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Ehrenamtliche Helfer : Chips und Wasser sind der absolute Renner

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Serie: Die Helfer vom Bahnhof: Oft haben die Flüchtlinge seit Tagen nichts gegessen und getrunken.

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2015 | 11:00 Uhr

Flensburg | Wenn Franziska Andresen um 12.30 Uhr zu ihrer Arbeit als Krankenschwester in der ambulanten Pflege aufbricht, hat sie schon seit über sechs Stunden Essen am Bahnhof verteilt. Sie ist seit Mittwoch im Einsatz, nimmt Essen an, verteilt es, kümmert sich um Nachschub und arbeitet neue Helfer ein.

Bis Mittwoch hatte sie nur in den Medien von dem Flüchtlingsdrama gehört, alles schien so weit weg zu sein. Doch dann kamen die ersten Züge voller Flüchtlinge in Flensburg an. Franzi hörte auf dem Heimweg von der Arbeit im Radio davon. Sie besorgte kurzerhand Essen und Windeln und fuhr zum Bahnhof, um mitanzupacken. „Ich kann mich doch nicht einfach in mein warmes Bett legen, wenn ich weiß, da sind Frauen, Männer, Kinder, die frieren, Hunger und Durst haben, die Nacht vielleicht auf der Straße verbringen müssen“, erzählt sie. Die Windeln hat sie einer Mutter gegeben, die ihr Kind direkt auf dem kalten Steinboden gewickelt hat. „Sie war so dankbar“, sagt Franzi.

Die ehrenamtliche Arbeit bereitet ihr große Freude und erfüllt sie. Die Helfer am Bahnhof seien zu einer Familie zusammengewachsen. Kein Wunder, denn täglich stehen die Frauen von 6 Uhr morgens bis 3 Uhr früh hinter der Essens- und Hygieneausgabe, um die ankommenden Flüchtlinge zu versorgen. Oft gibt es sogar zu viele Helferinnen, die hinter die Theke wollen. Mehr als neun sollten hier aber nicht stehen, sagt Franzi, „sonst wird es zu chaotisch.“

Als erstes greifen die Flüchtlinge zum Trinken. Mit Essen sind sie sehr sparsam. Die Helfer müssen sie geradezu aufmuntern, zuzugreifen, sich mehr als ein Brötchen zu nehmen. „Heute Morgen war ein Mann da, der nur eine Tomate wollte, obwohl er seit fünf Tagen nichts gegessen hatte“, erzählt Franzi. Sie reicht den Geflohenen Carepakete, gefüllt mit einem Getränk, Obst und etwas Süßem, abends noch ein Brötchen.

Überhaupt gibt es an der Essensauslage im Bahnhof jede Menge Auswahl. Tomaten, Oliven, Fetakäse, Paprika und Karotten, viel Obst und was zum Naschen. Osterhasen lagern in großen Kisten hinter der Theke. Um die 500 Brötchen schmieren die Frauen pro Tag, und dann gibt es noch Wraps, salzige Backwaren und Chips. Die sind besonders beliebt und in Windeseile verputzt. Hinter der Essenstheke arbeiten die Helfer mit Handschuhen, regelmäßig desinfizieren sie alles.

Frischer Kaffee tropft in eine große orangene Tupperkanne, ein paar Männer bauen Regale auf. Seit Montagabend müssen die Helfer am Bahnhof die Brandschutzbestimmungen umsetzen.

Anfang Oktober hat Franzi zwei Wochen Urlaub. Da will sie dann den ganzen Tag am Bahnhof helfen. Solange wird sie weiterhin morgens vor der Arbeit zum Bahnhof kommen und nach der Arbeit gleich wieder dorthin zurück. Bis nach Mitternacht hilft sie dann mit. In diesen Tagen bekommen alle hier sehr wenig Schlaf.

 

 

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