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Auf der Exe in Flensburg : Containerdorf für Flüchtlinge: Leben in Modulen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In der Flüchtlingsunterkunft auf der Flensburger Exe wohnen inzwischen 160 Menschen unterschiedlichster Nationalitäten.

shz.de von
erstellt am 14.Dez.2015 | 18:46 Uhr

Flensburg | Der blaue Container, in dem Samer Mahmoud mit seiner Frau Amani, drei Kindern, seiner Mutter und zwei Brüdern (16 und 20) lebt, hat die Hausnummer 5A. Die Adresse: Zur Exe 20. Falls mal Post kommt – oder nette Gäste. Mahmoud weiß nicht, dass tatsächlich hoher Besuch im Anmarsch ist.

Die meisten Städte waren auf die vielen Flüchtlinge nicht vorbereitet und Lücken im sozialen Wohnungsbau. So musste bei den Unterbringungsmöglichkeiten improvisiert werden und Zwischenlösungen wurden notwendig. Das Containerdorf auf der Exe ist auf zwei Jahre angelegt.

Die Landtagsabgeordnete Simone Lange naht, sie stapft durch den Matsch zwischen den bunten Containern, Vertreter der Stadt im Schlepptau. Als es an der Tür klopft, öffnet der 37-jährige Familienvater. Nur wenig später bittet er die Delegation herein: „You’re welcome!“ Die Politikerin möchte sich ein Bild vom Leben in den Modulen machen – so der offizielle Sprachgebrauch für die Wohneinheiten. „Ich kann erst einordnen, was ich auch gesehen habe.“ Mahmoud hat nichts dagegen.

Im Flur ist es eng, im anliegenden Bad ebenso. Doch Platz für eine Waschmaschine ist vorhanden. Linker Hand die Küche, besser: „Wohnküche“, gut gewärmt. Zwölf Quadratmeter, großer Esstisch, Kühlschrank in Mannshöhe, darauf ein Flachbildfernseher. Die beiden Schlafräume an den Flügeln messen keine zehn Quadratmeter, darin jeweils zwei Doppelstockbetten. „Ein Modul ist für maximal acht Personen ausgerichtet“, erläutert Uta Weinerdt-Höfer, Leiterin des neu geschaffenen Fachbereichs Einwohnerservice und Willkommenskultur.

Acht Container, die vier Module umfassen, sind aktuell abgenommen – 13 sollen es insgesamt werden: Raum für 400 Geflohene. Bei der Zuteilung ist Fingerspitzengefühl gefragt. Religion, Nationalität und Personenstand spielen dabei eine Rolle. „Grundsätzlich legen wir keine Familien mit Alleinreisenden zusammen“, sagt Karen Heiss von der Einwanderungsbehörde. Allerdings könne man auch nicht jeden Wunsch erfüllen. Familienmitglieder kommen teilweise sukzessive an, manchmal sind es drei Generationen, die am liebsten unter einem Dach wohnen würden. „Das“, sagt Karen Heiss, „können wir leider nicht bieten.“

Darüber hinaus sei die Religion der Asylsuchenden nicht immer bekannt, ergänzt Uta Weinerdt-Höfer, „selbst unter Syrern gibt es unterschiedliche Glaubensrichtungen“. Bei 320 Ankömmlingen pro Monat und neun abzudeckenden Sprachen sei ein ausgeklügeltes Fallmanagement nötig.

Samer Mahmoud kam aus der Nähe von Damaskus an die Förde. Er erzählt, er wohne unter den gegebenen Umständen gern hier, der Kontakt untereinander sei unproblematisch und er möchte gern in Flensburg bleiben. Vielleicht in seinem Beruf als Kfz-Mechaniker arbeiten. Betreuer Jalal El-Abid bestätigt, dass das Zusammenleben auf der Exe friedlich vonstatten gehe. Er selbst ist vor 25 Jahren aus dem Libanon nach Deutschland gekommen, spricht vier Sprachen fließend. Jetzt ist er der Mann für alle Fälle, arbeitet eng mit dem Wachdienst zusammen, der auch für die persönlichen Nöte und Sorgen der Bewohner zuständig ist. Derzeit liegt der Betreuungsschlüssel bei 1:100, angestrebt werde 1:60, sagt Uta Weinerdt-Höfer – wohl wissend, dass dieses Ziel fast utopisch anmutet.

Trocken, warm und was zu Essen – das hat Priorität bei der Unterbringung. Doch die Herausforderungen sind vielfältiger. So muss es Angebote für Kinder geben, die im Gemeinschaftshaus lediglich eine Spielecke haben. Die Stadt kündigt eine ehrenamtliche Betreuung an, die von zwei Kräften geleistet werden soll. Auf der anderen Seite gibt es Pflegebedürftige, Kranke – auch für deren Versorgung müssen Konzepte entwickelt werden.

Simone Lange ließ sich von der Wohnqualität überzeugen, von der geplanten Größenordnung indes nicht. „So wie es jetzt ist, kann es bleiben“, sagt sie. „Das Doppelte an Menschen sei hier wie auch an anderen Standorten nicht verträglich.“ Als Abgeordnete wolle sie nach Kiel tragen, dass den Kommunen ermöglicht werden müsse, optimale Bedingungen für Flüchtlinge zu schaffen. „Integration ist eine Sofortmaßnahme“, sagt sie, „und das fängt mit dem Wohnen an.“

 

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