Geheimsymbole in Flensburg : Comeback der Gaunerzinken

Tatort Vogelsanger Straße – Ein Kreuz bedeutet: Hier gibt es was zu holen...
1 von 2
Tatort Vogelsanger Straße – Ein Kreuz bedeutet: Hier gibt es was zu holen...

Striche am Gartenzaun, Kreise an Hauswänden: Gaunerzinken sind eine Geheimsprache für Einbrecher. In Flensburg wurden die Zeichen wieder entdeckt.

shz.de von
20. Dezember 2014, 07:50 Uhr

Sie weisen zuverlässig den Weg. Jedoch sind die Personen, die sich an so genannten Gaunerzinken orientieren, bei Hauseigentümern unerwünscht – wenn nicht gar gefürchtet. Denn es handelt sich um Einbrecher, Diebe oder Trickbetrüger, die überwiegend in organisierten Banden operieren.

Das Prinzip ist so einfach wie effektiv. In unmittelbaren Nähe zuvor ausgekundschafteter Tatorte werden die Gaunerzinken in einem unbeobachteten Moment angebracht. Es handelt sich dabei um einen Geheimcode, mit dem Kriminelle nachfolgenden Komplizen Hinweise auf prädestinierte Opfer geben – oder aber von einem Besuch abraten. An Gartenzäunen, Briefkästen, Hauswänden oder am Klingelknopf werden mit Bleistift, Kohle oder Kreide Symbole wie Kreise, Kreuze, Gitter, Striche oder Rechtecke angebracht. Auf diese Weise wird etwa kommuniziert, wie man am besten ins Haus gelangt, ob es sich um ältere oder alleinstehende Bewohner handelt oder ob man mit einem Haustier, wie etwa einem bissigen Hund (gezackte Linie) rechnen muss.

Die Täter ziehen von Stadt zu Stadt. Bereits vor einem Jahr kam es im Raum Flensburg immer wieder zu Wohnungseinbrüchen nach Ausspäh-Besuchen. Die früh einbrechende Dunkelheit begünstigt das Vorhaben. Nicht anders ist es in diesem Jahr. Bewohner der Vogelsanger Straße (Engelsby) entdeckten jüngst die zunächst unauffällig scheinenden Gaunerzinken an ihren Hauswänden – und alarmierten stante pede die Polizei.

„Wir erhoffen uns vermehrte Streifenfahrten der Beamten“, sagt eine Hausbesitzerin. „Wir wollen unsere Kinder und unser Eigentum schützen!“ Der Kripo werden Gaunerzinken in unregelmäßigen Abständen gemeldet. „Sie sind aber bislang in keinem Fall mit einer konkreten Tat in Zusammenhang zu bringen gewesen“, sagt Polizeisprecher Matthias Glamann. Gleichwohl müsse man für das Thema verstärkt sensibilisieren. „Das hat einen hohen aufklärenden und und damit potenzielle Täter abschreckenden Effekt.“ Wachsame Nachbarn, gegenseitige Achtsamkeit und Aufmerksamkeit seien ein optimaler Schutz vor Langfingern.

Es wird empfohlen, die Zeichen zu dokumentieren und anschließend umgehend zu entfernen. Sollten sich darüber hinaus in diesem Zusammenhang weitere relevante Hinweise, beispielsweise die Beobachtung verdächtiger Personen oder Fahrzeuge ergeben, ist es dringend erforderlich, dass der Polizeinotruf 110 alarmiert wird.



zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen