zur Navigation springen

Verkehrsplanung in Flensburg : Chaos auf der Hafenpromenade

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Unübersichtliche Lage zwischen den Restaurants Heimathafen und Backbord sorgt für Reibereien zwischen Fußgängern und Radfahrern

Der Mann auf zwei Rädern hat es eilig. Das ist ganz offensichtlich. Er heizt mit seinem Mountainbike über den Schotter an der Hafenspitze, wirbelt mächtig Staub auf und fädelt mit unverminderter Geschwindigkeit in den Verkehr auf der Promenade ein. Und der ist rege an diesem sonnig-milden Frühlingstag.

In Höhe des Beach-Clubs wird es eng: Andere Fahrradfahrer nähern sich aus der Gegenrichtung, zwei Skater lavieren sich zwischen Fußgängern hindurch, dazwischen lebhafte Hunde und spielende Kinder. Binnen zehn Minuten gesellen sich noch zwei Motorräder und ein VW Golf hinzu, ein Lkw liefert Ware an die Gastronomie. Es ist früher Nachmittag am Hafen – und das Chaos nicht weit.

Rücksichtslos klingelt der Mountainbike-Fahrer die Passanten beiseite – und er fühlt sich im Recht. Denn die Hafenpromenade suggeriert durch zwei verschiedenen Pflasterungen, dass hier auf der einen Seite eine Fahrradspur, parallel dazu um einen Fußgängerbereich eingerichtet worden sei. „Dem ist nicht so“, stellt Stadtsprecherin Asta Simon klar. Es handele sich vielmehr um eine Fußgängerzone, in der Radfahrer zugelassen sind. Das werde durch eine entsprechende Beschilderung auch signalisiert. „Die Rechtslage in diesem Bereich ist eindeutig“, sagt Asta Simon und spricht von einer „übersichtlichen Regelung“.

Übersichtlich? Da muss Marius Steffens, Betriebsleiter des Restaurants Heimathafen, vehement widersprechen. „Wir haben täglich Probleme“, sagt er. „Es rasen nicht nur Jugendliche, sondern auch professionelle Radsportler hier vorbei.“ Als Kellner also lebt man gefährlich. Zwar ist der Eingang zum Biergarten hin verlegt worden, doch um die Gäste auf der Seeterrasse zu bewirten, muss man die Rennpiste überqueren. „Weder rechnen die Kellner mit den Fahrradfahrern, noch rechnen die Fahrradfahrer mit den Kellnern“, ergänzt Hauke Schwarze, Mitarbeiter des Beach-Clubs. Er habe bereits schwerwiegende Unfälle miterleben müssen. Beide Gastronomen plädieren für eine Beschilderung, die darauf hinweist, dass Radfahrer in Schrittgeschwindigkeit fahren sollen. Die Verkehrsbehörde hat auf Anfrage angekündigt, Schilder kurzfristig an mehreren Punkten zusätzlich zu installieren, damit die rechtliche Situation auf Anhieb erkennbar ist. „Radfahrer haben Rücksicht zu nehmen“, betont Asta Simon, „zur Not müssen sie auch mal absteigen.“

Sinnvoll wäre es sicher auch, die zwar verblassten, aber immer noch bestehenden Radsymbole auf der Promenade zu entfernen: Laut Asta Simon sollen sie den Radfahrern „Orientierung geben“. Für den passionierten Radler Michael Deye dagegen, der die Strecke täglich befährt, ist diese Markierung eine Ermunterung, den rot gepflasterten Bereich als Exklusiv-Zone für Radfahrer zu betrachten. Das geht anderen ebenso. Deye berichtet, unlängst wegen der unklaren Gemengelage in einen heftigen Streit mit einem „älteren Mann in Kochmontur“ geraten zu sein. Er sei nun ziemlich verwirrt. „Etwas weiter in Richtung Harniskai ist ja auch noch der beidseitige Fahrstreifen mit weißen Pfeilen für die Radfahrer zu sehen.“

Er meint damit die Strecke ab Restaurant „Backbord“, das rückseitig umfahren werden kann. Doch selbst hier kommt es zu kritischen Situationen. „Die Kurve, in der sich die Radfahrer begegnen, ist nicht gut einsehbar“, sagt Mitarbeiterin Astrid Peters. Sie seien oft sehr rasant unterwegs. „Da kann schnell mal ein kleines Kind über den Haufen gefahren werden.“

Immer schon hat es Überlegungen gegeben, Radfahrer ganz aus diesem sensiblen Terrain herauszuhalten. Ein separat geführter Radweg könnte bereits hinter dem Spielplatz beginnen und am Heimathafen entlang bis zum „Klarschiff“ verlaufen. Die Stadt prüft auch, ob man den stillgelegten Bahndamm als Trasse nutzen könne. „Natürlich ist eine grundsätzliche Entschärfung angestrebt“, sagt Asta Simon. Aber man wolle künftige Maßnahmen in die Sanierungspaket Hafen-Ost einbinden. „Dieser Bereich soll komplett entwickelt und umgestaltet werden.“ Auch wolle man die Ergebnisse des Bahngutachtens mit einbeziehen.

Das klingt nicht unbedingt nach einer zeitnahen Lösung. Zum Leidwesen von Marius Steffens, für den die Bahndamm-Variante ideal wäre. „Wir wollen ja keinen Krieg mit den Radfahrern anzetteln“, sagt er, „aber ich mag gar nicht daran denken, wenn hier die Hochsaison eingeläutet wird.“ Umfrage nächste Seite

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 07.Apr.2016 | 08:03 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen