Kay Uwe Jensen schwer verletzt : Das Drama um den Grenzkaufmann

Kay Uwe Jensen (nach einem Überfall) im Jahr 2004. Vergangenen Montag wurde er von seinem Sohn im Streit schwer verletzt.
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Kay Uwe Jensen (nach einem Überfall) im Jahr 2004. Vergangenen Montag wurde er von seinem Sohn im Streit schwer verletzt.

Am Montagabend wurde er schwer verletzt – von seinem eigenen Sohn. Der berühmte Grenzkaufmann Kay Uwe Jensen liegt im Krankenhaus, sein Zustand ist inzwischen stabil.

shz.de von
18. Juni 2014, 19:16 Uhr

Der tragische Zwischenfall Montagabend im Ostseebadweg hat ein prominentes Opfer: Polizeisprecher Matthias Glamann bestätigte gestern Informationen dänischer Medien, wonach der 70-jährige, der – wie berichtet – von seinem 21-jährigen Sohn mit Schlägen gegen den Kopf lebensgefährlich verletzt wurde, Kay Uwe Jensen ist. Jensen war über Jahrzehnte in Flensburg der Grenzkaufmann schlechthin.

Das dramatische Geschehen am Gartenzaun hatte sich nach Polizeiangaben in der Villa der Jensens Am Ostseebad aus einem Streit heraus entwickelt. Das Ehepaar pflegt dort gemeinsam den 21 Jahre alten psychisch erkrankten Sohn. Am Abend des 16. Juni wurden Nachbarn durch laute Schreie im Garten des Hauses aufgeschreckt. Sie wurden Zeugen, wie der junge Mann mit einem Stein wieder und wieder auf den Kopf Kay Uwe Jensens einschlug. Die Polizei registrierte Notrufe im Sekundentakt und war schnell vor Ort. Dort ließ sich der Sohn widerstandslos festnehmen, während Kay Uwe Jensen mit schwersten Kopfverletzungen in Begleitung des Notarztes in die Diako gebracht wurde. Nach Polizeiangaben bestand für den Flensburger akute Lebensgefahr, inzwischen aber hat sich der Zustand des 70-Jährigen stabilisiert. Der Täter wurde gestern auf richterlichen Beschluss in die psychiatrische Klinik in Neustadt eingewiesen.

Über die Hintergründe des Geschehens hüllt sich die Polizei in Schweigen. Die Kripo hat die Ermittlungen wegen einer versuchten Tötung aufgenommen. „Wir ermitteln nur die objektiven Tatbestände – die Frage von Schuld und Schuldfähigkeit wird vor Gericht zu klären sein“, so Glamann. Der Polizeisprecher erhielt gestern besonders von dänischen Medien zahlreiche Anfragen – Indiz für die Bekanntheit des Flensburger Kaufmanns nördlich der Grenze.

Das dürfte am Grenzhandel liegen, in dem Jensen in den Goldgräberzeiten des massiven Steuergefälles zwischen beiden Ländern in den 70-er und 80-er Jahren ein echtes Schwergewicht war. Das Startkapital dafür hatte der Flensburger Däne in jungen Jahren auf Bohrinseln in der Nordsee verdient. Parallel zum Grenzhandel sanierte Jensen in den 70-er Jahren die pittoreske Flensburger Altstadt rund um den Kayser’s Hof zu einem attraktiven Vergnügungsviertel, auch wenn der zum Bordell umgebaute Kayser’s Hof dem unorthodoxen Kaufmann nicht nur Freunde bescherte.

1997 sorgte er für Aufsehen, als er in Kopenhagen eine exquisite Kunstsammlung, die er an der Schiffbrücke zusammengetragen hatte, für fünf Millionen Euro versteigern ließ. Niemand hatte dem Købmanden med den krøllede habit (Kaufmann mit dem zerknitterten Anzug) zuvor als Kunstfreund wahrgenommen. Trotz der Finanzspritze wendete sich nach der Jahrtausendwende das Blatt gegen Jensen. Leerstand und Sanierungsstau setzten dem Schiffbrücken-Ensemble schwer zu, Jensen musste mitverfolgen, wie ein Teil seines Lebenswerkes wieder zerfiel. Bis zuletzt versuchte er Investoren für ein attraktives Hotel zu finden, die Wirtschaftskrisen des neuen Jahrtausends machten jedoch alle Pläne zunichte, schließlich war Jensen insolvent.

Schlagzeilen schrieb er auch jenseits seiner Immobiliengeschäfte. 2003/2004 wurde er drei Mal in kurzer Zeit Raubopfer dänischer Krimineller, die der Rockergang Bandidos zugeordnet werden. 2003 wurde er in seinem Haus gezwungen, den Tresor zu öffnen, die Täter entkamen mit 250 000 Euro. Sieben Monate später wurde er in seinem Grenzladen um 80.000 Euro erleichtert, die Jensen in einer Plastiktüte aufbewahrt hatte. Beim letzten Überfall rückte er den Tresorschlüssel einfach nicht heraus. Die Täter entkamen mit 220 Euro aus Jensens Portemonnaie.

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