links), Dietrich Tramsen, David Krause, Michael Köpp und Hans-Walter Jens.  Foto: KÖHLER
Den in Stücke zersägten Stamm der Esche nahmen die Düttebüller unter die Lupe: Willi Rohloff (links), Dietrich Tramsen, David Krause, Michael Köpp und Hans-Walter Jens. Foto: KÖHLER

Entsetzen und Verwunderung in Kronsgaard über Fällung einer über 100 Jahre alten Esche / Erklärung: Baum war wegen Pilzbefalls dem Tode geweiht

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16. Februar 2012, 05:48 Uhr

Kronsgaard | Stolz waren die Einwohner des Kronsgaarder Ortsteils Düttebüll auf ihr markantes "Baumtor", das rund 100 Jahre lang das Nordende der Lindenallee begrenzte. Aus zwei Eschen, beide etwa zwölf Meter hoch, bestand links und rechts eines Teilabschnitts der Kreisstraße 111 diese historische Anlage. Doch jetzt ist eine "botanische Ära" zu Ende gegangen. Das Tor ist weg, nur ein Torso übrig geblieben.

Anlieger Michael Köpp traute seinen Augen nicht, als er mit ansehen musste, wie zum Wochenbeginn vier Fahrzeuge der Straßenmeisterei anrückten, die Straße sperrten und an der Ostseite mit dem Fällen der auf einem Grünstreifen zwischen Fahrbahn und Radweg stehenden Esche begannen. Kurz darauf erschien auch der in Kronsgaard ansässige Ostangelner Nabu-Chef Dietrich Tramsen am "Tatort". Beide zeigten sich anfangs empört über die Fäll-Aktion, zumal es den Anschein erweckte, als ob hier einem völlig gesunden Naturdenkmal mit Motorsägen der Garaus gemacht wird.

Auch Bürgermeister Hans-Walter Jens, zugleich Amtsvorsteher an der Geltinger Bucht, nahm die Information über den Einsatz der Straßenmeisterei mit Verwunderung zur Kenntnis. "Bei mir lief das Telefon heiß, denn viele Bürger, die mit ihren Autos durch die Allee fuhren, zeigten sich irritiert und wollten wissen, was das Ganze zu bedeuten hat." Jens moniert, dass weder er noch die Amtsverwaltung in Steinbergkirche im Voraus von dieser Maßnahme in Kenntnis gesetzt wurden.

Am Dienstag dann konnte der Bürgermeister nach eignen Recherchen Klarheit schaffen. Dort, wo auf dem Grünstreifen jetzt große Teilstücke des Eschenstammes zwischengelagert werden, erläuterte Jens den Hergang der Dinge. Andreas Kupperschmidt, Leiter der Straßenmeisterei Süderbrarup, habe ihm fernmündlich versichert, dass die Untere Naturschutzbehörde die Eschenfällung genehmigt habe. Letztlich sei der Auftrag jedoch vom Flensburger Straßenbauamt ergangen, und zwar nach Vorlage eines angeforderten Gutachtens des Baumchirurgen Stefan Vetteriek aus Flensburg. Dieser habe festgestellt, dass der 100-jährige Baum "vom Tod gekennzeichnet" sei.

Das Eschensterben wird von einem parasitären Schlauchpilz namens "Chalara fraxinea" verursacht. Er dringt in das Holz ein und ruft eine so genannte Tracheomykose hervor, eine Infektion der Leitungsbahnen. Dadurch wird der Transport von Nährsalzen und Wasser von der Wurzel bis in die Krone unterbunden, was die Laubbäume einem schleichenden Tod ausliefert. Befallene Eschen bekommen eine schüttere Belaubung, trockene Blätter und Zweige. Ein weiteres typisches Merkmal sind Nekrosen (absterbende Zellen) und damit verbundene rotbraune Verfärbungen der Rinde.

Was die Düttebüller Esche betrifft, so hätte sie über kurz oder lang von selbst umstürzen und den Straßenverkehr erheblich gefährden können, so die Erklärung für die Fällung. Ob die zweite Esche des ehemaligen Baumtores ebenfalls todkrank ist, diese Frage bleibt offen. Hier hat die Straßenmeisterei keinen Zugriff, weil der Baum auf der Westseite der K 111 zum Grundeigentum von Benedikt von Hobe (Gut Düttebüll) gehört.

Nachzutragen bleibt eine Erinnerung an ein "Original" namens Detlef von der Birk, der in den Nachkriegsjahren mit seinem klapprigen Fahrrad von Haus zu Haus zog, um Knöpfe und Schnürsenkel zu verhökern. Hans-Walter Jens weiß aus der eigenen Kindheit, dass der schrullige Detlef an heißen Sommertagen unter jener Esche, die nun abgesägt wurde, seinen Mittagsschlaf zu halten pflegte.

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