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Kommentar : Das Referendum in Katalonien: Eine Schande für Europa

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Blutiger Sonntag in Spanien. Ein Kommentar von Michael Clasen.

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2017 | 06:45 Uhr

Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet. Die spanische Regierung von Mariano Rajoy hat das katalanische Unabhängigkeitsreferendum mit Polizeigewalt unterdrückt. Unzählige Wähler wurden von Gummigeschossen verletzt oder verprügelt. Wahllokale sind gestürmt und Urnen beschlagnahmt worden: So gehen eigentlich Diktatoren mit Andersdenkenden um, nicht Demokraten. Der blutige Sonntag von Barcelona ist eine Schande für Europa.


Wie zerbrechlich das Eis der europäischen Wertegemeinschaft ist, zeichnete sich schon im Vorfeld ab. Statt eine faire Abstimmung zu gewährleisten wie in Großbritannien beim Brexit oder in Schottland beim Unabhängigkeitsreferendum, verschanzte sich Madrid hinter der Verfassung und setzte auf Repressalien. Hunderte Bürgermeister und Abgeordnete wurden im Vorfeld eingeschüchtert oder verhaftet. Die Regierung von Rajoy hat nicht verstanden, dass es das alte Katalonien-Problem nicht löst, die Abstimmung für illegal zu erklären und Polizei aufmarschieren zu lassen. Klüger wäre es gewesen, auf ein gewaltsames Eingreifen zu verzichten. Dann hätte Madrid das Ergebnis als nicht bindend zur Kenntnis nehmen können, ohne den Konflikt unnötig zu verschärfen. So tat es vor wenigen Tagen die irakische Regierung, als die Kurden im Norden bei einem Referendum für die Unabhängigkeit gestimmt hatten.

Ob eine Abspaltung Sinn macht, darüber sollten allein die Katalanen entscheiden. Vor dem Referendum war die Region in dieser Frage tief gespalten. Es gibt nicht wenige Katalanen, die den neuen Nationalismus für falsch und schädlich halten. Nach dem Gewaltexzess dürfte aber in Barcelona der Ruf nach Freiheit laut wie nie werden. Die EU muss jetzt vermitteln, damit die Lage nicht völlig eskaliert.
 

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