Stadtentwicklung Flensburg : Das Ostufer hat jetzt TÜV

Beliebter Rückzugsplatz: der alte Speicher an den ausgemusterten HG-Silos.
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Beliebter Rückzugsplatz: der alte Speicher an den ausgemusterten HG-Silos.

Gutachter geben auf Bürgerinformation grünes Licht: Wohn-Nutzung im gesamten Sanierungsgebiet möglich / Quartiers-Umbau wird teuer

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23. Juni 2017, 07:00 Uhr

Für die Oberbürgermeisterin – und wohl nicht nur für sie – ist es das seit einiger Zeit meist diskutierte Zukunftsthema in der Stadt: die künftige Gestaltung des Hafen-Ostufers. Der Sanierungsträger der Stadt beschäftigt sich seit März 2015 mit dem seeseitig durch die Kaimauer und landseitig durch den Volkspark-Hang begrenzten Gelände zwischen Hafen- und Harniskaispitze. Am Mittwoch waren fast 200 Flensburger einer Einladung zur Bürgerinformation im schicken Yacht Heritage Center der Yachtwerft Robbe & Berking gefolgt. Der Sanierungsträger informierte über die Ergebnisse dreier Workshops, zwei Architekten über drei historische Speicher, zwei TÜV-Experten über die alles entscheidende Frage, ob eine friedliche Ko-Existenz zwischen Wohnen, Gewerbe und Hafenumschlag in diesem Quartier möglich ist. Die gute Nachricht des Abends: Es geht!

Das Sanierungsgebiet hat den TÜV – aufgrund der Tätigkeit der beiden unverrückbaren Großbetriebe FSG und Stadtwerke – mit leichten Mängeln bestanden. Das legten die Gutachter Gerhard Puhlmann und Thorsten Jacobs dar. Tagsüber liege die zulässige Lärmgrenze in urbanen Gebieten bei einem Schalldruckpegel von 63 dB (Dezibel). „Dieser Wert wird hier deutlich unterschritten“, stellte Jacobs fest, „Probleme aber haben wir nachts.“ Die nächtliche Vorgabe von 45 dB werde um bis zu 5 dB überschritten – jedoch könne diese Grenze auf Basis dieser Daten aufgehoben werden. „Dann besteht allerdings die Pflicht, das Gebiet im B-Plan als belasteten Bereich auszuweisen. Grundsätzlich aber ist Wohnbebauung in Bezug auf die Lärm-Emissionen im gesamten Planungsbereich möglich.“ Kollege Puhlmann hatte Ähnliches über Feinstaub-Belastungen zu berichten. Im Nahbereich des Massenumschlagplatzes im Gewerbehafen würden Grenzwerte zwar zeitweilig überschritten – eine unüberwindbare technische Hürde sei das nicht.

So viel zum grünen Licht, es gab aber auch Stopp-Signale, und die waren finanzieller Natur. Petersen, Pörksen & Partner, Architekten aus Lübeck, hatten sich mit den drei unter Denkmalschutz stehenden alten Speichern beschäftigt. Klaus H. Petersen und sein Kollege Nils Dethlefs hatten im Auftrag der Stadt ausgerechnet, was es kostet, ein so spezielles Industriedenkmal mit seinen haushohen Silozellen und den kleinen Lagerböden für Wohnen, Büro, Gastronomie oder Hotellerie nutzbar zu machen. Die Zahl sparten sie sich bis zum Schluss auf, zuvor schwärmte Petersen über Architektur, Fassadengestaltung, Geschichte, Ingenieurskunst, den weiten Blick aus dem Dachgeschoss, die prägende Silhouette im Untersuchungsgebiet. „Sie haben damit hier schon sehr viel von dem, was man woanders für viel Geld erst erzeugen muss.“ Das dürfte nichts daran ändern, dass künftige Investoren für die alten Gebäude eine Menge Geld in die Hand nehmen müssen. Dethlefs hatte es für den ältesten – den 1923 von Magistratsbaurat Paul Ziegler und Stadtarchitekt Theodor Rieve errichteten Speicher Harniskai 22 – ausgerechnet: 4 Millionen Euro kostet die kleine Lösung (2600 Quadratmeter ohne Silozellen); will man die gesamten 3800 Quadratmeter aktivieren, werden daraus leicht 7 Millionen Euro. Apropos Millionen: Markus Pahl, Chef des Sanierungsträgers, will sich im nächsten Schritt bei Land, Bund und EU um Fördermittel für eine Finanzierungskulisse kümmern. „Das Projekt ist mit einem satten zweistelligen Millionenbetrag zu veranschlagen“, meinte er. Zu Alarmismus besteht im übrigen kein Grund, beruhigte Petersen, der lang gediente erfahrene Planer und Architekt. „Es besteht keine Eile. Sie haben wohl noch 17 Jahre Zeit bis zum ersten Baubeginn.“

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