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Wirtschaftsstandort Flensburg : Danfoss: Aufstieg und Fall eines Werks

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

2008 feiert Danfoss 50. Jubiläum am Standort Flensburg. Doch das Kompressorenwerk, das so vielen einen Arbeitsplatz bot, ist da schon längst auf dem Absprung.

shz.de von
erstellt am 25.Dez.2015 | 09:42 Uhr

Flensburg | Es war eine sehr erfreuliche Nachricht, die das Flensburger Tageblatt zum Richtfest am 21. Juni 1958 verkündete: der Start des Danfoss-Werkes mit stattlichen 150 Mitarbeitern. Es folgte ein rasanter Aufstieg. Doch gut 50 Jahre später wird das Danfoss-Logo über den Werkstoren abgeschraubt.

Im Herbst 2008 müssen 75 Mitarbeiter aus der Produktion gehen, im folgenden Januar fallen 120 gewerbliche und 45 Angestellten-Jobs weg. Insgesamt hat sich die Flensburger Danfoss-Belegschaft binnen drei Jahren zwischen 2006 und 2009 von rund 1450 auf knapp 700 mehr als halbiert. Längst macht in der Belegschaft das böse Wort von den „Quartalsentlassungen“ die Runde. Ende Mai 2009 dann die Hiobsbotschaft: Danfoss Household Compressors will sein traditionsreiches Werk in Flensburg schließen. Davon betroffen sind weitere rund 450 Mitarbeiter.

Die Geschichte von Danfoss beginnt 1933. Gründer Mads Clausen schilderte gern, wie es zu dem Namen kam: Ein Teil des Namens sollte zum Ausdruck bringen, dass das Produkt aus Dänemark kam. Daher die Silbe „Dan“. Im Rest des Wortes „foss“ stecke das dänische Wort für fließen: fossede. Mads Clausen räumte ein, dass ihm das Wort eigentlich gar nicht so zusagte, aber seinen Kunden habe es auf Anhieb gefallen. Rund um den Bauernhof seines Vaters auf Alsen baute Mads Clausen nach und nach das größte Privatunternehmen Dänemarks auf.

Produktion am Fließband: Für die Hersteller von Kühlgeräten produzierte Danfoss die Kompressoren.
Produktion am Fließband: Für die Hersteller von Kühlgeräten produzierte Danfoss die Kompressoren. Foto: dahl
 

Das Jahr 1958 war nicht nur das Jahr der Ansiedlung in Flensburg, sondern auch das Jahr des 25. Jubiläums. Zu dem Anlass gab Danfoss eine Festschrift heraus – in einer Auflage von 10.000 Stück, davon 4000 auf Deutsch.

Mit dem Standort Flensburg nahm Danfoss einen Trend der Zeit auf: Deutschland gehörte dem Europäischen Markt mit sechs Staaten an, Dänemark nicht. Durch die Ansiedlung an der Förde hatte das Unternehmen „ein Bein im Wirtschaftsraum der sechs Staaten“, nutzte die liberale, deutsche Gesetzgebung, das große Angebot an Arbeitskräften und steuerlich geringere Belastungen. Neun dänische Unternehmen hatten mit Danfoss 1958 den Weg nach Flensburg gefunden.

Zum Danfoss-Werk in der Nordstadt berichtete das Tageblatt weiter: „Etwa 150 Arbeitskräfte, fast ausschließlich Flensburger, und unter ihnen rund 25 Prozent Frauen, werden voraussichtlich zum 1. Dezember die Arbeit bei Danfoss in Klues aufnehmen. Vom Absatz der hier zu fertigenden Kompressoren für Haushaltskühlschränke, die für deutsche Firmen hergestellt werden, wird es abhängen, wann der Betrieb weiter ausgebaut werden kann und wieviel Arbeitskräfte insgesamt eingestellt werden können.

Zweieinhalb Jahre zuvor waren die ersten Gespräche zwischen der Stadt und Danfoss über die Ansiedlung des Werkes geführt worden. Im November 1957 gab die Stadt ihr Okay, zwei Wochen später war es Zeit für den ersten Spatenstich. Beim Richtschmaus sagte Danfoss-Direktor Flindt: Er hoffe, dass das Unternehmen zur Entlastung des Flensburger Arbeitsmarktes beitragen werde und das durch eine dauernde, gute Zusammenarbeit über die trennende Grenze hinweg die Investition in ein neues Werk gesichert werde.

Nur ein Vierteljahr nach der Einweihung kündigte Danfoss eine Verdoppelung des Werkes in Klues an. Und die Entwicklung ging weiter: Ein 1959 in Frankfurt aufgekauftes Unternehmen wurde nach Flensburg verlagert. Wichtiger Grund war der kurze Weg zur Konzernzentrale auf Alsen.

Schichtwechsel: Um die Arbeit zu bewältigen, stellte Danfoss Mitarbeiter griechischer und türkischer Herkunft ein.
Schichtwechsel: Um die Arbeit zu bewältigen, stellte Danfoss Mitarbeiter griechischer und türkischer Herkunft ein. Foto: dahl
 

Als das 25-jährige Bestehen des Flensburger Werkes gefeiert wird, zählt es über 2000 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Jahresumsatz von 250 Millionen D-Mark. Damit ist es eines der größten Unternehmen in Flensburg. Die Erweiterungen von 1962 und 1967 vergrößerten die Betriebsfläche auf 40.000 Quadratmeter. Der Bedarf an Arbeitskräften wird durch Einstellung griechischer und türkischer Mitarbeiter gedeckt. Danfoss profitiert vom Zustrom der „Gastarbeiter“ nach Deutschland.

1987 hat Flensburg noch einmal Glück mit der Konzentrationsstrategie, die der Konzern beschließt. Die Kompressorenfertigung auf Alsen soll nach Flensburg ziehen. Errechnete Einsparung: 50 Millionen Kronen. Es war eine Antwort auf die Konkurrenz der Billiglohn-Länder.

1994 zeichnet die Studien- und Fördergesellschaft der schleswig-holsteinischen Wirtschaft Danfoss mit dem begehrten Umweltpreis aus. Es war gelungen, das Ozon vernichtende Kühlmittel FCKW gegen das umweltfreundliche Isobutan auszutauschen.

Doch in den 90er Jahren tauchen bereits erste dunkle Wolken am Horizont über der Mads-Clausen-Straße auf, nach der Jahrtausendwende wird das Geschäft zunehmend schwieriger. Zwischen 2006 und 2009 hat sich die Belegschaft bereits auf 696 mehr als halbiert – als im Mai die Hiobsbotschaft der Schließung des Kompressorenwerks die Stadt erschüttert. Ein Jahr später ist die Münchner Industrieholdung Aurelius Eigentümerin der Sparte, die längst in China, der Slowakei und Slowenien ihre Kompressoren herstellt. Noch im gleichen Jahr wechselt das Unternehmen den Namen. Kompressoren werden jetzt von „Secop“ gefertigt. Und: Auf dem Gelände an der Mads-Clausen-Straße ist das „Secop“-Headquarter seit April 2013, als die Fahrzeugbau-Gesellschaft FFG Gelände und Werk kaufte, nur noch Mieter.

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