Krusau und Tunneltal : Das Rätsel der gefällten Bäume

Übereinander gestapelt liegen die gefällten Baumstämme am Rand des Gendarmstiens. Das Abholzen ist jenseits der dänischen Grenze völlig legal.
Foto:
1 von 2
Übereinander gestapelt liegen die gefällten Baumstämme am Rand des Gendarmstiens. Das Abholzen ist jenseits der dänischen Grenze völlig legal.

Spaziergänger und Anwohner des Tunneltals sind bestürzt über aufgestapelte Stämme. Was aber auf deutscher Seite bemängelt wird, ist hinter der dänischen Grenze offensichtlich normal.

shz.de von
30. Juli 2015, 11:30 Uhr

Harrislee | Große und kleine Baumstämme liegen übereinander gestapelt am Rande des Gendarmstiens, dem Wanderweg auf den Spuren der historischen Grenzpatrouille. Die Ringe von einigen lassen darauf schließen, dass sie über 100 Jahre alt sind. Doch warum wurden sie gefällt? Diese Frage stellen sich auch Joshua und Gerda Grünwald. Die beiden gehen gerne in der Umgebung des Niehuuser Sees spazieren und genießen die Atmosphäre des Naturschutzgebiets. Doch der Anblick der gefällten Bäume schockierte den Tänzer aus Flensburg. „Das Gebiet verkommt so“, sagt Grünwald. Außerdem würden dort seltene Vögel brüten. Für das Ehepaar ist das, was auf der dänischen Seite passiert, ein Skandal.

Das Gebiet um den Niehuuser See wurde von 2003 bis 2006 im Rahmen des Interreg-Projekts III A unterstützt. Die EU fördert dieses Umweltprojekt, das ein Volumen von 1,2 Millionen Euro hat, zu 50 Prozent. Das damalige Amt Sønderjylland, das heute zur Kommune Apenrade gehört, und die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein auf deutscher Seite trugen mit ihren Partnern die anderen 50 Prozent bei. Nach Ablauf des Projekts blieb es den Kommunen selbst überlassen, das Gebiet weiter zu schützen. Seit fünf Jahren stehen die 137 Hektar des eiszeitlichen Niehuuser Tunneltals und der Krusau mit angrenzenden Schluchten, feuchten Hochstaudenfluren und Quellwäldern unter Schutz. Dort sind auch die Bauchige Windelschnecke und der Moorfrosch zu Hause.

Während auf deutscher Seite der Erhalt des Lebensraums höchste Priorität hat, verzichtete man in Dänemark darauf, die Umgebung des Niehuuser Sees und der Krusau zum Naturschutzgebiet zu erklären. Folglich ist es dort legal, Bäume zu fällen, wann immer es für nötig gehalten wird. Das bestätigt Martin Reimers vom Forstamt Sonderjylland. Was für die deutschen Anwohner inakzeptabel ist, ist für die Dänen offenbar völlig normal.

Auf deutscher Seite hat außer den Anwohnern kaum jemand etwas von der Abholzung mitbekommen. Weder die Gemeinde Harrislee noch die Naturfreunde Harrislee wissen etwas von den Baumstämmen am Gendarmstien. Unternehmen könnten sie gegen die „Kahlschläge“ jedoch nichts, denn sie sind außerhalb des Bundesgebiets. „Wir sind nur auf deutscher Seite tätig“, sagt Annegret Süss, Landschaftsplanerin der Hamburger Firma Planula, die gerade einen Plan zur Sicherung des Lebensraumes „Niehuuser Tunneltal und Krusau mit angrenzenden Flächen“ erarbeitet (wir berichteten). Auch die Mitarbeiter der Stiftung Naturschutz sind von der „Zerstörung des Waldes“ nicht begeistert, doch auch ihnen sind die Hände gebunden.

Unbestätigten Informationen zufolge plant eine Grundstücksbesitzerin am Gendarmstien, ihren alten Hof an den Hängen von Pattburg oberhalb des Sees abzureißen und dort mehrere repräsentative Häuser zu bauen. Es soll sogar schon einen Projektleiter dafür geben. Spaziergängern sind bereits der gerodete Hang und die planierte Erde in dem Gebiet aufgefallen. Auch die Gemeinde Harrislee hat Informationen über ein privates Bauprojekt erhalten. Ob die beiden Vorhaben in einem Zusammenhang stehen, ist nicht bekannt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen