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Flensburger Tageblatt

22. August 2017 | 05:42 Uhr

Bilanzvorlage : Das Offshore-Loch

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadtwerke werten ihre Beteiligung am Windpark Borkum um 17 Millionen Euro ab – das bedeutet 11 Millionen Euro Minus.

Eine weitere Abschreibung aus der jüngeren Vergangenheit verhagelt den Stadtwerken die Bilanz für 2013. Um glatt 17 Millionen Euro werten sie ihre Beteiligung am Windpark Borkum ab, so dass am Ende ein Minus von 7,7 Millionen Euro vor Steuern bleibt. Die Abschreibung wirkt nicht steuermindernd, so dass für den Überschuss im operativen Geschäft noch einmal vier Millionen Euro Steuern bezahlt werden müssen.

„Operativ haben wir ein gutes Ergebnis“ – das ist Geschäftsführer Maik Render wichtig hervorzuheben. Im Klartext: Das Geschäft mit dem Absatz von Strom, Fernwärme, Wasser und Gas läuft nach wie vor gut. Doch Borkum ist eindeutig das große Thema. 2010 haben sich die Flensburger bei dem Konsortium Trianel, einem Zusammenschluss von 35 Stadtwerken, mit 18,3 Millionen entsprechend 6,15 Prozent eingekauft. Damals verhieß der beginnende Offshore-Boom gute Gewinne in absehbarer Zeit. Dieser Trend hat sich gekehrt: Die Börsenpreise für Strom sind im Keller (3,5 Cent), die Kosten für den Windpark explodiert. Konsequenz: Es ist überhaupt nicht erkennbar, dass die Stadtwerke – und alle anderen Investoren auch – irgendwann einmal ihr Investment refinanziert bekommen, geschweige denn Gewinne realisieren.

„Wir haben uns zu diesem schweren Schritt entschieden“, sagte Render gestern bei der Vorstellung der 2013er Bilanz. Dies sei im Sinne der Transparenz, aber auch der Risikovorsorge erforderlich geworden. Man habe einen Wirtschaftsprüfer zu Rate gezogen, man habe in mehreren Sondersitzungen des Aufsichtsrates das Thema Borkum diskutiert. Kleiner Trost: Es gibt keinen Liquiditätsabfluss – das Geld ist schon vor Jahren gezahlt worden.

„Das ist natürlich schlecht“, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Rolf Helgert, „wirft uns aber nicht um. Wir hoffen, in Zukunft nur noch über das operative Geschäft zu reden und nicht mehr über Beteiligungen.“ Die haben in den letzten Jahren den Entscheidern im Rathaus und an der Batteriestraße schlaflose Nächte bereitet – Stichwort Ventspils.

Render betont, dass man die Anteile am Windpark Borkum, der wohl im Sommer mit mehrjähriger Verspätung ans Netz geht, behalte. „Wir bleiben da voll engagiert, das passt auch zum Flensburger Klimapakt.“ Wenn der Strompreis irgendwann steigt, bekommen die Stadtwerke vielleicht zumindest einen Teil ihres Investments zurück.

Der Stromabsatz ist 2013 mit rund 1100 Gigawattstunden nahezu konstant geblieben. Bei der Fernwärme ist der Absatz geringfügig zurückgegangen – und wird, so Helgert, bis 2030 um weitere elf Prozent schrumpfen. Derzeit wird der Rückgang durch bessere Wärmedämmung an Gebäuden durch die Vergrößerung der Wohnfläche – u.a. durch Zuzug – ausgeglichen. Noch immer erinnert sich Render voller Wonne an 2010 – „das Jahr mit zwei Wintern. Da war Flensburg nur ganze sechs Monate schneefrei!“ Und der Fernwärmeabsatz stiegt auf ein Rekordhoch.

Der Konzern Stadtwerke machte 2013 einen Umsatz von 338,6 Millionen Euro. Strom mit 75 Prozent und Fernwärme mit 21 Prozent machen das Gros aus. Etwa zwei Drittel des verkauften Stroms wurden vorher eingekauft. Das Minus wird aus dem Eigenkapital gedeckt, danach beträgt die Quote aber immer noch 37 Prozent. „Das ist noch gut, vorher war es sehr gut“, sagt der Geschäftsführer. „Für den Weiterbau von Kessel 12 werden wir neue Kredite aufnehmen müssen.“ Und Stadtkämmerer Henning Brüggemann muss sich nicht grämen: Wie 2011 beschlossen, bekommt die Stadtkasse auch für 2013 einen Zuschuss von drei Millionen Euro von der Energie-Tochter.

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erstellt am 23.Mai.2014 | 08:00 Uhr

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