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Flensburger Tageblatt

17. August 2017 | 18:10 Uhr

Das Tier als Kunstobjekt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Museumsberg und Kunst & Co. zeigen parallel Werke von Sina Heffner

Die Giraffe spreizt ihre Vorderbeine, um mit dem Maul auf den Boden zu gelangen. Sie ist 4,50 Meter hoch, man kann locker unter ihr hindurch gehen. Die Giraffe ist schneeweiß, und sie steht auf einer Grünfläche an der Braunschweiger Straße in Wolfsburg. Deshalb kann in der Flensburger Ausstellung nur ein Foto der Giraffe gezeigt werden.

Dafür gibt es hier vier – deutlich kleinere – Giraffenköpfe. Und Gazellen. Springböcke. Vögel. Tiere sind das Thema der Braunschweiger Künstlerin Sina Heffner, deren Werke drei Monate lang in Flensburg zu sehen sind. Heute wird das erste Drittel ihrer Ausstellung bei Kunst & Co. am Klostergang eröffnet, Sonntag geht es weiter im Heinrich-Sauermann-Haus auf dem Museumsberg, und das letzte Drittel geht im April im Kunstmuseum in Tondern an den Start.

Tiere sagen jedem etwas, auch Kindern. Der Mensch kann ein Tier auch dann erkennen, wenn seine Form arg abstrahiert und reduziert ist. Wenn es keine Farbe hat. Wenn es nur in zwei Dimensionen dargestellt wird. Wenn man es von oben sieht. Sina Heffners Tierwelt bevölkert drei Räume im Sauermann-Haus; zusätzlich hat Museumsdirektor Michael Fuhr sie um „Interventionen“ in die Dauerausstellung gebeten. So leisten einige ihrer weißen Vögel den lebensechten Präparaten in den Vitrinen des Naturwissenschaftlichen Museums Gesellschaft. Und zwischen klassischen Gemälden, Möbeln und Skulpturen finden sich plötzlich schneeweiße Geweihe oder eine kleine Schar riesiger Schmetterlinge. Gewünschter Nebeneffekt: Besucher von „Heffners Tierschau“ werden in die Dauerausstellung gelockt.

Die 35-jährige Künstlerin arbeitet äußerst kreativ mit Material und Techniken, dabei beweist sie Mut zu weitgehenden Reduktionen und zur leeren Fläche. Das Papierwerk „Flug“ zeigt keinen Kopf, keinen Schnabel, kein Bein, und dennoch sieht der Betrachter einen Vogelschwarm. Der Scherenschnitt „Gazellen“ ist gleichzeitig zwei- und dreidimensional. „Wolkenzug“ zeigt einen Vogelschwarm und seinen Schatten.

Wie ein alter Mantel hängt die „Giraffenhaut“ an einem Nagel – keine Angst, sie ist aus Latex! Der Elefant aus Draht sieht aus wie eine dreidimensionale Bleistiftzeichnung – er wird in Tondern zu sehen sein. Eine Holzskulptur zeigt eine Katze im Sprung. Bei Sina Heffner fließen Formen und Gattungsgrenzen ineinander.

Natürlich kann man jeden Teil der Ausstellung für sich besuchen. Doch der besondere Reiz dieser Triple-Schau besteht darin, die Entwicklung von der „Keimzelle“ bei Kunst & Co. über die große Entfaltung im Museum bis hin zur Vollendung in Tondern zu verfolgen. Es wird Shuttle-Busse geben, um dies an einem Tag zu ermöglichen.

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erstellt am 18.Feb.2016 | 19:47 Uhr

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