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Flensburg Kanzleistraße : Das Asylheim, das nie Flüchtlinge sah

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Für die seit anderthalb Jahren leerstehende Flüchtlingsunterkunft muss der Steuerzahler nach dem Aufbau nun auch für den Abbau aufkommen.

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2017 | 05:27 Uhr

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Spätherbst 2015, als nirgendwo mehr Wohncontainer zu bekommen waren, wurde die Stadt Flensburg mit guten Kontakten in Dänemark fündig – doch das Asylbewerberwohnheim mit 140 Plätzen und einem Gemeinschaftshaus mit je sechs Waschmaschinen und Trocknern sowie Fahrradständern ist nie bezogen worden.

Es gab Probleme mit EU-Normen, Brandschutz und mehr. Nach Tageblatt-Informationen summierten sich allein im Jahr 2016 die Kosten der Rund-um-die-Uhr-Bewachung der Unterkunft, in die nie ein Asylsuchender einzog, auf 160  000 Euro und für die Miete der Container-Elemente an den dänischen Vertragspartner 560  000 Euro. Das waren – ohne Energiekosten – für 2016 fast schon eine Dreiviertelmillion Euro. Seitdem ist offenbar kein Geld mehr geflossen, die Stadt und der nordische Containerlieferant sind im Rechtsstreit.

Nun hat die Stadt angekündigt, nicht nur – wie für 2017 geplant – auf der Exe, sondern auch neben der Turnhalle Kanzleistraße die mit Steuergeld aufgebauten Wohncontainer mit Landesförderung wieder zurückzubauen. Das stößt nicht überall auf Verständnis, etwa im zuständigen Stadtteilforum Jürgensby-Sandberg, das schon zum Jahreswechsel verlangt hatte, hier rasch Baurecht zu schaffen: „Den Abbau hielte ich für schwachsinnig. Die Gebäude sind da, es muss nur das Baurecht geändert werden – und das ist meines Erachtens auch möglich“, sagt Forumssprecher Gernot Nicolai. Er kann sich sogar vorstellen, dass das Studentenwerk die nagelneue Gebäudehülle übernehmen könnte: „Wir brauchen unbedingt Studentenwohnungen.“

In der Tat gibt es weiter vor allem ausländische Studierende, die auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum kaum eine Chance haben. Ein afrikanischer Uni-Student etwa, der seit Anfang November am Management-Institut studiert, musste monatelang im Hostel übernachten. Kein Einzelfall auf dem heißgelaufenen Flensburger Wohnungsmarkt: „Mir erschließt sich nicht, dass hier zweimal Geld verschleudert wird, ohne dass jemand etwas davon hat“, schimpft Nicolai.

Stadtsprecher Clemens Teschendorf verweist auf einen schwierigen Konflikt mit dem dänischen Hersteller. Die Stadt habe die Möglichkeiten am Standort geprüft, der einst für fünf bis sechs Jahre angekündigt worden war: „Man müsste erheblich umbauen, um es auf den Stand zu bringen“, sagt er. Die Unterkunft sei mit sehr großen Räumen für jeweils bis zu zwölf Personen geplant gewesen – und deshalb nicht ohne Weiteres umnutzbar. Auch für rein studentisches Wohnen hätte die Stadt Planungsrecht schaffen müssen – „und das schafft man nicht in drei Monaten“. Die Stadt hält für den wachsenden Stadtteil rund um den Campus eine langfristige Lösung mit völlig neuer Planung der Politik für zielführender.

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