zur Navigation springen

Geplante Gasleitung : "Dann wächst hier kein Gras mehr"

vom

Klues wehrt sich gegen Hochdruck-Gasleitung. Protestschreiben und 250 Unterschriften übergeben. Stadtwerke beharren auf "sicherer Lösung".

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2013 | 05:32 Uhr

Flensburg | Die Bewohner des Stadtteils Klues sind aufgeschreckt. Ihre Sorge: Eine von den Stadtwerken geplante Gasleitung soll mitten durch ihr Wohngebiet führen. Die Trasse ist Teil des Projekts "Kessel 12", das den Bau einer modernen Gas- und Dampfturbinenanlage im Heizkraftwerk vorsieht. Sie erstreckt sich von Ellund über die Gemeinden Handewitt und Harrislee bis hin zum Flensburger Kraftwerk.

Zwölf Kilometer ist die Pipeline lang, sie wird 1,20 Meter unter der Erdoberfläche liegen. "Damit sind enorme Gefahren verbunden", sagt Anwohner Klaus Strupp und verweist auf die seiner Überzeugung nach viel zu geringe Wandstärke von sieben Millimetern, einen Hochdruck von 84 bar und die vielen Unglücke (siehe Info-Box), die in den letzten Jahren trotz angeblicher Sicherheit passiert sind. Die Kritiker stellen klar: "Wir sind nicht gegen die Technologie, sondern gegen die Trassenführung."

Diese sei gründlich geprüft und mit mehreren Varianten abgestimmt worden, versichern die Stadtwerke. Die nun gefundene Lösung sieht einen Verlauf über Klueser Weg (entlang Danfoss), Mads-Clausen- und Apenrader Straße bis zur Batteriestraße vor. Anwohner haben jetzt einen Abstand von teilweise nur vier bis sechs Metern zu den Wohnhäusern gemessen. Und die Angst geht um, dass die Leitung bei Wartungsarbeiten beschädigt wird. Rohre für Fernheizung und Entwässerung liegen in unmittelbarer Nähe. "Der Betriebsdruck ist riesig", sagt der Klueser Dieter Scheel. "Eine Explosion könnte sogar durch den Eigendruck verursacht werden. Dann wächst hier in einem Umkreis von 300 Metern kein Gras mehr." Vibrationen könnten darüber hinaus Bauschäden verursachen.

Karsten Müller-Janßen, Projektleiter bei den Stadtwerken hält die "Nordtrasse" für die richtige Lösung. "Das Stahlrohr ist sicher", sagte er gestern auf Anfrage. "Da kann nichts passieren." Hochdruckleitungen durch bebaute Gebiete zu führen sei üblich und Stand der Technik. "Im Übrigen werden wir zunächst nur mit etwa 60 bar arbeiten", korrigiert Müller-Janßen, beantragt seien tatsächlich aber 84 bar. Einer von den Kritikern vorgeschlagenen Ausweich-Route gibt er keine Chance. Diese würde 500 Meter weiter nördlich durch den Wald parallel zur Ostsee verlaufen. Unbewohntes Terrain also? Nicht ganz. Denn angeblich ist hier der Kamm-Molch zu Hause. Der Triturus cristatus, eine seltene Amphibienart, findet sich auf der Roten Liste bedrohter Tiere - sein Lebensraum also muss geschützt werden wie das FFH-Gebiet selbst. Meyer-Janßen: "Eingriffe sind hier nicht zulässig, wenn es für die Leitung eine Alternative gibt."

Dem halten die Kritiker entgegen, dass nach den Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien eine wirtschaftliche Nutzung durchaus geduldet, ja sogar erwünscht sei. "Diese Flächen sind nicht tabu", sagt Strupp, der die Einwände der Anwohner mitsamt 250 Unterschriften beim Kieler Umweltministerium eingereicht hat. Die Klueser Widerständler haben sich einen juristischen Beistand geholt und sind zuversichtlich, doch noch etwas ausrichten und Plan B durchsetzen zu können. "Die Bagger sollen mal kommen", sagt Dieter Scheel kämpferisch. Mit Widerstand darf gerechnet werden.

Am Sonnabend, 25. Mai, 16 Uhr, findet im Feuerwehrhaus in Klues die Bürgerversammlung gegen die Gashochdruckleitung statt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen