Eckenerhaus : CDU-Vorstoß für Flensburg-Museum

Zukunft als Haus der Geschichte? Das Eckenerhaus in der Norderstraße.
Zukunft als Haus der Geschichte? Das Eckenerhaus in der Norderstraße.

Gabriele Stappert: Die Präsentation der jüngeren Stadtgeschichte ist lückenhaft. Das Eckenerhaus als Standort im Gespräch.

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15. Mai 2015, 08:00 Uhr

Flensburg | Die CDU-Ratsfraktion will am 21. Mai im Kulturausschuss den ersten Schritt zu einem Haus der Flensburger Geschichte gehen. Die Verwaltung soll beauftragt werden, ein Konzept zur Aufarbeitung der jüngeren Flensburger Stadt- und Grenzgeschichte mit modernen musealen Darstellungsmethoden zu erarbeiten und Vorschläge für die Unterbringung in bestehenden Museen wie anderen Objekten wie z.B. dem Eckenerhaus unterbreiten.

Gabriele Stappert, Ausschussvorsitzende und kulturpolitische Sprecherin der CDU- Ratsfraktion, bezeichnete eine solche Einrichtung für die Darstellung der letzten 150 Jahre als wichtiges kultur- wie bildungspolitisches Anliegen. „Wir wünschen uns eine neue Ausstellung, die modernen Ansprüchen der Museumspädagogik genügt, um das Vermittlungsziel zu erreichen und darüber hinaus auch für Besucher unserer Stadt attraktiv ist. Dabei gilt es sowohl viele kleine Geschichten aus der großen Bandbreite der Flensburger Milieus als auch größere Kapitel wie die Rolle der Fördestadt als letzte Reichshauptstadt oder den Wandel von der Grenzstadt zur Metropole der deutsch-dänischen Region aufzuarbeiten“, heißt es in ihrem Antrag.In wie weit die Begeisterung trägt, bleibt in finanziell mageren Zeiten allerdings abzuwarten.

Für die Christdemokratin war die Initialzündung offenbar vom Vortrag des Stadtarchivars Dr. Broder Schwensen vor der Ratsversammlung zum 70. Jahrestag der deutschen Kapitulation ausgegangen. Stappert interpretierte Schwensens Beitrag als indirekte Aufforderung, einer Darstellung der jüngeren Stadtgeschichte einen passenden Rahmen zu verleihen.

Auch wenn Schwensen sich auf Nachfrage deutlich von einer solchen Interpretation seines Vortrags distanziert: Für Stappert lieferte der mit großem Beifall bedachte Beitrag des Historikers über die dramatische Zeit von Kriegsende und Friedensbeginn den Anlass für diesen jüngsten Antrag. „Wir wollen überfraktionell für eine Mehrheit werben, um endlich einen Ort für die Auseinandersetzung der jüngeren Flensburger Geschichte zu schaffen“, so die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Ratsfraktion. Die jüngere Geschichte der letzten 150 Jahre finde keine Abbildung, obwohl sie die heutige Situation der Stadt und ihrer Menschen, in besonderem Maße beeinflusse.

Das findet auch draußen in der Stadt Widerhall. Knut Franck war bis 2002 als Planungspolitiker und Fraktionsvorsitzender für die SPD in der Ratsversammlung. Heute führt er regelmäßig die Touristen durch seine Stadt und ist beim Versuch, ihre Geschichte darzustellen, stets auf Stückwerk angewiesen. „Flensburgs Geschichte muss man sich zusammenklauben“, sagt er.

„Sie ist vertrödelt und versteckt. Es gibt keine stadtgeschichtliche Darstellung mit Kontinuität. Als Gästeführer finde ich das ziemlich traurig. Wir haben sehr, sehr viel zu bieten – aber Flensburgs Schön- und Besonderheiten werden versteckt.“

Und es ist ja nicht so, dass sich über Flensburg nichts erzählen ließe. Allein die kurze Zeit als Reichshauptstadt, die Zeit als Flensburg Fluchtpunkt zig-Tausender war. Zig-Tausende, die vor der roten Armee geflüchtet waren, einige wenige, die hier ihre verbrecherische NS-Vergangenheit in eine halbwegs anständige tauschen wollten, wie der der Auschwitz-Komandant Rudolf Höß, der im Landkreis als landwirtschaftlicher Helfer Franz Lang untertauchte.

Bleibt die in Flensburgs stets tödliche Fragestellung: Wer soll das bezahlen? Übermäßige Wertschätzung genießen Museen im klammen Rathaus nicht. wertschätzung. Als Beitrag zur Konsolidierung der maroden städtischen Finanzen rückt Stadtkämmerer Henning Brüggemann beispielsweise gern das Naturkundliche Heimatmuseum auf die Abschussliste. Fachleute beziffern den Quadratmeterpreis einer modernen Ausstellung mit rund 2000 Euro. Unter 500.000 Euro sei so etwas schon in den bestehenden städtischen Häusern nicht zu haben. Im verwinkelten Eckenerhaus dürfte dieser Betrag nochmals kräftig ansteigen. Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf verweist auf den Ausschuss kommende Woche. Die Frage muss allein dort diskutiert werden – und natürlich im Finanzausschuss.

In den letzten 20 Jahren flackerte der Ruf nach einem Stadt-Museum immer dann auf, wenn es ans runde Weltkriegsgedenken ging. 2005 war so ein Jahr und 1995 auch, erinnert sich Franck. Die Idee sei vom damaligen Stadtpräsidenten Peter Rautenberg verfolgt worden. „Das wurde dann alles nichts“, sagt Knut Franck. „Es fehlte einfach an Geld.“

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