Erneuerbare Energien in Flensburg : Claudia Kemfert wirbt in Flensburg für die Energiewende

Claudia Kemfert in Mürwik.
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Claudia Kemfert in Mürwik.

Renommierte Wissenschaftlerin vom Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung sprach in der Oase Mürwik.

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13. Juni 2018, 07:15 Uhr

Der große Saal der Oase Mürwik ist in einem grünen Farbton beleuchtet. Grün wie die Natur. Diejenigen, die an diesem Abend auf Einladung des Flensburger Vereins EES (Erneuerbare Energien und Speicher) gekommen sind, hoffen, dass die Natur durch einen Wechsel von Kohle zu den Erneuerbaren erhalten werden kann. Für Claudia Kemfert leuchtet das Licht auf der Ampel der Energiewende allerdings nicht grün. Vielmehr rot – rot für Stillstand. Diese Auffassung vertritt die renommierte Energie-Expertin Kemfert bei ihrem Vortrag in Mürwik. Die Wirtschaftswissenschaftlerin leitet in Berlin die Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Kemfert ist an die Förde gekommen, um die EES-Leute zu unterstützen, die Flensburg mit dem Wind von der Westküste zur Energiehauptstadt machen wollen: Bis 2050 möchte Flensburg CO2-neutral werden.

Ein hochgestecktes Ziel, noch in weiter Ferne. Kemferts Vortrag zeigte jedoch, dass dies nicht unerreichbar ist – sofern sich etwas ändert. Im Vortrag wie in ihrem aktuellen Buch „Das fossile Imperium schlägt zurück“ spricht sie den mächtigen Gegner der Energiewende an: Die Politik. Sie fängt beim „Earth Overshoot Day“ an – dem Tag, an dem die Menschheit die Ressourcen der Erde für dieses Jahr soweit aufgebraucht hat, dass der Planet diese nicht wieder reproduzieren kann. Kemfert erklärt: „In diesem Jahr fällt der Overshoot Day auf den zweiten August – in Deutschland war er bereits am 2. Mai.“

Mitverantwortlich dabei die ausbleibende Energiewende: 2017 machte bei der Stromerzeugung der Anteil erneuerbare Energien 30 Prozent aus – mehr als 40 Prozent gehörten weiterhin den Kohlekraftwerken.

„Wenn die Politiker die Energiewende nicht voranbringen, müssen die Bürger eintreten“, so Kemfert. Gesagt, getan: Jess Jessen hat im nordfriesischen Galmsbüll einen Bürgerwindpark mitbegründet und spricht von einem vollen Erfolg: „Viele Bürger haben mitgemacht und können nun ihren Strom aus sauberen Quellen beziehen.“ Bei der Podiumsdiskussion wird klar, dass bei der Stromerzeugung Dänemark als Vorbild taugt: Alleine die Windanlagen deckten 2017 dort 43 Prozent des Strombedarfs.

Im Laufe der Diskussion taucht immer wieder die Frageauf, warum die Politik die Energiewende nicht fördere. Ein Beispiel aus Flensburg: Noch 2018 ist eine Wasserstofftankstelle geplant. „Und wer zahlt das?“, fragt Hans Christoph Mahnke empört, „natürlich wir Bürger! Es gibt keinen Zuschuss aus Berlin.“

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