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Lokführer-Streik : Das nächste Bahnhofschaos

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Früher fahren, später fahren – oder Geld zurück? Überlegungen von Reisewilligen an Flensburgs Hauptbahnhof vor dem zweiten Bahnstreik.

Kurz vor 10 Uhr gestern früh, rund eine halbe Stunde, nachdem die Lokführergewerkschaft GdL Bahnstreiks für das gesamte Wochenende angekündigt hatte, schwoll im DB-Kundencenter in der Bahnhofshalle an. Die junge Frau am Schalter will für heute ein Ticket nach Hamburg kaufen. Knapp macht die DB-Mitarbeiterin klar, dass das keine gute Idee ist: „Hier kommen sie gar nicht weg.“ So die deutliche Auskunft, seit die GdL Streiks zwischen Sonnabend 2 und Montag 4 Uhr angekündigt hat. Mögliche Alternative: Mit dem Bus nach Niebüll und dann mit der privaten Konkurrenz weiter. Ein Mann, der sein Ticket in Dänemark gelöst hat, möchte die Rückfahrt stornieren. Die DB-Mitarbeiterinnen regeln viele Stornierungen mit großer Kulanz während das Ende der Menschenschlange bis kurz vor die Bahnhofstreppe reicht. Eine vierköpfige Familie gibt die Tickets nach Süddeutschland zurück, die sie bereits vor drei Monaten gekauft hatte. Aus dem Ferienbesuch bei Oma wird nichts werden.

Nicht alle Fahrgäste bleiben so ruhig wie das Personal. Manch einer lässt seinem Unmut freien Lauf und regt sich über den zweiten Streik zur Ferienzeit auf. So auch Michael Phillipsen, der am Sonntag nach Berlin fahren wollte. Nun muss er umplanen, sein Ticket auf einen anderen Tag umschreiben lassen. Doch nicht jeder ist so flexibel wie er. Dennoch findet er es „eine Frechheit, den Streik auf die Ferien zu legen, ziemlich rücksichtslos gegenüber den Fahrgästen.“

Die Betreuerin einer Jugendeinrichtung will das Ticket eines der betreuten Jugendlichen eigentlich von Montag auf Sonntag umschreiben lassen. Auch sie steht nun auf dem Schlauch. Den Streik findet Sie dennoch gerechtfertigt, da die Lokführer „viel arbeiten und auch ihre Rechte einfordern sollen, allerdings müsste es aber eine andere Lösung geben als einen erneuten Streik, da zu viele davon betroffen sind“.

Andere Bahnkunden sind flexibel und buchten ihre Fahrscheine einfach auf den Freitag vor dem Streik um. Ob sie wirklich ankommen, wissen sie nicht. Selbst für Montag mag das Personal keine Garantie übernehmen. Eine ältere Bahnkundin bringt es auf den Punkt: „Wer bezahlt uns die ganzen schlaflosen Nächte?“

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erstellt am 18.Okt.2014 | 06:14 Uhr

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