Steinbergkirche : Das „Milchschloss“ ist Geschichte

Mit Hilfe eines Baggers wird zurzeit die alte Förde-Meierei in Steinbergkirche abgerissen.
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Mit Hilfe eines Baggers wird zurzeit die alte Förde-Meierei in Steinbergkirche abgerissen.

Dort wo bisher die ehemalige Förde-Meierei an der Nordstraße in Steinbergkirche stand, sollen zwei Supermärkte entstehen.

shz.de von
17. Januar 2018, 13:35 Uhr

Es war einmal: In diesen Tagen ist damit begonnen worden, was lange angekündigt und vorbereitet war: der Abriss der ehemaligen Förde-Meierei Steinbergkirche. Damit verliert die Gemeinde ein früher ortsbildprägendes Gebäude, geradezu ein Symbol für die wirtschaftliche Bedeutung der Gemeinde Steinbergkirche in der Vergangenheit.

Der Steinberger Chronist Bernhard Asmussen sagt: „Ältere Einwohner werden sich an jene Zeiten erinnern, als es in unseren Dörfern noch richtige Bauernhöfe gab, und im Geiste werden sie das allmorgendliche Klappern der Milchkannen bei der Anlieferung der Milch bei den Meiereien in Gintoft, Norgaardholz und Steinberg noch hören.“

Alten Berichten ist zu entnehmen, dass die Förde-Meierei von dem Architekten Claus Lempelius entworfen worden war. Sie stellte eines seiner Lieblingsprojekte dar: Hier setzte er seine Idee von der Hallenbauweise für Meiereien um, und er baute sich in Hattlundmoor bei den ehemaligen Karpfenteichen mit Blick auf die Meierei ein neues Haus, in dem seine Witwe Christa heute noch lebt. Die treibende Kraft aber war der Bauer Johannes Magnus Petersen aus Gintoftgaard. In unzähligen Gesprächen hatte er seine Berufskollegen davon überzeugen können, dass die Zeit der kleinen Dorfmeiereien vorbei sei. Die Folge: Die Betriebe in Gintoft, Kalleby, Niesgrau, Steinberg und Westerholm wurden stillgelegt. 1960 entstand in Steinbergkirche das hochgelobte „Milchschloss des Nordens“, erbaut vom einheimischen Baumeister Nicolaus Clausen auf einem Gelände an der heutigen Nordstraße. Die neue Zentrale „schluckte“ in den folgenden fünf Jahren sechs weitere Dorfmeiereien: Großquern, Gelting, Lehbek und Nieby, Ahneby und Sterup.

Die Betriebsleitung übernahm Heinrich Büll, anfänglich Meierist in Gintoft. Er sorgte dafür, dass ab Juni 1961 mit mehreren Tankwagen die Milch von den Bauernhöfen abgeholt wurde. Doch dann vollzog sich in der Landwirtschaft ein grundlegender Wandel. Chronist Asmussen erläutert: „Durch die Spezialisierung auf den Höfen ging die Milchviehhaltung stark zurück, sehr gefördert durch die Abschlachtprämien von der deutschen Regierung und von der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.“ Hinzu kam 1971 aus dem Geltinger Raum die Forderung, mit der Zentralmeierei in Kappeln zu fusionieren.

Nach einer Betriebsdauer von nur elf Jahren wurde der Vorzeigebetrieb in Steinbergkirche im Sommer des Jahres 1972 stillgelegt. Zwei Jahre darauf zog in die Gebäude die sogenannte „Hähnchen-Fabrik“ ein. Aber auf Dauer fanden die dort produzierten vakuumverpackten Hühnerbraten offensichtlich nicht den Geschmack der Verbraucher. Auch dieser Betrieb musste aufgeben. Seither standen die Gebäude leer.

Der Zahn der Zeit versetzte das einst blühende Anwesen in einen maroden Zustand. Auf dem freiwerdenden Gelände werden sich im Sinne der erweiterten Nahversorgung die bereits ansässigen Verbrauchermärkte Aldi und Edeka mit neuen Gebäuden ausbreiten.

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