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Arbeitslosen-Projekt gescheitert : Dänische Landwirte bevorzugen Ausländer

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Verein „LandboSyd“ und das Arbeitsamt Apenrade wollen 20 arbeitslose Dänen in der Landwirtschaft unterbringen. Doch die Bauern setzen eher auf ausländische Helfer. Die seien zuverlässiger und billiger.

shz.de von
erstellt am 01.Sep.2014 | 10:21 Uhr

Apenrade | „Landwirte haben mit ausländischer Arbeitskraft gute Erfahrungen gemacht“, sagt Klaus Andersen, Direktor von „LandboSyd“: „Es ist daher nicht ganz einfach, den Landwirten begreiflich zu machen, dass es durchaus auch kompetente Dänen gibt, die gern in der Landwirtschaft arbeiten würden.“ Der Direktor des landwirtschaftlichen Vereins ist sich darüber im Klaren, warum es mehr als schwierig ist, Landwirte in der Kommune Apenrade zu finden, die daran interessiert sind, Bezieher von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe einzustellen: „Die Landwirte sind mit ihren ausländischen Arbeitern zufrieden; zugleich haben sie die Erfahrung gemacht, dass zu viele Projekte gescheitert sind“, sagt Klaus Andersen.

Im Frühjahr haben „LandboSyd“ und das Apenrader Arbeitsamt das Projekt „Jobs in der Landwirtschaft – neue Möglichkeiten“ in Angriff genommen, das darauf abzielt, 20 Arbeitslosen aus der Kommune Apenrade zu einer Arbeit in der Landwirtschaft zu verhelfen. Tatsächlich aber ist es nach Angaben von LandboSyd gerade einmal gelungen, einen einzigen Bürger auf diese Weise in Lohn und Brot zu bringen. Im Apenrader Arbeitsamt macht man sich keine Illusionen darüber, dass es sich um ein schwieriges Unterfangen handelt: „Wir haben arbeitslose Bürger, die den Anforderungen entsprechen; zugleich aber sehen wir, dass bei Landwirten kaum ein Interesse besteht, dänische Arbeitslose einzustellen“, sagt der Chef des Arbeitsamtes, Henrik Kærgaard: „Es ist schon traurig, dass in dieser Hinsicht nicht mehr passiert, aber wir geben nicht auf.“

Der Lokale Beschäftigungsrat in Apenrade hat das Projekt mit 195.000 Kronen gefördert, und der Ratsvorsitzende, der zugleich der Bürgermeister der Kommune ist, denkt ebenfalls nicht ans Aufgeben: „Wir untersuchen nun, ob die Form die richtige ist. Vielleicht sollten wir eine dezidierte Rekrutierungskampagne starten und dabei die Landwirte aktiv einbeziehen“, schlägt Bürgermeister Thomas Andresen (Venstre) vor.

Erik Jessen aus Feldstedt ist sein ganzes Leben lang in der Landwirtschaft tätig gewesen. Er hat eine einfache Erklärung dafür, dass dänische Landwirte in zunehmendem Maße ausländischer Arbeitskraft den Vorzug geben: „Die ausländischen Arbeiter sind selten krank, sie stellen keine hohen Ansprüche an die Unterkunft – und sie sind ihrem Arbeitgeber gegenüber ziemlich loyal“, sagt Erik Jessen. Zugleich seien Ausländer billiger, und dieser Umstand spiele natürlich auch eine Rolle, wie er hinzufügt.

Erik Jessen hat gemeinsam mit seiner Frau den Hof in Feldstedt seit 1978 bewirtschaftet. Ungeachtet dessen, dass beide noch nie einen Bedarf weder an dänischer noch ausländischer Arbeitskraft hatten, weiß Erik Jessen, dass vor allem Rumänen als Arbeitskraft sehr gefragt sind: „Drei Landwirte, die ich kenne, beschäftigen Ausländer, und sie sind mit ihnen sehr zufrieden. Auch mein Schwiegersohn hat Ausländer beschäftigt“, wie Jessen sagt.

Dass Landwirte ausländische Arbeitskraft bevorzugen, ist laut Erik Jessen indes nicht nur darauf zurückzuführen, dass Ausländer verlässlich und selten krank sind: „Die Landwirte bekommen schlicht und ergreifend keine Bewerbungen von unseren eigenen Arbeitslosen. Unter Dänen ist es offenbar nicht besonders angesagt, Landwirt zu sein. Arbeiten in der Landwirtschaft sind nicht besonders beliebt“, ergänzt Erik Jessen.

Der Landwirt aus Feldstedt hat von dem Landwirtschaftsprojekt der Kommune Apenrade in Kooperation mit „LandboSyd“ gehört. Dessen Ziel besteht darin, 20 Empfänger von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe in Jobs in der Landwirtschaft unterzubringen. Das ist bislang nicht gelungen, und einmal davon abgesehen, dass der Beruf des Landwirts offenbar nicht im Trend liegt, gibt es Erik Jessen zufolge noch einen weiteren Grund dafür, dass das Vorhaben gescheitert ist: „Vielleicht hat man der Initiative nicht genug Beachtung geschenkt“, vermutet er.

Für Erik Jessen und seine Frau kommt die Einstellung dänischer oder ausländischer Arbeitskraft nicht länger in Betracht. Das Ehepaar ist dabei, einen Gang herunterzuschalten. Jahrelang hatten beide eine Schweineproduktion, jetzt aber gibt es auf ihrem Hof keine Schweine mehr. „Heute haben wir nur noch Pferde, was wiederum dem Umstand geschuldet ist, dass wir fanatische Ringreiter sind. Die Pferde sind mit anderen Worten zu unserem Hobby geworden“, verrät Jessen.

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