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Flensburger Katharinen-Hospiz : Da sein, wenn der tote Papa fehlt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zum 25. Geburtstag des Katharinen-Hospiz stellt das Tageblatt am 25. eines Monats einen Ehrenamtler vor – heute: Trauerbegleiter Hauke Gosau

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2017 | 07:38 Uhr

„Ein besonderer Ort, es tut einfach gut, am Meer zu sein“, sagt Hauke Gosau. Der fast jugendlich wirkende Unternehmensberater und Psychologe genießt die Ruhe am Naturstrand von Bockholm. Ein frischer Wind treibt an diesem kühlen Apriltag kleine Wellen plätschernd an den Strand. Graue Wolken und Sonne bescheren ein eindrucksvolles Himmels-Szenario.

Hauke Gosau atmet tief ein. „Ich bin gerne hier, auch mit Peter.“ Peter (Name geändert) ist neun Jahre alt und hat vor einem Jahr seinen Vater verloren. Zu lernen, mit diesem Verlust zu leben, oder ihn für kurze Zeit ganz zu vergessen – das ist das Ziel der wöchentlichen Treffen der beiden. Hauke Gosau ist Trauerbegleiter für den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst des Katharinen-Hospiz am Park.

Anfang 2013 las er in der Zeitung einen Aufruf, dass das Flensburger Hospiz ehrenamtliche Trauerbegleiter sucht. „Ich dachte sofort, was für eine gute Aufgabe“, erinnert sich Hauke Gosau, der in Handewitt lebt und arbeitet. Dort bespricht er dieses Vorhaben mit seiner Frau und seiner damals fünf Jahre alten Tochter. „Es gab volle Rückendeckung, sonst würde das auch nicht funktionieren“, sagt Hauke Gosau, der wenig später in die achtmonatige Ausbildung zum Trauerbegleiter startet, danach sich in den Kinder- und Jugendtrauergruppen des Katharinen-Hospiz engagiert. „Dadurch habe ich die anfängliche Ehrfurcht vor dem Hospiz schnell verloren, denn es ist auch ein Ort der Freude, an dem viel gelacht wird“, betont der Selbstständige.

Seit einem Jahr gibt es nun Peter im Leben von Hauke Gosau. „Das Wichtigste ist, ganz für ihn da zu sein. Ich hole ihn an einem festen Wochentag von der Schule ab. Oft gehen wir dann gleich raus – spazieren, skaten oder auch an den Strand. Hier in Bockholm sind wir letzten Sommer Stand-up-Paddling gefahren“, erzählt der Ehrenamtler. Momente, in denen die Trauer ganz verschwindet. Dann gibt es wieder Gespräche, in denen der Halbwaise Hauke Gosau Gedanken anvertraut, die er seiner Mutter nicht mitteilen kann, durch die der verstorbene Vater wieder ganz unmittelbar ins Leben von Peter rutscht. „Er spricht dann sogar mit seinem Papa. Diese Dialoge entwickeln sich beim Malen oder beim Basteln“, erzählt Hauke Gosau. So wie beim Herstellen einer Schatzkiste, die beide für den verstorbenen Vater gebastelt haben. Zunächst habe Peter dort keine Fotos von seinem Papa hinein legen wollen, doch nach einiger Zeit dann schon. Der Blick von Hauke Gosau wandert wieder übers Meer. „Der Weg hierher hat sich wieder gelohnt“, sagt der Trauerbegleiter.

Natur und Kinder – die Ursprünglichkeit, Authentizität und Verletzlichkeit von beiden bewegen und berühren Hauke Gosau schon seit vielen Jahren. Und sie haben den 1976 in Elmshorn Geborenen schon zu besonderen Aktionen bewegt. So nahm er zwei Hauptschulklassen mit zur Verleihung des Echo-Klassik. Wie kannst du nur? Das fragten damals einige Bekannte. „Es war ein tolles Erlebnis, die Hauptschüler haben sich prima verhalten“, sagt Gosau. Das war noch in seiner Münchner Zeit. Die Liebe, genauer der Job seiner Frau, bringen den Naturfreund vor einiger Zeit zurück in den Norden, nach Handewitt.

Im Bekannten- und Familienkreis haben nicht alle Verständnis für sein ehrenamtliches Engagement. „Nicht nur der Tod, auch die Hospizarbeit ist für viele noch immer ein Tabu-Thema“, sagt Hauke Gosau beim Spaziergang am Strand. 2005 hatte er einen schweren Autounfall, brach sich zwei Lendenwirbel. „Heute geht es mir und meiner Familie so gut, ich möchte einfach ein Stück davon zurück geben“, sagt der Glücksburg-Fan. Viel zurück bekommt er auch von Peter. Nach einem Jahr Trauerbegleitung treffen sich die beiden künftig nur noch alle zwei Wochen, in einem weiteren Jahr vielleicht gar nicht mehr. „Peter ist mir ans Herz gewachsen, aber das wäre ok, ich bin ja kein Ersatz-Vater“, sagt Hauke Gosau. „Das Ziel ist ja, dass er mich als Trauerbegleiter nicht mehr braucht – ich werde aber weiter immer für ihn erreichbar sein.“ 


Kontonummer Katharinen-Hospiz am Park: IBAN DE24 2175 0000 0000 0563 40; Kontonummer Hospiz-Förderverein: IBAN DE912175 0000 0022 0556 07.

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