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Fischbestände bedroht : Dänische Fischer fordern die Jagd auf Seehunde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Die Tiere vernichten Fischbestände“, sagen Fischer in Dänemark über Seehunde. Warum werden sie nicht schon gejagt? Die Niederlande und Deutschland ziehen nicht mit.

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2013 | 08:20 Uhr

Esbjerg | Die Klagen des dänischen Fischereiverbands über die Vergrößerung der Seehundbestände werden immer lauter. Damit wächst auch die Zahl weiterer Stimmen, die sich eine Jagd auf die niedlichen Tiere vorstellen können.

„Die Seehunde fressen die Fische, die im Netz sitzen“, schildert Svend-Erik Andersen, Vorsitzender des dänischen Fischereiverbands. „Es ist frustrierend, die Hälfte seines Tageslohns verschwinden zu sehen, weil ihn die Seehunde fressen.“ Andersen fordert: „Der Seehundebestand ist mittlerweile so hoch, dass er reguliert werden muss. Das haben wir beim Umweltministerium beantragt. Bis eine Lösung gefunden ist, fordern wir eine Kompensation an die Fischer für ihren reduzierten Fang.“

Umweltministerin Ida Auken hat die Fischer jedoch gebeten, genau zu dokumentieren, wie groß der Umfang des Problems ist. Offenheit gegenüber den Forderungen klingt beim umweltpolitischen Sprecher der größten Partei des bürgerlichen Lagers, der rechtsliberalen Venstre, durch: „Der Seehundbestand hat mittlerweile einen solchen Umfang mit Problemen für Angler und Berufsfischer angenommen, dass wir überlegen müssen, ob es Stellen gibt, an denen wir regulieren müssen“, sagt Henrik Høegh.

Lasse Fast Jensen, Biologe am Fischerei- und Seefahrtsmuseum in Esbjerg, meint: „Will man den Bestand auf dem jetzigen Niveau halten, bedeutet dass, dass man mehrere hundert Seehunde allein im dänischen Teil des Wattenmeeres erschießen müsste.“ Es handele sich zudem nicht um eine geschlossene Population – sondern um einen mit Zu- und Abwanderung von und nach Deutschland und Holland.

Zumindest in der Nordsee wäre eine Seehundjagd wohl nur mit Zustimmung der Nachbarstaaten möglich. Henrik Lykke Sørensen aus der dänischen Naturbehörde meint: „Das zu ändern, würde ein sehr großes Stück Arbeit erfordern. So weit ich weiß, halten die Deutschen und Holländer nichts davon, Seehunde zu erschießen.“ Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck hatte davon scharf Abstand genommen, als im Sommer letzten Jahres aus Dänemark schon einmal der Ruf nach einer Regulierung laut geworden war.

Probleme im Fall einer Jagd zeichnen sich auch für die touristisch so beliebten Seehundsafaris ab. Die Tiere würden flüchten.

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