Beschluss zur Hafen-Zukunft : Das Ende des Flensburger Wirtschaftshafens?

Weniger Platz für den Wirtschaftshafen: Der mit gestrichelter Linie umgrenzte Bereich soll künftig wegfallen. Die kleinere Fläche rechts ist die Europa-Wiese.
Weniger Platz für den Wirtschaftshafen: Der mit gestrichelter Linie umgrenzte Bereich soll künftig wegfallen. Die kleinere Fläche rechts ist die Europa-Wiese.

Wegweisende Abstimmung im Rathaus: Die Bestandsgarantie gilt nur für fünf Jahre.

shz.de von
30. November 2017, 06:01 Uhr

Ist es das Ende des Flensburger Wirtschaftshafens am Ostufer? Manche sagen ja, zum Beispiel der SSW. Andere sehen in dem jüngsten Beschluss zur Hafen-Zukunft einen wichtigen Schritt zum Erhalt alter Gebäude und zur Schaffung eines attraktiven neuen Quartiers in Wassernähe.

Wenn die Ratsversammlung nächsten Donnerstag zustimmt, wird der Wirtschaftshafen von Norden her um etwa ein Fünftel seiner Fläche verkleinert (Wegfall der Fläche mit gestrichelter Linie Bild links). Die so verkleinerte Fläche erhält eine Bestandsgarantie von fünf Jahren. Für diesen Vorschlag von CDU, SPD und FDP gab es im Umwelt- und Planungsausschuss am Dienstag acht Stimmen; vier Mitglieder stimmten dagegen.

Widerstand gab es vor allem vom SSW, seit Jahren ein klarer Verfechter des Wirtschaftshafens. Die Bestandsgarantie, so wird kritisiert, sei nicht mehr als der „Abgesang“ auf den Hafen; nach fünf Jahren werde man ihn abwickeln. Kein Unternehmen werde bei so einer kurzen Frist noch investieren.

Ganz anders die Ja-Sager: Man werde sehen, wie sich der Hafen entwickele, so Axel Kohrt (SPD). Der Beschluss bedeute keineswegs, dass nach fünf Jahren automatisch das Ende da sei.

Der Hafenumschlag ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurück gegangen – von 278 155 Tonnen im Jahr 2010 auf 79158 Tonnen im Jahr 2016. In jüngster Zeit gibt es einen leichten Aufschwung auf 106 000 Tonnen bis Oktober 2017. Der Schuppen 8, der von der Verkleinerung betroffen wäre, wird von der Hafenwirtschaft nicht mehr beansprucht.

Doch es wurde noch mehr beschlossen am Dienstag. So sollen – ungeachtet eines noch durchzuführenden städtebaulichen Wettbewerbs – einzelne konkrete Bauprojekte vorgezogen werden. Sie betreffen alte Speicher, die unter Denkmalschutz stehen und ohnehin nicht abgerissen werden dürfen. So gibt es die Idee, den alten Stadtspeicher in ein modernes Bürohaus umzuwandeln (wir berichteten). Deutlich größer ist das Projekt „Kaihäuser am Ballastkai“. Sie betrifft das gesamte, sehr heterogene Ensemble von Silo- und Wirtschaftsgebäuden im Anschluss an die fünf Werftkontorhäuser und die zweistöckige Ruine eines alten Bürohauses. Eine Gruppe Flensburger Investoren plant, unter Erhalt der Gebäudestruktur aus den leeren Silogebäuden Wohnungen zu machen; im Erdgeschoss könnten auch Dienstleistungen untergebracht werden. Ausdrücklich ist geförderter Wohnungsbau mit niedrigen Mieten das Ziel der Vorhabenträger. Zudem möchte der TSB Flensburg aus dem Hübsch-Speicher auf der Harniskaispitze ein Kletter-Paradies machen; auch dieses Projekt könnte vorgezogen werden.

Die Umgestaltung des Hafen-Ostufers beschäftigt die Stadt schon länger. Seit Anfang 2016 laufen so genannte „Vorbereitende Untersuchungen (VU)“ – Voraussetzung für die Aufnahme des Gebietes in das Förderprogramm „Stadtumbau“. Sie sind fast abgeschlossen; nächster wichtiger Schritt ist ein städtebaulicher Wettbewerb für das Ostufer des Hafens.

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