Flensburg : Das höchste Holzhaus der Welt

Neues Wohnen in Flensburg: Die vier Holzhäuser - vorn links der zehnstöckige Turm - stehen am Hang zum TSB-Platz (links); in der Mitte verläuft die Eckener-Straße, rechts unten angeschnitten sind die Liegenschaften des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums zu erkennen. Foto: Architektur: Kaden Klingbeil; Animation: Rolle
Neues Wohnen in Flensburg: Die vier Holzhäuser - vorn links der zehnstöckige Turm - stehen am Hang zum TSB-Platz (links); in der Mitte verläuft die Eckener-Straße, rechts unten angeschnitten sind die Liegenschaften des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums zu erkennen. Foto: Architektur: Kaden Klingbeil; Animation: Rolle

Berliner Architekten planen ungewöhnliches Bauprojekt an der Eckener-Straße / 60 Wohnungen mit variablen Grundrissen in vier Häusern

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01. November 2012, 06:35 Uhr

Flensburg | Selten war das Lob für ein Bauprojekt so einhellig. An der Eckener-Straße sollen Maßstäbe für innovatives Wohnen in Flensburg gesetzt werden. Die Berliner Architekten Kaden & Klingbeil planen zusammen mit ihren Flensburger Partnern Jochen Glogau und Mark Schmortte auf dem früheren Motorola-Grundstück vier mehrgeschossige Wohnhäuser aus Holz, darunter das höchste Holzhaus weltweit. Das steht bisher in London, "wir wollen ein oder zwei Etagen darüber gehen", sagte Architekt Tom Kaden bei der Vorstellung des Projekts am Dienstag im Umwelt- und Planungsausschuss.

Flensburgs Chefplaner Peter Schroeders wartete gleich mit guten Nachrichten auf: Der Gestaltungsbeirat hat die Planungen abgesegnet, die Zertifizierungen für die Bautechnik liegen vor, und es gibt die Finanzierungszusage einer Bank. Fehlen nur noch die Käufer.

Und das Grüne Licht der Politik. Doch da deutete am Dienstag nichts auf Gelb oder gar Rot hin. Es kamen Fragen nach der Zuwegung und dem Schallschutz, auch nach den Preisen. Als Richtwert nannte Kaden 2000 Euro pro Quadratmeter, das entspricht in Flensburg dem Niveau eines Einfamilienhauses.

Folgerichtig sprach der smarte Berliner Architekt dann auch nicht von Eigentumswohnungen, sondern von "gestapelten Einfamilienhäusern". Wesentliche Merkmale des Bauprinzips seien das "offene Treppenhaus" und die große Bedeutung des Lichts. Schon ab dem ersten Obergeschoss soll der Blick zur Förde möglich sein. Die vier Häuser stehen nicht streng in einer Flucht, sondern in aufgelockerter Formation, "an die Tektonik des Hangs angepasst", so Kaden. Die Grundrisse der einzelnen Wohneinheiten werden auf Basis eines Modulsystems zusammen mit den künftigen Bewohnern entwickelt. Größen von 60 bis zu 180 Quadratmetern seien möglich. Terrassen respektive Balkone seien nach allen vier Himmelsrichtungen möglich. Zwischen dem zweiten und dritten Haus ist ein Quartiersplatz angedacht. Insgesamt können 60 Wohnungen in den vier Häusern Platz finden, davon ein Fünftel öffentlich gefördert. Geplant sei zudem eine genossenschaftliche Bauträgerschaft.

"Ein ganz tolles Projekt", fand Kurt Neumann (CDU), "wunderschön", meinte Sönke Wisnewski (SSW), "da mächte man gern einziehen." Jörg Pepmeyer (Akopol) hob auf den ökologischen Aspekt ab; das verwendete Holz stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft, es handelt sich um Fichte aus Süddeutschland und Österreich.

Das von Kaden & Klingbeil kurz und knapp E 28 (Eckener-Straße 28) genannte Projekt könnte in recht kurzer Zeit umgesetzt werden. "Wir können schon im November den Aufstellungsbeschluss machen", sagte Stadtplanerin Claudia Takla Zehrfeld. Das Grundstück ist frei und gehört der Stadt, dazu kommt, dass sich Gebäude aus Holz prinzipiell sehr schnell errichten lassen.

Kaden & Klingbeil haben vergleichbare Häuser unter anderem in Berlin-Friedrichshagen gebaut. Beispiele finden sich auf der Website kaden-klingbeil.de.

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