Kommentar : Das Herz der Stadt

<p>Gunnar Dommasch</p>

Gunnar Dommasch

shz.de von
20. Oktober 2017, 14:49 Uhr

 Ein Sonnabend im Advent. In der Großen Straße reihen sich dicht an dicht die Stände des Wochen- und die Buden des Weihnachtsmarktes, dahinter die Schaufenster der Innenstadt-Kaufleute. Menschenströme drängen durch die Fußgängerzone. Wie ist es eigentlich um die Sicherheit bestellt, wenn die Marktbeschicker um 14 Uhr beginnen müssen, ihre Stände abzubauen? Darauf gab es bei dem Sondierungsgespräch gestern keine befriedigende Antwort. Dennoch wird dem Sicherheitsaspekt in dieser Debatte allerhöchste Priorität eingeräumt.

Die Stadt hat in einer Ad-hoc-Entscheidung die Marktbeschicker und damit auch deren Kunden vor vollendete Tatsachen gestellt – ohne jede Not. Man hätte die beiden Märkte wie in den Vorjahren nebeneinander auf dem Südermarkt belassen können – und dann in Ruhe und gemeinsam über zukünftige Schritte nachdenken können. Warum dieser Aktionismus? Es geht vorrangig um Kaufkraft und touristischen Mehrwert, auch mit Blick über die Grenze.

Was bleibt den Händlern? Sie haben keine Lobby. Sie müssen an ihre Schmerzgrenze gehen. Sollen sie auf ihr satzungsgemäß festgelegtes Marktrecht pochen? Um Patenschaften buhlen wie ein bedrohter Baum oder eine vom Aussterben bedrohte Tierart? Für die Flensburger ist der Wochenmarkt ein Ort der Begegnung, der viel mehr ist als nur ein schnelles Geschäft, ein seelenloser Handelsplatz. Das pulsierende Herz der Stadt ist auf dem Südermarkt angesiedelt. Es schlägt nur zweimal die Woche, aber es schlägt – noch!

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