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Flensburg - Glücksburg - Sylt : Das Ding mit dem Fluxkompensator

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jubiläumstreffen des DeLorean-Clubs: Das Auto aus „Zurück in die Zukunft“ hat am Wochenende seinen großen Auftritt

shz.de von
erstellt am 12.Jul.2017 | 09:16 Uhr

Zwei Fragen hört er auf jedem Oldtimertreffen. Und meistens in dieser Reihenfolge. „Ist das ein Alumninium-Auto?“ und: „Wo ist der Fluxkompensator?“ So ist das, wenn man ein berühmtes Automobil fährt, das zwar weltweit Milliarden Menschen kennen, aber schon lange aus dem Straßenbild verschwunden ist: der DeLorean DMC 12 – Dienstwagen von Marty McFly, Filmzeitreisender aus der wundervollen Kino-Trilogie „Zurück in die Zukunft“ von Robert Zemeckis. Der Flensburger Thilo Skursch bewahrt eines von nur 8000 gebauten Exemplaren auf. Ab Donnerstag bekommt er Verstärkung. Das 25. Jahrestreffen des DeLorean-Clubs Deutschland findet zwischen dem 13. und 16. Juli in Flensburg, Glücksburg und Westerland auf Sylt statt. Skursch erwartet über 30 Wagen aus ganz Deutschland.

Einen Oldtimer stellt man sich anders vor. Das puristische Design des extrem flachen nur 1,10 Meter hohen Edelstahl-Schlittens geht auf das Jahr 1975 zurück, in Produktion ging das Auto aber erst Anfang 1981 in der DeLorean Motor Company (DMC) im nordirischen Dummury, wo der ehemalige General-Motors-Manager John DeLorean (1925 - 2005) ein langlebiges, hochwertiges Auto für den Weltmarkt bauen wollte. Doch als Michel J. Fox alias Marty McFly und Christopher Lloyd alias Doc Brown ab 1985 mit dem Wagen Science-Fiction-Geschichte schrieben, hatte der DMC 12 seine Zukunft schon hinter sich. DeLorean musste Anfang 1982 Insolvenz anmelden. Der DMC 12, dessen Entwicklung in nur zwei Jahren zur Serienreife getrieben worden war, wurde erstens seine zahlreichen Kinderkrankheiten nicht los und konnte gegen seine direkten Hochpreis-Mitbewerber – Porsche 911, Ford Mustang, Chevrolet Corvette – mit der bescheidenen Motorleistung von nur 130 PS nicht wirklich antreten. Es kam zum tragischen Scheitern eines bildschönen Designs, tragisch auch, weil sich John DeLorean, um seine Firma zu retten, in seiner Verzweifelung auf einen vom FBI inszenierten Drogen-Scheindeal einließ und vor Gericht gestellt (und frei gesprochen) wurde.

Dies und viele Legenden bilden die Aura der geschätzt noch viertausend intakten Fahrzeuge, die von Sammlern gehütet werden wie ein Schatz. In Unaften bei Handewitt betreibt Skursch (52) einen kleinen Restaurationsbetrieb für klassische Automobile. Unter seidigen Schutzhüllen sind dort überwiegend amerikanische Automobilträume aus den 50er, 60er und 70er Jahren verborgen. Als Sammler hat der ehemalige Luftwaffen-Techniker in Kalifornien Straßenkreuzer und Muscle-Cars dieser Zeit aufgekauft, nach Norddeutschland verschifft, verkauft, oft auch restauriert. Der Besucher bestaunt barocke Cadillacs, Oldsmobiles, einen Ford Thunderbird, gewaltige Heckflossen, unglaubliche Leuchtbatterien, grandiose Armaturenlandschaften, brubbelnde Kraftwerke unter meterlangen Motorhauben – Traumwagen allesamt. Aber Thilo Skursch sagt: „Der DeLorean hier, der ist mein wichtigstes Auto. Von dem würde ich mich nie trennen.“

Er ist ein sehr volkstümliches Auto. „Wegen des Films ist er bei Jung und Alt bekannt. Wo ich auch stehe – es bildet sich sofort eine Traube.“ Am breitesten gegrinst hat Skursch in Rendsburg auf einem Treffen über einen vielleicht fünf Jahre alten Knirps, der seinem Vater Beine machte: „Papi, komm ganz schnell. Da steht ein DeLorean!“ Was Thilo Skurscht so rührte: „Der Kleine hat sogar DeLorean richtig ausgesprochen. Das kann manch ein Erwachsener nicht.“

Vermutlich hätten er und seine Club-Freunde liebend gerne dieses eine Extra, nach dem dauernd gefragt wird: den Fluxkompensator. Der Film-Legende nach hatte Doc Brown den Konstruktionsplan geträumt, nachdem er beim Aufhängen einer Armbanduhr vom Klodeckel gestürzt und sich den Kopf angehauen hatte. Erst dieses Aggregat macht den DeLorean zur Zeitmaschine. Aber leider, muss Thilo Skursch einräumen, leider ist noch kein DMC 12 mit funktionierendem Fluxkompensator aufgetaucht. Hoffentlich nur eine Frage der Zeit.

Die meiste Zeit stehen diese Schätzchen sicher und warm in ihren Garagen –  am Wochenende werden sie im Norden gezeigt. Die Klubmitglieder stellen ihre DeLoreans am Donnerstag, 13. Juli, von 15 bis 18 Uhr am Glücksburger Schloss, am Sonnabend, 15. Juli, von 11 bis 14 Uhr am Hafen List  (Sylt) und von 17 bis 19 Uhr vor dem Westerländer Rathaus auf. In Flensburg sind die Wagen am Sonntag, 16. Juli, von 9 bis 15 Uhr an der Hafenspitze zu sehen.

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