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Kleiner Wald in Gintoft : Das Kleingedruckte als Chance

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der kleine Wald von Gintoft steht immer noch – Umweltministerium will Windkraft hier ausschließen.

Ein kleiner Funken Hoffnung glimmt immer noch. Vor zwei Wochen schien das Schicksal des kleinen Waldes in Gintoft endgültig besiegelt zu sein. Das Umweltministerium gab zu, dass es keine rechtlichen Mittel gefunden hatte, um die Genehmigung zur Rodung zurückzunehmen und das Verwaltungsgericht in Schleswig hatten den letzten Eilantrag abgewiesen. Und als dann am 1. Oktober die im Naturschutzgesetz festgeschriebene Schonfrist endete, meinten einige Umweltschützer schon den Lärm von Kettensägen und Harvestern zu hören. Doch noch lebt der Wald.

Und es gibt viele Menschen, die hoffen, dass es so bleibt. In der Redaktion gingen in der vergangenen Woche ungewöhnlich viele Anrufe ein, in denen Leser sich nach dem Wald erkundigten und forderten, dass sich alle Beteiligten gemeinsam an einen Tisch setzen und sich wieder vertragen. Und es gab sogar ein Friedensgebet für den kleinen Wald.

Tatsache ist: Der Wald steht noch. Aber die Kontrahenten sind weit davon entfernt, sich in christlicher Nächstenliebe zu begegnen. Der Kontakt läuft vielmehr über Anwälte, die sich über Unterlassungsverpflichtungen und Strafanzeigen unterhalten.

Warum der Wald noch steht, ist nicht bekannt. Die Bürgerinitiative „Schönes Angeln“ vermutet einen der Gründe im Kleingedruckten des ministeriellen Schreibens. Für die Waldfläche sei das gesetzliche Verbot weiter zu beachten, Wald für Windanlagen zu roden. Und dann, in Hinblick auf weitere, befürchtete Aktivitäten: „Sollte in dem in Rede stehenden Fall der Waldeigentümer die Einbeziehung der ehemaligen Waldflächen (für Windkraftanlagen) anstreben, würde eine Verpflichtung des Waldeigentümers zur Wiederaufforstung der Fläche geprüft – rechtlich gesehen würde das über eine Rücknahme der Waldumwandlungsgenehmigung zu regeln sein.“

Eine Drohung durch die Hintertür. Rechtlich betrachtet konnte das Ministerium frühere Beziehungen des Waldeigentümers zur Windenergie nicht in ein Rodungsverbot ummünzen. Jetzt darf er einen Großteil des Waldes abholzen. Tut er das für landwirtschaftliche Zwecke, zum Beispiel, um mehr Mais anzubauen, ist alles in Ordnung. Sollte er aber für das Gelände einen Windpark beantragen, würde die Rodung nachträglich illegal. Wenn diese Rechtsauffassung des Ministeriums rechtlich Bestand hat, wäre der Bau von Windkraftanlagen in Gintoft ausgeschlossen. Dann, so die Logik der Bürgerinitiative, lohnen sich die Kosten für die Rodung nicht.

Von einem Ende der Streitigkeiten ist man in Gintoft immer noch weit entfernt. Aber der Wald steht noch. Und vielleicht hat er ja sogar eine Überlebens-Chance.

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