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Flensburger Tageblatt

23. August 2017 | 10:41 Uhr

Dänischer Charme gegen Nieselregen

vom

Nanne Emelie und Band begeistern mit einer Jazz-Blues-Pop-Melange unter grauem Himmel im Hof der Zentralbibliothek

Flensburg | Nanne Emelie? Noch nie gehört. Auch der Jazz-Experte mit dem Glas Rotwein nicht, und das dänische Ehepaar ebenfalls nicht. Trotzdem traben 15 Minuten vor Konzertbeginn die ersten verhinderten Besucher mit enttäuschter Miene die Treppe der dänischen Bibliothek herunter - ausverkauft, keine Chance auf nur eine klitzekleine Restkarte! Das ist Hofkultur: Die Leute kommen scharenweise zu unbekannten Künstlern, weil die Marke Hofkultur nach mittlerweile 19 Jahren für Qualität bürgt. Und vielleicht auch wegen Norah Jones.

Das haben alle gelesen, und Festivalchef Thomas Frahm wiederholt es noch einmal in seiner Begrüßung: "Nanne Emelie ist die dänische Antwort auf Norah Jones." Ein mutiger Vergleich - und einer der etwas hinkt. Die Dänin bewegt sich wie ihre große amerikanische Kollegin in der ausufernden Schnittmenge aus Jazz, Pop, Blues und etwas Soul. Ihre Band ist aber eindeutig Jazz: Kontrabass, Keyboards, Schlagzeug, Saxophon und - etwas außerhalb des Standards - ein Cello. Die Sängerin aus Kollund - nicht unser Kollund, sondern ein anderes bei Herning - mit südländischer Aura sprüht vor dänischem Charme, redet Dänisch und Englisch durcheinander und hat eine wunderbare Stimme, die sie hin und wieder allerdings etwas zu schonen scheint. Ist da irgendwo eine Handbremse nicht ganz gelöst?

Der Hof - ganz ohne südländische Aura, dafür aber mit dem zweifelhaften Charme einer 60er-Jahre-Architektur - ist rappelvoll, auch die Stehplätze sind knapp an diesem Abend. Bange Blicke in den grauen Himmel, aus dem einzelne Tropfen ihren Weg auf einzelne Köpfe finden - sofort werden Kapuzen ausgekrempelt und Schirme gezückt. Überraschend hat sich die Hofkultur nach eingehendem Studium dänischer und norwegischer Wetterprognosen für Flensburg doch noch für die Open-Air-Version entschieden. Danke! Bei diesen Zuschauermengen ließe es sich im Saal der Bibliothek kaum atmen.

Im ersten Set geht es eher ruhig zu - Balladen, Songs mit leichtem Latin-Anstrich, Schwerpunkte bei den Melodien, viel Harmonie und Schönklang. Nanne singt mit sanfter, sehr beweglicher Stimme, moduliert und haucht mit leichtem Vibrato. Die Band trägt sie, geht mit Feingefühl auf sie ein - und legt richtig los, wenn Nanne sie lässt: tolle Soli an Klavier (Niels Thybo), Sax (Lars Hartvig), Bass (Andreas Hatholt) und Schlagzeug (Rasmus Lund). Talent und Spielfreude, verknüpft mit viel Kommunikation der Musiker untereinander, lassen die Herzen der Jazzfans jubeln.

Nach der Pause geben die sechs Dänen mehr Gas, Nanne beweist sich als tolle Billie-Holiday-Interpretin, es kommt Bewegung in die Stehplatz-Reihen. Dann nieselt es doch noch aus tiefgrauem Himmel in den kleinen Hof, doch kaum einer flieht, sondern hat bei der Zugabe mit der Endlos-Schleife am Schluss nochmal richtig viel Spaß. Bald mal im Flensborghus, Nanne?

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erstellt am 09.Aug.2013 | 04:59 Uhr

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