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Asylheim in Flensburg : Countdown für die Kanzleistraße

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadt will die nicht genutzte Flüchtlingsunterkunft bis Ende Oktober zurückbauen – und sieht auf dem Areal neues Wohnen.

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2017 | 06:08 Uhr

Wiedervorlage – so heißt in der öffentlichen Verwaltung, in der Politik oder bei der Justiz die Strategie, eine Akte vor dem Vergessen zu bewahren. Die Tageblatt-Redaktion holt sich öffentliche Vorgänge „auf Wiedervorlage“, das heißt, sie fragt nach, was aus diesem oder jenem Thema geworden ist. Heute: die nie genutzte Flüchtlingsunterkunft an der Kanzleistraße.

 

Es war im Mai, als die Stadt ankündigte, nicht nur – wie für dieses Jahr ohnehin geplant – die Flüchtlingsunterkunft auf der Exe, sondern auch die ebenfalls mit Steuergeld aufgebauten, schwarzen Wohn-Container neben der Turnhalle Kanzleistraße mit Landesförderung wieder zurückzubauen. Passiert ist an der Kanzleistraße bis gestern nichts, außer dass sechs neue Waschmaschinen und sechs Trockner den nie genutzten Komplex verlassen haben. Immerhin ist diese Woche der Rasen gemäht worden. Blicke ins Innere zeigen ansonsten nur leere Räume. Wer lange genug sucht, findet noch einen Feuerlöscher und eine nagelneue Schneeschaufel.

Sie wird wohl auch nicht mehr gebraucht werden: „Wir haben gekündigt mit Rückgabe des Areals bis 31. Oktober“, sagt Stadtsprecherin Asta Simon. Bis dahin sollen alle Containerelemente wieder abgebaut sein: „In Zukunft ist eine Wohnnutzung angedacht“, sagt sie weiter, ob es am Ende studentisches Wohnen werde oder eine andere Form sei in den Überlegungen noch nicht abgeschlossen.

Damit endet eine 20-monatige Geschichte. Sie begann auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Herbst 2015, als kaum mehr Flüchtlingscontainer zu bekommen waren, die Stadt Flensburg dank guter Kontakte aber jenseits der deutsch-dänischen Grenze noch fündig wurde. Doch offenbar machten vor allem unterschiedliche Brandschutznormen beiderseits der Grenze das Asylheim Kanzleistraße zur unendlichen Geschichte. Nach Tageblatt-Informationen summierten sich die Kosten im ersten Jahr 2016 allein für die – warum auch immer notwendige – Rund-um-die-Uhr-Bewachung des leeren Komplexes auf 160  000 Euro und für die Miete der Containerelemente an den dänischen Vertragspartner auf 560  000 Euro. Das machte – ganz ohne Energiekosten – für 2016 fast schon eine Dreiviertelmillion Euro. Danach ist offenbar kein Geld mehr geflossen, die Stadt und der nordische Containerlieferant sind immer noch im Gespräch, hieß es gestern. Von Konflikt will die Stadtpressestelle heute nicht mehr reden.

Warum die ursprünglich für fünf bis sechs Jahre als Asylheim mit 140 Plätzen geplanten Container nicht umnutzbar sind? Die Unterkunft sei mit sehr großen Räumen für jeweils bis zu zwölf Personen geplant gewesen – und deshalb nicht ohne Weiteres anders zu nutzen. Die Umbauten wären wohl zu teuer geworden, hieß es wiederholt im Rathaus. Und: Auch für rein studentisches Wohnen im Komplex hätte die Stadt Planungsrecht schaffen müssen.

 

 

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