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Heinrichstraße in Flensburg : Das Ende des Provisoriums naht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit vier Jahren benutzen Radfahrer und Fußgänger an der Heinrichstraße ein Stück der Straße – und das Land prüft noch immer

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2017 | 06:03 Uhr

„Das Provisorium an der Unterführung Heinrichstraße bleibt noch mindestens bis zum Sommer bestehen.“ Diese Nachricht kam im Februar aus dem Rathaus – aber im Jahr 2014! Mittlerweile besteht es seit vier Jahren, und es ist immer noch nicht abzusehen, wann es durch eine dauerhafte Lösung ersetzt wird. Seit vier Jahren passieren Radfahrer und Fußgänger die Unterführung Heinrichstraße auf einem durch rot-weiße Leitborde abgetrennten Teil der eigentlich dreispurigen Straße – eine der meist befahrenen der Stadt.

Es ist ein Stück aus dem Kuriositätenkabinett deutscher Stadtplanungswirklichkeit – mit einer großen Riege Beteiligter: Stadtverwaltung, TBZ, Kommunalpolitik, freie Verkehrsplaner, Deutsche Bahn, Landesbetrieb Verkehr, Innenministerium. Die Quelle liegt viele Jahre zurück, als sich die Stadt auf den Weg machte, die Verkehrsströme rund um das Jepsen-Karree auf Angelburger Straße und Heinrichstraße neu zu sortieren und diese Straßen zu sanieren, zu beruhigen und aufzuhübschen – mit finanzieller Förderung des Landes.

Teil der Planung war ein Fuß- und Radwegtunnel durch den Bahndamm in Nachbarschaft des NDR-Funkhauses. Den kippte die Kommunalpolitik jedoch wenig später, weil er ihr zu verrückt und zu teuer erschien. Die Stadt baute also etwas anderes als das, was sie sich vom Land hatte fördern lassen.

Das ist grundsätzlich möglich; durch den Verzicht auf den Tunnel wurde ja eine knappe Million Euro eingespart. Das Land hingegen prüft – und das schon seit längerer Zeit – ob die Stadt denn eigentlich auch ohne den Tunnel ihre Planungsziele erreicht. Denn nur dann sind die Fördermittel gerechtfertigt. Seit vier Jahren fließt der Verkehr, mal gut, mal etwas stockend, und das Planungsbüro SHP hat dies auch wissenschaftlich festgestellt. Das Land indes prüft immer noch.

Aber das Ende der Prüfung naht. „Wir rechnen im Herbst mit einer Antwort des Landes“, sagte auf Anfrage Rathaus-Sprecherin Asta Simon. Sollte das Land das bestätigen, was die Stadt schon lange zu wissen glaubt, könne aus dem Provisorium eine feste bauliche Lösung werden.

Doch es könnte noch komplizierter werden. Vom Tunnel haben sich mittlerweile in Flensburg alle verabschiedet. Stattdessen möchte die SPD-Ratsfraktion mit ihrem planungspolitischen Sprecher Axel Kohrt gleich ein ganzes Stück des Bahndamms weg nehmen – drei Meter etwa. Dann wäre genug Platz für Autos, Fahrräder und Fußgänger. Doch der Bahndamm gehört der Bahn. „Seht mal zu, dass wir in den Besitz des Bahndamms kommen“, sagt Axel Kohrt in Richtung Stadtverwaltung. Dann könne man die alte rostige Bahnbrücke abbauen, den Bahndamm zurückbauen und eine neue, filigrane Fahrradbrücke über die dann breitere Lücke bauen. Diese Idee werde in der Verwaltung jedoch nicht verfolgt, so Asta Simon. Stattdessen werde an einer Vorstudie zur Machbarkeitsstudie eines möglichen Rad- und Fußwegs auf dem Bahndamm gearbeitet.

Doch bevor die Stadt den Bahndamm erwerben kann, müssen die Gleise entwidmet werden. Das dauert. Denn derzeit betreibt die Stadt die Entwidmung der Hafengleise, obwohl diese zum Teil schon seit Jahren weg sind. „Ja“, sagt Kohrt, „aber die Trasse ist noch da. Die muss auch entwidmet werden.“ Erst danach könne man sich den Bahndamm-Gleisen widmen.

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