Interview : Das Comeback des Helmut Lotti

Neues Outfit ohne Toupet – doch musikalisch ist sich der 48-Jährige treu geblieben.
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Neues Outfit ohne Toupet – doch musikalisch ist sich der 48-Jährige treu geblieben.

Nach sechsjähriger Auszeit kommt der belgische Sänger nächste Woche nach Flensburg

shz.de von
14. Februar 2018, 12:13 Uhr

Und plötzlich war er weg. Abgang von der Bühne, Scheinwerfer aus, keine Schlagzeilen mehr: Helmut Lotti hatte genug von Stress und Druck des Musikgeschäfts, wollte einfach Ruhe und Zeit für sich haben. Fast sechs Jahre lang hat sich diese Schaffenspause hingezogen – nun ist der alte Charmeur wieder da, nach dem Comeback-Album folgt die Comeback-Tour. Und doch ist der 48-jährige Belgier nicht mehr (allein) jener Schwiegermutter-Traum wie vor seiner Auszeit – und das nicht nur ob seines Verzichts auf sein Toupet. Geblieben ist hingegen das Lampenfieber, denn: „Dieses Adrenalin brauche ich, das gibt mir Energie“, wie Lotti vor seinem Auftritt am 20. Februar (20 Uhr) im Deutschen Haus erzählt.

„Ungeduldig, leicht gereizt, egozentrisch, ziemlich faul“: So haben Sie mir vor zehn Jahren auf die Frage nach Ihren Schwächen geantwortet – wie hat sich der Mensch Helmut Lotti seither verändert?
Helmut Lotti: Ich bin nicht mehr so egozentrisch (lacht). Die drei anderen Eigenschaften hingegen treffen durchaus noch zu…


Wer Ihren aktuellen Tourplan sieht, kann sich Faulheit bei Ihnen kaum vorstellen.
Ich brauche diese Faulheit, um dann plötzlich die Dinge sehr intensiv zu machen. Hätte ich diese Faulheit nicht und könnte nicht ‚Nein‘ sagen zu manchen Sachen, dann wäre ich nicht in der Lage, anderes so konzentriert und fokussiert anzugehen.


War dies auch ein Grund für Ihre mehrjährige Auszeit?
Nein, der Grund war, dass der Vertrag mit meiner Plattenfirma damals auslief und es für mich in dem Moment einfach mal reichte. Ich wollte wissen und entdecken, was es sonst noch gab in meinem Leben und auch darüber nachdenken, wie es kam, dass es bei mir privat immer schief gelaufen ist und ob das etwas mit meiner Karriere zu tun hatte – heute weiß ich, dass das nicht der Fall ist.
Ist es für Künstler schwieriger, dauerhaft in einer glücklichen Beziehung zu leben?
Das hat nichts damit zu tun – auch wenn ich Müllmann gewesen wäre, wären meine drei Ehen gescheitert.

Was haben Sie sonst in diesen Jahren gemacht?
Ich habe ganz viel über mich selbst nachgedacht, und ich wollte auch künstlerisch mal etwas ganz Anderes machen – und das habe ich auch, und zwar lokal in Belgien.


Dort haben Sie ein Album auf Niederländisch mit einer Rockband herausgebracht.
Ja, und das hat Spaß gemacht, nur hat es für meine Karriere nichts gebracht. So aber weiß ich jetzt, was für mich möglich und was nicht möglich ist, und ich habe Frieden mit meiner eigenen inneren Unruhe geschlossen und kann mit noch mehr Überzeugung auf die Bühne klettern und meine Sache machen.
Das Image des Schmusesängers tragen Sie nach wie vor mit sich.
Ich weiß nicht, was genau dieses Image bedeuten soll, aber natürlich werde ich Lieder singen, die sich schon früher in meinen Programmen gefunden haben, und im ersten Teil des Abends gibt es wie immer Songs von meinem neuen Album. Insofern wird meine Show sein wir früher – und ich bin auch wieder auf Tour mit dem Golden Symphonic Orchestra.

Seinerzeit galten Sie als Traum aller Schwiegermütter – und heute?
Wissen Sie, all das habe ich nicht erfunden und ich beschäftige mich nicht mit solchem Blödsinn.


Aber Sie hoffen schon ein bisschen, dass durch Ihre Auszeit nun vielleicht auch mancher Kritiker Sie aus einem neuen Blickwinkel sehen könnte.
Ich hoffe gar nichts! Wenn du ein Image hast, kannst du nicht versuchen, dies zu ändern. Und wer Leute wie Madonna und David Bowie als Beispiel anführt, um zu belegen, dass man sich sehr wohl künstlerisch ändern könne: Das ist Blödsinn.


Inwiefern?
Das Image von David Bowie und Madonna ist doch gerade, dass sie jede Woche etwas anderes machen sollen – machten sie das nicht, dann wäre das auch falsch. Bei mir indes ist es umgekehrt: Mein Image ist, dass ich nichts ändern soll.


Nun, zumindest Ihr äußeres Image haben Sie verändert, indem Sie jetzt auf der Bühne auf Ihr Toupet verzichten…
Ich bin ganz einfach älter geworden und ich werde es auch nicht mehr verstecken, dass ich älter werde. Ich bin nicht mehr der ideale Schwiegersohn, sondern ich bin ein Sänger. Wenn die Menschen in meine Konzerte kommen, dann sollen sie nicht wegen meines Images kommen, sondern wegen meiner Lieder.

Wie kam es dazu, dass Elvis Presley zu Ihrem großen Vorbild geworden ist?
Das lag an der Stimme! Als ich ihn das erste Mal auf Platte hörte, hat das mein Leben verändert: Diese Stimme war Gänsehaut pur – und zugleich von einer unglaublichen Fröhlichkeit und Energie! Ich habe ganz schnell all seine Lieder mitgesungen und schon bald selbst die niederländischen Kinderlieder, die ich in der Schule lernte, „elvisiert“ (lacht).


Sie haben mehr als 13 Millionen Alben verkauft – ist Helmut Lotti ein glücklicher Mensch?
Das glaube ich schon – ich glaube nicht, dass ich mir noch mehr erträumen kann als das, was ich schon erlebt habe. Ich habe meinen eigenen inneren Frieden gefunden - künftig möchte ich einfach Freude an meiner Arbeit haben und noch so lange wie möglich tolle Titel singen.




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