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SHMF in Flensburg und Husum : Clowns-Gebläse auf höchstem Niveau

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mnozil Brass reißt mit seinem neuen Programm „Cirque“ bei fulminanten Gastspielen in Husum und Flensburg das Publikum von den Sitzen

shz.de von
erstellt am 13.Jul.2017 | 15:37 Uhr

Was für eine durchgeknallte Truppe! Schon das „Bühnenbild“ spricht Bände: Umgekippte Stühle, ein Barhocker und allerlei Blasinstrumente auf dem Boden lassen erahnen, dass hier keine gewohnte Kost serviert werden soll. Und als ein barhäuptiger Mann in lila Latzhose sowie mit überdimensionierter Fliege erscheint, Blütenblätter einer roten Rose herausrupft und gedankenverloren verstreut, wähnt man sich unversehens im Zirkus.

Weitere „Clowns“ entern die Bühne, bunt gewandet, dazu ein verschmitzter Zauberer mit schwarzem Zylinder. Nicht umsonst hat „Mnozil Brass“ sein neues Programm, das jetzt in Flensburg und Husum zelebriert wurde, unter das Motto „Cirque“ gestellt. Das schrille Septett um den begnadeten Trompeter Thomas Gansch stammt bis auf den ungarischen Posaunisten Zoltan Kiss aus Österreich und sorgt schon seit 25 Jahren für Furore. Die Herren sind äußerst reiselustig und geben im Schnitt jeden dritten Tag ein Konzert auf internationalem Parkett.

Auch hoch im Norden reißt es das Publikum nach verhaltenem Beginn zu Beifallsstürmen hin. Den Zuhörern fliegt nicht nur ein heftiges Gebläse aus feinstem Blech um die Ohren, auch die Lachmuskeln werden strapaziert. Denn die Musiker beweisen komödiantisches Geschick, wenn sie die einzelnen Stücke in eine clowneske Choreografie einbetten. Die Gags bewegen sich manchmal hart an der Grenze zum Klamauk. Doch was soll’s.

Da wuseln plötzlich Kellner und Köche durch die „Manege“, eine Trompete mutiert zur Weinflasche, die gekonnt entkorkt wird. Und der Barhocker? Ist schlagartig ein widerspenstiges Grammofon, das sich nach hartem Kampf mit hakender Nadel als ideal zum „scratching“ erweist. Trompeter Roman Rindberger knöpft unter dem Gejohle der (weiblichen) Gäste aufreizend seine Jacke auf und fönt sich genussvoll Brust- und Achselhaare. Besonders Leonhard Paul – „ein echter Professor“ – ist pantomimisch unschlagbar. Und als er die Instrumente seiner Kollegen mit Füßen und Händen gleichzeitig bedient, gibt es kein Halten mehr.

Die Gruppe mäandert durch die Musikgeschichte, spielt auf allerhöchstem Niveau. Versatzstücke aus Schlager, Jazz, Pop, Musical und Oper gehen in atemberaubender Geschwindigkeit ineinander über und werden gegen den Strich gebürstet. Rasante Tempowechsel, Stilbrüche, „Star Wars“ im Bigband-Gewand. „Puttin On The Ritz“ wird frech mit einem Balkan-Beat unterlegt, Mr. Sandman zum Rap, dann wieder swingt die Band wie ein großes Orchester oder singt zur Abwechslung mal a cappella.

Diese unbändige Spielfreude goutiert das Publikum. Es erliegt der Erkenntnis, dass der Mensch, wie Mnozil Brass weiß, „zum Frohsinn neigt und es einfach aus ihm herausplatzen muss“. Ja, diesen „Cirque de Mnozil“ muss man einfach erlebt haben!

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