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Flensburger Tageblatt

24. November 2017 | 23:31 Uhr

Diako : Das Krankenhaus der Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gesundheitsexperten diskutierten die Chancen eines Neubaus und den Weg der vernetzten medizinischen Versorgung

Die Diakonissenanstalt in Flensburg würde gern ein neues Krankenhaus bauen. 85 Millionen Euro wären der Kalkulation ihres kaufmännischen Vorstands Karl-Heinz Vorwig zufolge dafür notwendig. Ist dies angesichts sinkender Mittel für den Gesundheitssektor, einer älter werdenden Gesellschaft mit neuen medizinischen Anforderungen und gleichzeitig rasant steigendem medizinischen und technischen Fortschritt sinnvoll investiertes Geld? Diese und weitere Fragen wurden auf einer Podiumsdiskussion des CDU-Wirtschaftsrates mit dem Thema „Krankenhausinfrastruktur der Zukunft – Chancen für das Gesundheitsland Schleswig-Holstein“ am Mittwochabend in der Akademie Sankelmark erörtert. Es diskutierten Flensburgs Oberbürgermeister Simon Faber, Heiner Garg, Landtagsabgeordneter der FDP und Ex-Landesgesundheitsminister, Roland Trill, Gesundheitsexperte der Flensburger Fachhochschule, und Karl-Heinz Vorwig unter Moderation von Joachim Pohl vom Tageblatt.

Knappe Finanzierungsmittel, zunehmender Wettbewerb und Verlagerung vieler medizinischer Behandlungen in den ambulanten Bereich würden dazu führen, dass sich Rahmenbedingungen für Krankenhäuser in den kommenden Jahren stark verändern werden, stellte Gesundheitsmanager Trill in seinem Grundsatzreferat fest. Auch seien die Patienten immer besser informiert und sie seien künftig bereit, weitere Wege zu gehen. Das habe Folgen für die Versorgung in der Fläche. Die Frage sei, ob die medizinische Versorgung in große Einheiten zusammengefasst werden oder dezentral am Wohnort erfolge.

Große Sympathien für die Neubaupläne, die Vorwig in einem Referat zunächst erläutert und begründet hatte – zum Teil sehr alte Gebäude, zu lange Wege zwischen funktionellen Einheiten– zeigte OB Faber: „Die Pläne unterstützen wir nach Kräften.“ Das Krankenhaus sei ein wichtiger Standortfaktor und eine Modernisierung der einzig mögliche Weg. „Es geht auch darum, hochqualifiziertes Personal halten und anwerben zu können.“

Ex-Gesundheitsminister Garg hatte die Frage zu beantworten, wie er die Chance auf eine Finanzierung des Neubaus durch das Land einschätze. „Die Frage ist, ob Flensburg Vorbild für die Gesundheitsversorgung werden soll.“ Um die Versorgung der Patienten sicherzustellen, komme man um eine Zentralisierung der medizinischen Leistungen nicht herum. Er schlug vor, ein Vergütungssystem zu installieren, bei dem Kooperationen, wie sie zwischen Diako und Franziskus Hospital längst bestünden, künftig belohnt werden. „Ich glaube, dass dies der Weg der künftigen Versorgung in Schleswig-Holstein sein wird“, sagte Garg. Die Frage sei, ob die Landesregierung den Mut aufbringe, ein solches Projekt zu finanzieren.

In der sich anschließenden Diskussion forderte eine Stimme aus dem Publikum, die Planung aufzugeben und das Krankenhauswesen den Kräften des Marktes zu überlassen. Dieser Vorschlag kam jedoch nicht gut an. 50 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland schrieben rote Zahlen, stellte Vorwig fest. Eine Projekt Öffentlich-Private-Partnerschaft (Public-Privat-Partnership PPP) zur Finanzierung eines Krankenhauses sei in Bremen gerade gescheitert, führte er als Gegenargument an. „Ich warne davor, das völlig freizugeben.“ Er sei überzeugt davon, dass die Diako die nötigen Fördermittel des Landes bekommen werde. Finanzkräftige Partner ins Boot zu holen, werde erst in Erwägung gezogen, „wenn es gar nicht anders geht“.

Einen völlig anderen Ansatz brachte Franz-Joseph Bartmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, in die Diskussion ein. Er plädierte dafür, die Möglichkeiten moderner Technik bei der Vernetzung von Standorten mit qualifizierten Medizinern viel stärker zu berücksichtigen. Als Beispiel nannte er den bereits bestehenden Austausch medizinischer Daten per Internet zwischen Experten in Barcelona und Sydney. Die Diako gehörte bereits in den 90er Jahren zu den Vorreitern auf dem Gebiet der Telemedizin in Deutschland. Schleswig-Holstein müsse sich mit zwei aktuellen und zwei weiteren geplanten Telemedizin-Projekten nicht verstecken. Dennoch werde vernachlässigt, „dass wir im Bereich der Vernetzung weit unter unseren Möglichkeiten bleiben. Wir arbeiten analog, die Medizin ist längst digital.“ Ein Neubau sei zwar schön, es gelte aber dringlichst diesen Bereich der Medizin rasch weiterzuentwickeln. Bartmann: „Wir vergeuden unendlich viele Ressourcen.“

 

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