CDU sucht einen neuen Chef

Steigt mit einem Lächeln aus der Politik aus: der CDU-Landesvorsitzende Jost de Jager.  Foto: marcus dewanger
Steigt mit einem Lächeln aus der Politik aus: der CDU-Landesvorsitzende Jost de Jager. Foto: marcus dewanger

Jost de Jager zieht sich ganz aus der Politik zurück / Noch kein Nachfolger in Sicht

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09. Januar 2013, 06:54 Uhr

Kiel | Schleswig-Holsteins CDU in schwerer See. Parteichef Jost de Jager (47) geht von Bord und steigt komplett aus der Politik aus. Er zieht damit die Konsequenzen aus einer Serie politischer Niederlagen. Ein "geborener" Nachfolger ist vier Monate vor der Kommunalwahl im Norden nicht in Sicht. Abgeordnete der Landtagsfraktion reagierten geschockt auf die Nachricht vom Rücktritt. Parteivize Ingbert Liebing sprach von einem schweren Schlag für die Nord-CDU.

Bis zur Wahl eines neuen Vorsitzenden am 16. März soll der dienstälteste Parteivize Reimer Böge (61) die Union kommissarisch führen. Der Europaabgeordnete wird von einflussreichen Parteifreunden auch als möglicher Vorsitzende ins Gespräch gebracht. "Natürlich wäre Reimer Böge hoch geeignet - keiner in der Landespartei hat eine so breite Vertrauensbasis wie er", sagte der Chef der CDU-Landesgruppe im Bundestag, Ole Schröder. Böge selbst schloss eine Kandidatur aus. Seine Aufgabe sei es, die Personalfindung "zu moderieren und mit dem Vorstand zu einem guten Ergebnis zu führen".

De Jager begründete seinen Rücktritt mit politischen und persönlichen Motiven nach einem für ihn und die Landespartei schwierigen Jahr. Bei der Landtagswahl im Mai hatte die CDU die Regierungsmacht verloren, de Jager war bei der Mandatsvergabe leer ausgegangen. Mit einem Ergebnis von nur 79 Prozent war er im November als Landeschef bestätigt worden.

Ein starkes Signal für ihn als Vorsitzenden sei damit ausgeblieben, erklärte de Jager. Es sei ihm nicht immer leicht gemacht worden, seine Verantwortung für die CDU wahrzunehmen. Ähnlich äußerte sich Landesgruppenchef Schröder, der den Umgang von Teilen der Landespartei mit Spitzenkräften kritisierte: "Wir bringen Personen, die Verantwortung übernehmen, zu wenig Vertrauen entgegen".

Seine Entscheidung hatte de Jager auch Parteichefin Angela Merkel mitgeteilt. Die Summe der Ereignisse des vergangenen Jahres hätten zu seiner Entscheidung geführt. Er habe den Eindruck gewonnen, dass Merkel Verständnis für seine Motive habe.

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