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Vorschlag Flensburger Flugplatz Schäferhaus : Das Rennen um die „Landshut“ beginnt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Sprecher des Außenministers sagt: Entschieden ist noch nichts. Co-Pilot Jürgen Vietor schlägt Bonn vor.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 11:18 Uhr

Außenminister Sigmar Gabriel hat sich offen für Pläne gezeigt, die ehemalige Lufthansa-Maschine „Landshut“ aus Brasilien nach Flensburg zu holen. Es gebe derzeit „jede Menge zivilgesellschaftliche Ideen, was man mit der Landshut an Erinnerungskultur auf die Beine stellen könnte“, sagte Gabriels Sprecher in Berlin. Dass eine dieser Ideen aus Flensburg komme, „das begrüßen wir sehr und das freut uns“.

Die damals neue Sondereinheit GSG-9 hatte im Oktober 1977 mit der Befreiung der über 80 Landshut-Geiseln im somalischen Mogadischu Geschichte geschrieben. Palästinensische Terroristen wollten mit der Aktion auf dem Höhepunkt des „Deutschen Herbstes“ inhaftierte Terroristen der Rote-Armee-Fraktion freipressen.

Die „Landshut“ ist vor 40 Jahren durch ihre Entführung und die spätere Befreiung der Geiseln im somalischen Mogadischu zu einem Stück deutscher Geschichte geworden. Inzwischen rottet die längst im Besitz eines brasilianischen Unternehmens befindliche Boeing 737 auf einem Flugzeugfriedhof in Fortaleza vor sich hin und hat nur noch „physischen Schrottwert“, wie Gabriels Sprecher sagte. Um die Maschine vor dem Verfall zu retten, will sie der Flensburger Luftfahrt-Enthusiast Thomas Liebelt an die Förde holen und zu einem begehbaren Museum auf dem Flugplatz Schäferhaus machen.

„Grundsätzlich finde ich es lobenswert, wenn sich Herr Liebelt dafür einsetzt, der Landshut als Symbol des Deutschen Herbstes in Flensburg eine letzte Ruhestätte zu geben“, sagt Jürgen Vietor. Er war der Co-Pilot der „Landshut“ während der Entführung. 1965 war er im Rahmen seiner Offiziersausbildung in Mürwik. Vietor hat einige Jahre in Flensburg gelebt, seine Kinder gingen hier zur Schule, und seine Tochter wohnt in Flensburg. Auch die Initiative, die „Landshut“ in der Lufthansawerft überholen zu lassen, würde einiges der hohen Kosten der Rückführung und Restaurierung mildern.

Jürgen Vietor zeigt Schülern auf einer Karte die Flugroute der  „Landshut“.

Jürgen Vietor zeigt Schülern auf einer Karte die Flugroute der  „Landshut“.

 

Doch der 74-Jährige, der in Quickborn bei Hamburg lebt, gibt ein Aber zu bedenken. Abgesehen von den Bildern von vor 40 Jahren, die die Begriffe „Landshut“ – „GSG9“ – „Mogadischu“ bei den meisten Menschen hervorbringen, gebe es noch eine andere Dimension. „In der Landshut haben nicht nur rund 90 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder gelitten, wurde nicht nur mein Kollege, Jürgen Schumann erschossen“, erinnert Jürgen Vietor. Drei Terroristen, denen er nicht nachweine, starben; aufgrund der Befreiung durch die GSG9 wurde zudem Hanns Martin Schleyer ermordet, und die inhaftierten RAF-Mitglieder verloren ihr Leben. „Dies alles“, so betont Vietor, habe seines Erachtens „doch so viel Bedeutung, dass eine Aufstellung, sollte die Rückführung überhaupt durchgeführt werden, im Bereich des Hauses der Geschichte in Bonn sinnvoller“ sei. „Hier wurden in unmittelbarer Nachbarschaft – im Bundeskanzleramt – Entscheidungen über Leben und Tod getroffen!“

Im März wird Vietor nach Fortaleza reisen, im Rahmen einer Dokumentation des Südwestrundfunks.

Entschieden über den Verbleib der „Landshut“ ist noch nichts, sagte Gabriels Sprecher in Berlin. Zum einen ist unklar, wer einen Kauf und Rücktransport der Maschine nach Deutschland bezahlt: „Das ist alles noch ganz offen, wie wir das jetzt machen“, antwortete der Sprecher auf die Frage, ob der Bund die Kosten übernähme. Zum anderen gibt es noch weitere Interessenten. Neben Flensburg hat etwa das hessische Griesheim seinen Hut in den Ring geworfen. „Die ganzen Vorschläge sollten wir jetzt nicht öffentlich diskutieren, sondern es macht Sinn, dass sich Experten daran setzen, die schauen, ob man ein Gesamtkunstwerk zusammenbekommt“, sagte der Sprecher.

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