Phänomenta Flensburg : Das gläserne Segelboot

Hart am Wind: Aurel und Carl testen das neue Boot, dessen Rumpf aus Plexiglas und Metall, besteht. Die Segel sind ebenfalls durchsichtig.
Hart am Wind: Aurel und Carl testen das neue Boot, dessen Rumpf aus Plexiglas und Metall, besteht. Die Segel sind ebenfalls durchsichtig.

Im größten Exponat der Phänomenta kann man Segel-Erfahrungen an Land machen. SBV-Stiftung half bei der Finanzierung des teuren Bootes.

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20. Dezember 2017, 07:07 Uhr

Auch ohne Wind und Wasser ist Segeln erlebbar. Möglich macht dies ein Unikat – ein weltweit einmaliges Segelexponat in der Phänomenta. „Ein gut getrimmtes Boot braucht kein Ruder“, sagte der Gründer des Science-Centers, Lutz Fiesser, bei der Vorstellung der neuen Attraktion. „Die Steuerung gelingt allein durch die Segelstellung.“ Das sei das eigentlich Besondere an dem guten Stück, das von den Maßen her nun das größte Exponat in der Ausstellung darstellt.

Mitte des Jahres 2017 verabschiedete sich SBV-Vorsitzender Raimund Dankowski aus seiner hauptberuflichen Tätigkeit, nicht ohne seine Gäste zu bitten, anstelle von Präsenten für ein neues Ausstellungsstück in der Phänomenta zu spenden. Dem leidenschaftlichen Segler schwebte die Idee für ein Exponat zum Thema Segeln vor.

Physikprofessor Fiesser, der die Phänomene des Segelns aus naturwissenschaftlicher Sicht versteht und erklären kann, machte sich sogleich an die Arbeit. Angeregt durch die Anfrage, skizzierte er gleich ein ganzes Ensemble an Entwürfen. „Raimund Dankowski hat sich das anspruchsvollste ausgesucht“, sagte Michael Kiupel, Vorsitzender des Trägervereins. „Das gläserne Boot, das schließlich in unserer Werkstatt entstand.“

Es ist in der Tat eine Pionierarbeit. Besucher haben nun die Möglichkeit, die Kräfte, die der Wind auf ein typisches Rigg ausübt, unmittelbar zu erleben. Fock und Großsegel beeinflussen allein den Kurs des Bootes. Viele Parameter sind während eines „Törns“ gleichzeitig zu kontrollieren. „Aber am Ende macht es unheimlich viel Spaß“, ist sich Lutz Fiesser sicher. Er ist ein so leidenschaftlicher Segler wie auch Raimund Dankowski. Dessen Frau Anke ließ es sich nicht nehmen, einen Praxistest mit dem „Antrieb“ einer kräftigen und recht lautstarken Windmaschine zu riskieren. Sie ist allerdings auf drei Windstärken begrenzt. „Mehr können wir unseren Besuchern nicht zumuten“, sagte Fiesser und erntete zustimmendes Nicken der anwesenden Gäste.

Anke Dankowski machte ihre Sache recht ordentlich, bis ihr ein energisches „Stopp“ entfuhr. Damit hatte das Segelvergnügen für sie ein Ende. Auch die Opti-erprobten Jungsegler Aurel (11) und der zwölfjährige Carl fanden Gefallen an dem gläsernen Boot. Wer befürchtet hatte, sie würden bei heftigem „Wellengang “ über Bord gehen, konnte beruhigt werden. Denn die Neigung des Rumpfes ist derart begrenzt worden, dass ein gefahrloses „Cruisen“ möglich ist.

Der Kostenrahmen des Exponats bewegt sich bei 10 000 Euro, verriet Lutz Fiesser. „Das haben wir mit Müh und Not stemmen können.“ Man freue sich sehr, dass man mit finanzieller Hilfe der SBV-Stiftung Helmut Schumann die Ausstellung erweitern und Besuchern die Möglichkeit bieten könne, die beim Segeln auftretenden Kräfte auch auf dem Trockenen zu spüren und zu untersuchen“, ergänzte Michael Kiupel. „Ich verspreche mir auch interessante Fachsimpeleien, wenn erfahrene Segler mit eher unerfahrenen ins Gespräch kommen.“ Eben ganz im Sinne der Phänomenta – im Sinne einer interaktiven Erfahrung.

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