Flensburger Kurzfilmtage : Das Fest der Filmemacherinnen

Die Jurymitglieder Jörn Staeger (li.), Katharina Pethke (2.v.r.) und Andrea Paluch (re.) nehmen Hauptpreisträgerin Anna Gold und Moderator Jim Lacy ins Scheinwerferlicht. Foto: Dewanger
Die Jurymitglieder Jörn Staeger (li.), Katharina Pethke (2.v.r.) und Andrea Paluch (re.) nehmen Hauptpreisträgerin Anna Gold und Moderator Jim Lacy ins Scheinwerferlicht. Foto: Dewanger

Bei den 12. Flensburger Kurzfilmtagen räumen die Frauen alle Trophäen ab - und lassen den Gleichstellungspreis dann gnädig einem Mann

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26. November 2012, 07:11 Uhr

Flensburg | Das gab es noch nie bei den Flensburger Kurzfilmtagen: Die Überlegenheit der Filmemacherinnen war offenbar so groß, dass die Jury am Ende mit den männlichen Künstlern Erbarmen hatte - und wenigstens einen Preis einem männlichen Regisseur zusprach: "Zucht und Ordnung" von Jan Soldat, ein kurzer Dokumentarfilm über die Sexualität im Alter, erhielt ausgerechnet den Förderpreis der Gleichstellung. Mit mehr hintergründigem Witz lässt sich kaum ausdrücken, dass die Kurzfilme der Regisseurinnen von Donnerstag bis Sonnabend sowohl beim Publikum als auch bei der Jury am besten ankamen.

In der dreiköpfigen Jury saß bei dieser 12. Auflage der Kurzfilmtage neben dem Experimental- und Dokumentarfilmemacher Jörn Staeger und der Hamburger Filmprofessorin Katharina Pethke auch die Flensburger Schriftstellerin Andrea Paluch. Moderator Jim Lacy versuchte erfolglos, ihr ein paar Gemeinheiten gegen die audiovisuelle Branche zu entlocken: "Mal ehrlich: Die Filmleute sind doch nicht so gebildet wie ihr", fragte er scheinheilig.

Und auch das gab es noch nie bei dem kleinen, feinen Flensburger Kurzfilmfest im 51-Stufen-Kino: Praktisch alle Wettbewerbs blöcke waren ausverkauft, verkündete Organisationschefin Maja Petersen von der Fachhochschule. Am Mittwoch hatte es sogar noch ein zusätzliches Kinderprogramm gegeben. "Die Stimmung wird immer besser", fand auch der Moderator aus Texas angesichts voller Säle. Erstmals fand auch die Preisverleihung am späten Sonnabendabend vor prall gefüllten Plätzen statt.

Nicht zuletzt erfrischend authentische Siegerinnen machten den Abend zu einem runden Erlebnis - zum Beispiel Tatjana Kleut, die in "Das Mongolische Mädchen mit der Tüte voller Glücksgefühle" die Geschichte einer ex-drogenabhängigen Prostituierten erzählte und mit dem Nachwuchspreis in der Hand freimütig bekannte: "Ich hab das weder studiert noch vorher gelernt. Ich hab einfach drauflos gedreht." Der Preis und die positiven Rückmeldungen hätten sie ganz glücklich gemacht: "Schön, dass es solche Festivals gibt."

Einer der Höhepunkte des Festivals war zweifellos der Animationsfilm von Anna Gold, "Square.record.play". Sie zeigte eine basshämmernde, meist schwarz-weiße Komposition geometrischer Körper und schwindelerregend tiefer Räume, für den Jurorin Andrea Paluch als Laudatio eigens einen Text gedichtet hatte. Das rührte Filmemacherin Anna Gold sichtlich am meisten. Und sie erkundigte sich: "Das ist ja Wahnsinn! Darf ich den Text haben?"

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