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Flensburger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 13:50 Uhr

Wahl Mensch des Jahres : Das Lebensretter-Duo

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Joel Moysich und Lukas Scholz zogen ertrinkenden Mann aus dem Holmarksee / Die Freunde sind jeden Tag ehrenamtlich unterwegs.

von
erstellt am 29.Okt.2014 | 15:23 Uhr

Es sind vier von vielen „Helden des Alltags“ im allerbesten Wortsinne. Jahr für Jahr engagieren sich Bürger aus Flensburg und der Region ehrenamtlich für unser Gemeinwesen. Und gäbe es nicht Initiativen wie diese, das Engagement bliebe verborgen und vielfach ungewürdigt. Seit 2002 zeichnet der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag das herausragende Engagement besonders aktiver und mutiger Menschen aus unserem Land aus. Wer 2014 „Mensch des Jahres“ wird, entscheiden die Leser unserer Zeitung.

Ein kurzer Blick reichte aus – dann rannten Lukas Scholz und Joel Moysich los. Die Mission der beiden DLRG-Wachgänger am Holmarksee: Leben retten. „Wir hatten schon beobachtet, dass ein Paar auf den Steg ging und der Mann plötzlich mit einem Kopfsprung ins Wasser tauchte. Aber das war ja noch nichts Ungewöhnliches“, erinnert sich der 16-jährige Lukas. Doch plötzlich begann der Mann, mit den Armen zu rudern. Das war der entscheidende Augenblick. Es gab zwischen den beiden Freunden keine lange Diskussion darüber, wie sie die Situation einschätzen sollten. „Wir kennen uns schon lange und wussten sofort, was der andere denkt“, berichtet Lukas. Dafür reichte ein Blick. Als er ins Wasser tauchte, spürte er am Wasserdruck, dass sein Freund ihm dicht auf den Fersen war – und wusste, dass der 17-jährige Joel wie bei Dienstbeginn abgesprochen den Rettungsgurt dabeihatte.

Auch wenn es sich im Zusammenhang mit zwei Teenagern merkwürdig anhört – der Rest der Aktion war oft geübte Routine. Lukas und Joel zogen den Ertrinkenden aus dem Wasser und ließen ihn, als er sich vollständig erholt hatte, mit ein paar Ermahnungen wieder gehen.

Dass sie einem Menschen das Leben gerettet hatten, war den beiden Jugendlichen zunächst gar nicht bewusst. Sie setzten ihren Wachdienst bis zum Ende der Schicht wie gewohnt fort und gingen anschließend nach Hause. Erst nach dem Duschen dämmerte es ihnen. „Wir haben dann telefoniert und uns gefragt: ,Was wäre wohl passiert, wenn wir ihn nicht rausgezogen hätten?’“ Erst da ist den beiden Jugendlichen klar geworden, wie ernst die Situation für den Nichtschwimmer gewesen war. „Da musste ich mich erstmal hinsetzten, um das zu verdauen“, sagt Lukas Scholz.

Viel Aufhebens machen Lukas und Joel selbst allerdings nicht von der Sache. Wie selbstverständlich sorgten sie, wie viele hundert andere DLRG-Mitglieder in Schleswig-Holstein, bis zum Ende der Saison für Sicherheit an den heimischen Gewässern. Nun könnte man vermuten, dass Jugendliche nicht ernst genommen werden, wenn sie Erwachsenen sagen müssen, dass diese ihre zweijährigen Kinder nicht mit Schwimmflügeln auf den Sprungturm oder ins tiefe Wasser lassen sollten. „Wir müssen uns manchmal schon einiges anhören. Aber ich bin 1,86 Meter groß. Das hilft. Da halten sich die Sprüche eigentlich in Grenzen“, sagt Lukas selbstbewusst. Bewusst für diese Aufgabe entschieden haben sie sich eigentlich nicht. „Ich bin da so reingerutscht, meine Mutter hat mich mitgenommen, dann habe ich die ersten Scheine gemacht – und bin dabeigeblieben“, berichtet der 16-Jährige.

Doch der Wachdienst am See ist nicht die einzige ehrenamtliche Aktivität des Duos – bei der DLRG geben sie Schwimmunterricht und organisieren Feste und Beachvolleyball-Wettbewerbe. Darüber hinaus ist das Gespann in der Gemeinde aktiv. In Großsolt ist Lukas Vorsitzender des Jugendbeirats, Joel sein Vertreter; in Freienwill ist Joel der Vorsitzende und Lukas sein Vertreter. In dieser Funktion sind die beiden Bindeglied zwischen den Jugendlichen in den Dörfern und den Gemeindevertretungen, an deren Sitzungen sie auch teilnehmen. Man muss ja auf dem Laufenden bleiben.

Noch mehr Zeit allerdings beansprucht die freiwillige Hilfe, die sie dem hauptamtlichen Jugendpfleger leisten. Dreimal pro Woche füllen sie Abende mit Programm für die anderen Jugendlichen, sie organisieren das Sommerlager, die Halloween-Party und andere besondere Veranstaltungen. Auch in den Ferien liegen Lukas, der eine schulische Ausbildung zum Pflegeassistenten macht, und Joel, der den 10. Jahrgang des gymnasialen Zweiges der Kurt-Tucholsky-Schule in Flensburg besucht, nicht auf der faulen Haut. Während der letzten beiden Wochen haben sie den Jugendraum der Gemeinde auf Vordermann gebracht.

Der Terminkalender der beiden Lebensretter ist voll. Und so haben es Joel Moysich und Lukas Scholz auch gern – immer mittendrin, immer etwas zu tun und immer in Gesellschaft. „Ob bei der DLRG, in der Gemeinde oder in der Jugendpflege – es ist dieser Teamgeist und das Gefühl, zusammen etwas zu bewegen, das uns antreibt“, erklärt Joel, der wie selbstverständlich für seinen Freund mitspricht.

Joel Moysich und Lukas Scholz sind unterschiedliche Persönlichkeiten, verstehen sich jedoch als Einheit. Sie verbringen einen Großteil ihrer Freizeit zusammen, haben gleiche Interessen und haben gemeinsam einem Menschen das Leben gerettet. Darum sind sie auch bei der Wahl zum Menschen des Jahres nur im Doppelpack zu haben.

Menschen des Jahres So können sie abstimmen:

Die Abstimmung läuft ab sofort  und endet am  2. November 2014, 0.00 Uhr.

Online abstimmen auf www.shz.de/menschdesjahres

Sie können auch per Post an die Stadtredaktion Flensburger Tageblatt, „Mensch des Jahres“, Fördestraße 20, 24944 Flensburg abstimmen – oder Ihr Votum schriftlich  im Kundencenter Nikolaistraße 7 und Fördestraße 20 abgeben.

Telefonisch können Sie so abstimmen:

 Dr. Hans Carsten Jacobsen: 01375/ 80400486-01

 Lukas Scholz (16) und Joel Moysich: 01375/ 80400486-02

  Willy Sandvoß: 01375/ 80400486-03

(für 14 Cent pro Anruf aus dem dt. Festnetz, Mobilfunk deutlich teurer)

Sie können auch eine SMS schicken mit dem Inhalt „shz ft“ und der Kandidatennummer (also zum Beispiel shz ft 01) an die Nummer 42020 (Kosten tarifabhängig, wie eine normale SMS).

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