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13. Flensburger Dampf Rundum : Dampferfest mit vielen Facetten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Von Sea Shepherd bis Robbie Williams: Das große Flensburger Technik-Fest war mit zahlreichen Spezialitäten garniert.

shz.de von
erstellt am 10.Jul.2017 | 05:07 Uhr

Dunkler Rauch steigt aus dem gelb-schwarzen Schlot der „Bussard“. Das Dampfschiff fährt gemächlich am Hafen entlang und wird dabei von den vielen Besuchern des 13. Flensburger Dampf Rundum beobachtet. Um den Zuschauern möglichst viel zu bieten, seien die Fahrten der vielen historischen Dampfer so getaktet, dass alle Viertelstunde ein Schiff anlegt, erklärt der Kapitän der „Alexandra“, Günter Herrmann (64), während sich die „Bussard“ nun ihrer Anlegestelle im Hafen nähert.

Die Besucher jetzt teilhaben lassen zu können, sei ein großes Glück. „Wir bekommen unglaublich viel Zuspruch“, erzählt Herrmann. Besonders freut das, da viel ehrenamtliche Arbeit im frischen Aussehen der „Alexandra“ steckt, die vergangenes Jahr einen neuen Kessel bekam. „Das geht auf die Knochen der Crew. Es war viel Eigenleistung.“ Doch vor allem der neue Kessel muss jetzt zeigen, was er kann: 13 Tonnen Wasser müssen während der Fahrt auf 180 Grad Celsius erhitzt werden. „Das ist schon spannend“, sagt Herrmann lächelnd.

Ganz entspannt: Alex-Käpt’n Günter Herrmann
Ganz entspannt: Alex-Käpt’n Günter Herrmann Foto: Maria Wappler
Am Land und zur See: Dampf Rundum ein voller Erfolg

Besser geht’s nicht. Ein perfektes Sommer-Wochenende begleitete Flensburgs großes Technik-Spektakel rund um den Dampfantrieb. Zu Ehren der gerade noch rechtzeitig sanierten Gastgeberin „Alexandra“ hatte sich seeseitig eine illustre Flottille von historischen Motor- und Dampfschiffen versammelt.

Die weiteste Anreise hatte ein schönes, großes, grünes Motorschiff absolviert, das zu Beginn der Veranstaltung noch mal kurz über den TÜV musste: die „Sandnes“ aus Stavanger (Norwegen). Das Traditionsschiff von der legendären Nachtroute Stavanger-Haugesund-Bergen hatte Besuch von der See BG, die es auf seine Tauglichkeit im Rahmen der deutschen Schiffssicherheitsrichtlinie abklopfte – und für gut befand.

Damit waren Tür und Tor geöffnet. Wie ein Lindwurm, so Veranstalter Michael Reinhardt, schlängelten sich die Besucher fortan über Gangway, Auf- und Niedergänge. Zudem war die Crew der mit Chartergästen angereisten Sandnes perfekter Gastgeber für die traditionelle Crewparty. Auch den Norwegern, die gestern Abend Flensburg wieder verließen, hatte der seit 2011 zweite Trip in die Förde gefallen: sie sind beim nächsten Dampf Rundum wieder dabei, verspricht Reinhardt.

Für ihn waren auch bei der 13. Auflage des Technik-Festivals keine Ermüdungserscheinungen sichtbar geworden. „Die Leute waren zum Teil aus der Schweiz angereist, wir hatten weit über ein Dutzend Reisebusse aus ganz Deutschland. Für mich steht das Dampf Rundum in einer Reihe mit Travemünder Woche und Hamburger Hafengeburtstag“, schwärmte Reinhardt, dessen Landprogramm einen weiteren stark frequentierten Dampfschwerpunkt in der Landtechnik – Fahrzeuge und Maschinen in Aktion – hatte. Das Bühnenprogramm wurde aufs Höchste gelobt, der Öko-Markt war umlagert, das ökumenische Gottesdienst besser besucht als das Hauptkonzert am Sonnabendabend.

Seeseitig gab’s auch nichts zu meckern. Hafenkapitän Frank Petry, gleichzeitig Vorstand im Förderverein der Alexandra, strahlte mit der Sonne um die Wette. Alle Fahrten ausgebucht zu volkstümlichen Preisen. Am Sonntag konnte dank finanzieller Förderung durch die Nospa ein Familientag zu reduzierten Preisen angeboten werden.

Das Dampferrennen vom Freitagabend gewann die „Stettin“.Erstmals wurde der Preis nicht nach berechneter Zeit vergeben, es siegte der erste Dampfer im Ziel. „Weil unser viel zu früh verstorbener Kapitän Wolfgang Weyhausen die Berechnungsformel mit in sein Seemansgrab genommen hat, hatten wir keine andere Wahl“, so Petry

Holger Ohlsen

 

Die Kraft der alten Maschinen fasziniert auch Rainer Lenthe (55). Er steht mit seinen Kollegen zwischen Waffelbuden und Luftballonverkäufern für die Meeresschutzorganisation „Sea Shepherd“ an der Schiffbrücke. Das älteste Schiff, mit dem die Organisation noch immer hinaus fährt, ist über 60 Jahre alt. „Das war der Nachfolger vom modernen Dampfschiff. Und da ist nichts Romantisches dabei, in Wirklichkeit ist das harte Arbeit“, so Lenthe. „Uns kennen ja immer alle als 'die, die Wale schützen', aber wir informieren auch generell über das Meer und seine Lebewesen“. Allen Interessierten berichten Lenthe und seine Kollegen von der Schweinswal-Gruppe, die sich nur ein paar Kilometer nördlich des Flensburger Hafens tummelt. „Das wissen viele gar nicht. Wegen der Grenzlage versuchen wir natürlich auch, mit Dänen über den Grindwalfang auf den Färöern ins Gespräch zu kommen.“ Erfolgreich sei das nicht immer, erzählt er.

 Die Nase im Wind: Die Mitreisende genießt die Fahrt auf dem Schlepper Flensburg. Hunderte Fahrgäste kamen in den Genuss traditioneller Schifffahrt.
Die Nase im Wind: Die Mitreisende genießt die Fahrt auf dem Schlepper Flensburg. Hunderte Fahrgäste kamen in den Genuss traditioneller Schifffahrt. Foto: Marcus Dewanger
 

Auf der Bühne am Nordertorkai findet am Sonntagmorgen nicht nur ein Ökumenischer Gottesdienst statt, am Sonnabend werden viele Beiträge zum Thema „Bio“ geliefert. Rund um die Bühne können sich nämlich Klein und Groß durch einen Bio-Bauernmarkt probieren und in der Hafenkulisse auch noch selbst tätig werden. In einem kleinen Parcours mit fünf Stationen lernt man etwas über Bienen und verschiedene Getreidesorten, darf eine große Kunststoffkuh melken, sein eigenes Mehl mahlen und in der Erde nach Kartoffeln buddeln.

Alle Formate: Kleiner Dampfer trifft großen Dampfer.
Alle Formate: Kleiner Dampfer trifft großen Dampfer. Foto: Marcus Dewanger
 

Weniger rustikal geht es dagegen im Hof des Schifffahrtsmuseums zu. Hier stellen unter anderem der Modellclub Flensburg und die IG Kaiserliche Marine ihre Miniaturschiffe dem Publikum vor. Thorsten Pfeiffer (54) und seine Kollegen präsentieren mit einer Vorführung im Zwei-Stunden-Rhythmus ihre große, detailgetreue Anlage. „Unser Ansinnen war es, die Betriebsaspekte der Kaiserzeit so genau wie möglich darzustellen“, so Pfeiffer. Deshalb seien nicht nur die Marineschiffe funktionsfähig, erklärt er. „Der Kohlekran funktioniert genauso wie die Reeperbahn. Wir können sogar auch einen Stapellauf präsentieren.“

Kleinst-Dampfer neben Veteranin der rauen Hurtig-Route.
Kleinst-Dampfer neben Veteranin der rauen Hurtig-Route. Foto: Marcus Dewanger
 

An der Hafenspitze herrscht derweil mehr Rummelstimmung. Aus dem Verkaufshäuschen des Riesenrades tönen immer mal wieder harsche Ausdrücke heraus, wenn Halbstarke versuchen, sich ohne Fahrchip in die Gondeln zu mogeln. Von oben hat man einen wundervollen Ausblick über die gesamte Förde und die historischen Dampfschiffe.

Auf der Bühne direkt neben dem Riesenrad beginnt derweil Jazzy Jasmin mit zarter, klarer Stimme zu singen. Das Karo-Hemd lässig um die Hüfte geknotet und nur mit ihrer Akustikgitarre steht sie allein dort und trägt verträumt sowohl englische Nummern, wie „Wonderwall“ von Oasis, als auch deutsche Lieder vor. Als die rund 30 Zuschauer am Ende ihres Auftritts laut applaudieren und eine Zugabe verlangen, meint sie hörbar perplex, dass sie nicht mit so viel Publikum gerechnet habe: „Ich bin völlig geflasht! Jetzt habe ich nichts anderes mehr dabei, als meinen eigenen Song, der erst vor ein paar Tagen fertig geworden ist.“ Sprach‘s und beginnt erneut eine sanfte Ballade.

Singt wie Robbie, heißt aber Michael:  Die Rob-Show mit Michael Mitschke rockte die Bio-Bühne am Nordertor.
Singt wie Robbie, heißt aber Michael: Die Rob-Show mit Michael Mitschke rockte die Bio-Bühne am Nordertor. Foto: Marcus Dewanger
 

Ihr folgen weitere Auftritte. Bei dem Irisch-deutschen Duo Martin & Chris tanzen einige Kinder mit Sonnenhut vor der Bühne, ältere Leute wippen mit einigem Abstand zum Takt. Mit rauchiger, sehnsuchtsvoller Blues-Stimme und mit Gitarren in der Hand spielen sie Evergreens und Eigenkompositionen. Zwischendurch erklärt der Ire Martin, dass er leider noch kein Deutsch spreche, er aber letzte Woche angefangen habe, es zu lernen. Ein Wort kann er aber schon: „Prost!“ Damit genehmigt er sich zwischen den Songs einen Schluck Bier, bevor er verspricht, dass für jeden Musikgeschmack etwas dabei sein wird. Es ist wie eine Ankündigung für das restliche Dampf Rundum: Auf den Bühnen spielen noch Bands wie Stubbs & Casters, Madison und Deichträumer, die auf Platt- und Hochdeutsch, Englisch und Friesisch singt. Da kommt kein Geschmack zu kurz.

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