zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 23:24 Uhr

CDU droht die Zerreißprobe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Votum mit SPD und Grünen für Simone Lange als OB-Kandidatin spaltet die Partei / Vorschlag: Lange soll SPD-Zugehörigkeit ruhen lassen

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2015 | 10:09 Uhr

Zwei Dinge sind seit Donnerstagabend klar. Erstens: Die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Lange hat nach dem Beschluss von CDU, SPD und Grünen für eine gemeinsame Kandidatin zur Oberbürgermeister-Wahl eine starke Basis. Zweitens: Für die CDU wird die Zeit bis zur Wahl im nächsten Herbst eine Zerreißprobe. Denn auch wenn die Partei- und Fraktionsgranden Arne Rüstemeier (Parteivorsitzender) und Frank Markus Döring (Fraktionschef) aus dem engen Votum mit 20 Pro- zu 16 Gegenstimmen und fünf Enthaltungen für ihren Kurs ein markiges „Vorwärts, Flensburg!“ ableiten, ist das größere Lager immer noch das Lager der Skeptiker. Und die marschieren womöglich nicht alle mit.

Susanne Herold, Parteivorsitzende über lange Jahre, prophezeit ihrer Partei dauerhaft Unruhe an der Basis. „Die CDU hat sich mit dieser Entscheidung weit unter Wert verkauft“, sagt Herold. Sie kritisiert, dass ihre Partei bei nur zwei Kommissionstreffen nie ernsthaft den Versuch unternommen habe, einen eigenen Kandidaten zu finden. „Stattdessen vollziehen wir einen Linksschwenk zu einer Person, die ich für fachlich ungeeignet halte“, sagt Herold. „Frau Lange hat keine Erfahrung als Führungskraft und auch kaum Verwaltungserfahrung.“ Auf diesem Niveau hätte die Partei mit Leichtigkeit eine eigene, bessere, bürgerliche Kandidatin präsentieren können, so Herold weiter. Die Landtagsabgeordnete Petra Nicolaisen beispielsweise mit ihrer großen Erfahrung als Bürgermeisterin in der Gemeinde Wanderup.

Karl-Hermann Jensen gehört ebenfalls ins Lager der Skeptiker. Der langjährige Leiter des städtischen Tiefbauamtes versuchte noch per Antrag, einen weiteren Anlauf der Findungskommission zu erzwingen, scheiterte aber. „Ich halte das Votum für Frau Lange für keine gute Entscheidung. Wir beschädigen uns nur selbst“, sagt er. „Bei diesem Vorschlag stand der Gedanke ’Faber muss weg’ im Vordergrund. Das war ein Fehler! Im Vordergrund hätte die Entschlossenheit stehen müssen, einen fähigen eigenen Kandidaten zur Wahl zu stellen.“ Jensen fürchtet, dass diese Entscheidung dem SSW-Mann Simon Faber eher helfen wird.

Eine große Motivation für CDU-Wähler, ihr Kreuzchen nächstes Jahr bei der linken SPD-Kandidatin zu machen, erwartet er jedenfalls nicht. Die Situation drohe, die Partei zu spalten. „Viele werden zu Hause bleiben.“ Als Indiz führt er das geringe Interesse am Parteitag an. Ins entlegene Fahrensodde kamen nur 41 Leute. Das sieht nicht nach Mobilisierung der Massen aus, findet Jensen.

Ein anderer alter CDU-Fahrensmann rät: „Es wäre eine Geste, wenn eine Oberbürgermeisterin Lange für die Zeit ihres Amtes ihre Parteizugehörigkeit ruhen lassen würde. Dann könnte sie auch mehr Gewicht haben bei der CDU-Fraktion. Das würde ihre Unabhängigkeit besser dokumentieren“, sagt Carsten Redleffsen.

Inoffiziell soll die Landes-CDU über den Flensburger Beschluss nicht besonders amüsiert gewesen sein. Landesvorsitzender Ingbert Liebing hält sich aber auf Anfrage bedeckt. Vielleicht, weil SPD-Ministerpräsident Torsten Albig im Sommer schon eine Wahlempfehlung für CDU-Kanzlerin Merkel abgegeben hatte – so bleiben die Dinge wenigstens halbwegs im Lot. „Von hier aus kein Statement“, lässt Liebing ausrichten. „Unsere Kreisverbände sind frei in ihren Entscheidungen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen