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Flensburger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 12:56 Uhr

Museumshafen Flensburg : Das Greta-Projekt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Erst Planken zimmern – dann segeln: Der Museumshafen Flensburg will junge Menschen für einen alten Elbefischkutter begeistern.

shz.de von
erstellt am 18.Nov.2015 | 11:10 Uhr

Flensburg | Der Förderverein Alexandra hat eins, der Förderverein Motorgüterschiff Gesine hat zwei und jetzt – 36 Jahre nach seiner Gründung – kann endlich auch der Museumshafen Flensburg mit einem Projektschiff nachziehen. Auf der Jonsson-Werft im dänischen Egernsund an der Flensburger Förde machte letzte Woche ein Schwertransport mit einer bauchigen Dame an Bord Halt. Die Dame heißt „Greta“ – und in Egernsund soll aus ihr wieder der seetüchtige Elbefischkutter werden, der sie 1904 nach ihrem Stapellauf in Cranz an der Elbe und 1984 nach ihrer Restaurierung in Egernsund war.

Auch wenn man es ihr nicht ansieht: In der Flotte des Museumshafens ist „Greta“ ein Promi. Der Kutter ist Gründungsmitglied des Vereins und gehörte dem Piratenkommando an, das in den 70ern mit der Besetzung des Bohlwerks den Grundstein für die spätere Entwicklung des Museumshafens legte. „Gretas“ Eigentümer damals war der Flensburger Günther Wulf – ebenfalls Gründungsmitglied des Museumshafens. Mitte der 90er Jahre trennte er sich von dem Segler und „Greta“ fuhr fortan unter ihrem neuen Besitzer Uwe Brümmer mit Heimathafen Grünendeich bei Stade wieder auf der Elbe.

„Greta war für uns ein Glücksfall“, strahlt Sabine Große-Aust, die Vorsitzende des Museumshafens. Sie möchte mehr junge Leute an die alten Traditionsschiffe binden. Am liebsten im Rahmen eines überschaubaren Restaurierungsprojektes. So gesehen war vielleicht auch der Museumshafen Flensburg ein Glücksfall. Denn diese Projektidee entsprach voll und ganz Brümmers Vorstellungen. Vier Jahre lag „Greta“ in Niedersachsen als Unvollendete auf dem Trockenen – das soll sich jetzt ändern. Die Werft von Christian Jonsson in Ekensund ist die „Hauswerft“ der Museumsschipper. Hier wird auch die „Dagmar Aaen“ des globalen Abenteurers Arved Fuchs in Schuss gehalten, hier soll „Greta“ ab dem nächstem Frühjahr junge Leute fischen. Denn es gibt kein Vertun: Viele der Bewahrer des maritimen Erbes an Nord- und Ostsee sind bzw. kommen ins Rentenalter. Der Museumshafen braucht frisches Blut. Große-Aust hofft, über das Projekt „Greta“ junge Menschen und alte Schiffe zusammenzubringen.

Leiter des Projekts ist jener Günther Wulf, der mit „Greta“ an der Besetzung des Bohlwerks teilnahm und sie schon einmal von Grund auf überholt hat. Der 69-jährige baut gerade den Förderverein auf, der das Schiff künftig unter seine Fittiche nehmen soll. „Es geht gut voran“, freut sich Wulf auf ein neues Projekt mit seinem ersten Schiff. Auch für ihn ist „Greta“ ein Glücksfall, weil der Verein schon seit längerer Zeit vergeblich auf der Suche nach einem passenden Schiff gewesen war. Sie passt nicht nur von der Größe – Länge ü.a. 13 Meter, beruhigende 10 Tonnen Gewicht – sie ist dank Brümmers Schiffsfürsorge auch eine echte Gelegenheit. „Uwe hat uns das Schiff für einen symbolischen Anerkennungsbeitrag überlassen“, so Wulf, der die Substanz des Schiffes als sehr gut bezeichnet. „Spieren, Segel, Motor – alles ist in hervorragendem Zustand. Wir werden aber etliche Planken austauschen müssen – Christian Jonsson hat uns für die Sanierung und Projektbegleitung ein sehr gutes Angebot gemacht. Es passt einfach alles gut zusammen.“

Günther Wulf hofft, dass der Förderverein für das Greta-Projekt bis Weihnachten steht. Besonders froh ist er, dass neben einigen erprobten Weggefährten auch Uwe Brümmer dabei ist. Mit dem Förderverein alleine ist es natürlich nicht getan. Nicht minder wichtig ist es, junge Menschen für das Projekt zu begeistern, dieses Schiff wieder seeklar zu machen und in den Küstengewässern der dänischen Südsee zu bewegen.


Kontakt per E-Mail unter guenthi@foni.net

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