Fällungen rund um die Förde : Das Eschensterben erreicht Flensburg

Noch ein Fall für die Säge: Lis Holling ist seit Beginn der Woche mit dem Markieren der kranken Bäume beschäftigt – mehr als ihr lieb ist. Fotos: Marcus Dewanger
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Noch ein Fall für die Säge: Lis Holling ist seit Beginn der Woche mit dem Markieren der kranken Bäume beschäftigt – mehr als ihr lieb ist. Fotos: Marcus Dewanger

Viele Gefahrenbäume am Wegesrand: Morgen beginnen in Klues und Wassersleben umfangreiche Fällarbeiten

shz.de von
01. März 2017, 05:38 Uhr

Seit Anfang des Jahres ist sie zuständig für 1500 Hektar Wald in Flensburg, Glücksburg und Handewitt – nur zwei Monate nach Dienstantritt muss Lis Holling ihren Schutzbefohlenen mit der Kettensäge zu Leibe rücken. Das große Eschensterben hat den Norden Deutschlands erreicht. Entlang der Apenrader Chaussee, der Alten Zollstraße in Harrislee und des Kirchenwegs werden bis einschließlich Montag viele kranke Bäume fallen. Mit Verkehrsbehinderungen ist zu rechnen.

Der 29-jährigen Försterin tut’s im Herzen weh. Aber allein die Verkehrssicherungspflicht lässt keine Wahl. „Das Wurzelwerk hat den Zugkräften des Windes nur noch wenig entgegenzusetzen“, sagt Holling. „Die Bäume stellen eine Gefahr für die Menschen dar.“ Zur Zeit ist die gebürtige Rendsburgerin in den Wäldern unterwegs und markiert die Bäume, die gefällt werden müssen. Und das werden viele sein. So viele, dass Holling durch frühzeitige Information möglicher Empörung entgegenwirken möchte. „Es ist tragisch für die Artenvielfalt in unseren Mischwäldern, aber momentan bleibt nichts anderes übrig, als die kranken Bäume dort zu fällen, wo sie eine Gefährdung darstellen.“

Lis Holling geht davon aus, das 80 Prozent der Eschen ihres Bezirks betroffen sind. Sie leiden unter einer Pilzerkrankung, die sich in den 90er Jahren von Polen aus in ganz Europa verbreitete und auf die Einwirkung des Falschen Weißen Stängelbecherchens zurückgeführt wird. Der Befall bewirkt, dass die Bäume von der Krone her absterben“, erläutert sie. „Das Sterben dauert ziemlich lange an. Die Sporen verkleben die Leitbahnen, die in die Triebe und Äste gehen, der Baum wehrt sich, indem er versucht, eine Zweitkrone auszutreiben. Aber er kommt nicht dagegen an.“ Ist die Energieversorgung erst lahm gelegt, breitet sich die Krankheit ins Wurzelwerk aus, Sekundärschädlinge, die den todkranken Baum befallen, tun ein Übriges. „Es gibt fast keine Esche mehr, die es nicht hat. Die Fällaktion beginnt morgen früh an der Apenrader Chaussee, am Freitag arbeitet sich die Kolonne über die Alte Zollstraße bis zum Kirchenweg vor. Dort dürften die Fällarbeiten auch am Montag noch andauern. Die betroffenen Straßen sind teilweise nur noch einspurig zu befahren, vorübergehend ist auch mit Vollsperrungen zu rechnen.

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