Das grüne Herz der FDP

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07. März 2014, 19:16 Uhr

Die FDP hat ihr Herz, wie jeder weiß, am rechten Fleck. Neu indes ist, dass es nicht mehr im liberalen Gelb, sondern grün eingefärbt erscheint. Namentlich der FDP-Vorsitzende Kay Richert hat den Naturschutz für sich entdeckt. Was nicht zu erwarten, aber auch nicht allzu schwer war. Denn die aktuellen Rodungen im Naturschutzgebiet Stiftungsland Schäferhaus finden praktisch vor seiner Haustür statt. Und da sieht man Bagger und Säge bekanntlich ungern.

Unzählige Pflanzen, beklagt der Ratsherr, werden nun schnöde ihres geschützten Lebensraums beraubt, Weißdorn, Traubenkirsche und Kartoffelrose brutal aus dem Boden gerupft. Ganz zu schweigen von dem Exodus der heimischen Tierwelt, die aus ihrem angestammten Zuhause vertrieben wird. Hasen, Füchse, Rehe, Igel und Fasane können nun sehen, wo sie bleiben. Es dürfte sich nach Überzeugung von Fauna- Experten um die größte Massenabwanderung handeln, seitdem die Arche Noah abgelegt hat.

All das kann der liberale Freigeist nicht nachvollziehen. Hat er denn gar nicht begriffen, was ihm dafür geschenkt wird? Wenn die Weidelandschaft endgültig zur nördlichsten Savannenlandschaft weltweit mutiert ist, können wir endlich wieder seltenen Vögeln, Insekten und lichtliebenden Blütenpflanzen attraktive Lebensbedingungen bieten. Nicht zuletzt dürfen wir auf die Krone der Schöpfung hoffen – den unvergleichlich braun und orange gescheckten Goldenen Scheckenfalter, dessen anmutiger Flug nicht nur des Menschen Herz schlechthin, sondern auch das grüne Richert-Herz erfreuen dürfte. Und das Schönste: Mit ihm werden endlich wieder Borstengrasrasen, Heiden, nährstoffarme Feuchtwiesen, blütenreicher Magerrasen und Kalkhalbtrockenrasen bei uns Einzug halten. Natürlich auch der Teufelsabbiss, die Leib- und Magenspeise des Flattermanns.

Was denkt sich Kay Richert eigentlich? Savanne kann bleiben, wo sie hingehört – oder gar dort, wo der Pfeffer wächst? Befürchtet er die Ansiedlung von Löwe, Hyäne, Zebra, Büffel und Gnu?

Kleine Erinnerung gefällig? In Lütjenholm bei Husum hat die Stiftung Naturschutz 18 Hektar Fichtenwald abholzen lassen, um eine Trockenrasenlandschaft zu schaffen. Eben zu jenem Zweck, den weitgehend ausgestorbenen und schmerzhaft vermissten Schmetterling anzusiedeln. 3,3 Millionen Euro kostet das Vorhaben – Naturschutz hat eben seinen Preis.

Das hat die Flensburger FDP nur noch nicht begriffen. Wir bekommen den anmutigen Falter für ein paar Tausend Euro. Ein Schnäppchen! Wenn er denn kommt, der seltene Gast. Eines der beiden letzten lebenden Exemplare wurde im Jardelunder Moor gesichtet – das war vor exakt 13 Jahren.

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