Oberbürgermeisterwahl 2016 : „Das läuft auf ein Duell hinaus“

Auf dem Weg zur OB-Kandidatin: Die Flensburger SPD-Landtagsabgeordnete Simone Lange.
Auf dem Weg zur OB-Kandidatin: Die Flensburger SPD-Landtagsabgeordnete Simone Lange.

Oberbürgermeisterwahl 2016: Bislang ist neben Simone Lange und OB Simon Faber kein weiterer Kandidat aus den kleineren Parteien in Sicht.

Carlo Jolly. von
30. Juli 2015, 08:00 Uhr

Flensburg | Zurückhaltung bei den kleineren Ratsfraktionen, starke Zustimmung aus dem Partei-Umfeld der drei vorschlagenden Fraktionen: Die Reaktionen auf den Vorschlag, Flensburgs SPD-Landtagsabgeordnete Simone Lange (38) als Oberbürgermeisterkandidatin ins Rennen zu schicken, fielen gestern je nach politischem Lager unterschiedlich aus. Kritisch äußerte sich vor allem der frühere Stadtpräsident Christian Dewanger für die WiF-Fraktion: Die Koalition aus CDU, SPD und Grünen, die seit anderthalb Jahren verheerende Politik („Verhinderung der Poco-Ansiedlung; Spurenreduktion in Kielseng; chaotische Hotelplanungen, Investorenbevorzugung am Hafenostufer“) in Flensburg durchsetzen wolle, habe sich auf eine gemeinsame Kandidatin geeinigt, noch bevor die Parteimitglieder darüber hätten diskutieren dürfen. Interessant sei auch, dass weitere Fraktionen nicht einbezogen wurden. Zu den Kriterien der WiF für einen OB gehöre, dass es ihm um Sach- statt um Machtfragen gehen müsse und dass er einer fehlgeleiteten Sachpolitik (auch der Malawi-Koalition) unabhängig von Parteibüchern etwas entgegensetzen müsse. Auch müsse ein OB dafür Sorge tragen können, dass die Stadt rechtssichere und für Flensburg vorteilhafte Verträge abschließt. Dewanger ließ zunächst offen, ob die WiF nach der Sommerpause einen eigenen Wahlvorschlag machen wird: „Dass ihre Kandidatin in diesen Punkten besser ist als die sie kürenden Parteien, wird sich im anstehenden Wahlkampf zeigen müssen.“

FDP-Fraktionschef Kay Richert erkennt Simone Lange immerhin als „freundlich-sympathische und profilierte Sozialpolitikerin“ an. Die FDP habe aber einen Wirtschaftsschwerpunkt: „Den wirtschaftspolitischen Standpunkt von Frau Lange kenne ich nicht.“ Und mit Blick auf die Union ätzt er: „Ich bin schon ein bisschen erstaunt, wie wenig bürgerliche Werte bei der CDU übrig sind.“ Er hätte von der CDU einen eigenen Kandidaten erwartet. In der FDP gebe es noch keine Festlegung auf einen Kandidaten, sagt Richert und ergänzt: „Für mich wäre das eine Traumaufgabe. Aber ich bin nicht die FDP.“

Linken-Fraktionschef Heinz-Werner Jezewski hält SPD-Kandidatin Simone Lange für „persönlich überzeugend, hoch engagiert und qualifiziert“. Mit Seitenblick auf Amtsinhaber Simon Faber (SSW), der seine Kandidatur bereits im April angekündigt hatte, erklärt Jezewski: „Das werden die beiden einzigen ernsthaften Kandidaten sein.“ Mit Simone Lange stünden jedenfalls die Dänemark-Themen nicht so stark im Mittelpunkt. Durch die Unterstützung durch die drei Fraktionen von CDU, SPD und Grünen seien der Wahlkampf und die Wahl bereits programmiert. Die Linke habe noch nicht entschieden, ob sie einen eigenen Kandidaten aufstelle oder jemanden unterstützen möchte. Er tendiere eher nicht zu einem eigenen Kandidaten, sagt Jezewski.

Dagegen ist im Parteilager von Rot, Grün und Schwarz bislang kaum Kritik an der Kandidatenfindung vernehmbar. Auch in der CDU, wo man die Unterstützung einer SPD-Politikerin am ehesten als Spagat betrachten könnte, waren gestern nur lobende Stimmen einzuholen: „Ich halte sie für eine außerordentlich tüchtige Frau“, sagt der frühere CDU-Stadtpräsident Hans Hermann Laturnus, der noch mit Lange gemeinsam im Rat gesessen hat. Zwar hätte er sich schon einen eigenen Kandidaten gewünscht, aber Simone Lange, die die Stadt gut in der Landespolitik vertrete, sei zweifellos eine gute Entscheidung für Flensburg.

„Ich halte sie für fähig und gut“, sagt auch Gernot Nicolai, der viele Jahre lang die CDU-Ratsfraktion führte. Sie habe ausgesprochen gute berufliche und persönliche Voraussetzungen und sei kommunikativ: „Ich kenne sie schon sehr lange und traue ihr viel zu.“ Die designierte Kandidatin habe einen einzigen Nachteil: „Sie ist in der falschen Partei.“
Für ihn steht die Personalie ansonsten für den sinnvollen Trend, wichtige politische Positionen mit Fachleuten zu besetzen. Sein Parteifreund Frank Markus Döring hatte schon am Vortag erklärt, er halte die Direktwahl des Oberbürgermeisters weniger für eine Partei- als für eine Personenwahl. Schon bei der letzen OB-Wahl hatten CDU und Grüne mit der Hamburgerin Elfi Heesch eine fraktionsübergreifende Kandidatin präsentiert, die erst in der Stichwahl an Simon Faber gescheitert war.

SPD-Fraktionschef Helmut Trost warnt indes bereits am Dienstagabend davor, dass die Wahl schon gelaufen sein könnte, nur weil aus drei Parteien ein gemeinsamer Vorschlag komme: „Der Amtsbonus des Oberbürgermeisters ist nicht zu unterschätzen.“

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