Energieversorger mit sozialer Verantwortung? : Care-Energy kontert Kritik

Banger Blick auf den Zähler: Stromkosten steigen stetig.
Banger Blick auf den Zähler: Stromkosten steigen stetig.

Der Unternehmenssprecher von Care-Energy nimmt Stellung zu Vorwürfen im Internet. Denn dass er mit seinem Strom-Angebot Menschen in sozialer Notlage helfen möchte, nehmen ihm viele nicht ab.

shz.de von
31. März 2013, 05:37 Uhr

Flensburg | Gutmenschen oder Geschäftemacher? Das Angebot des Versorgers Care-Energy, säumige und von den Stadtwerken abgestöpselte Stromzahler in Flensburg wieder ans Netz zu bringen, spaltet die Gemüter. Auch im Leserforum von shz.de wird rege kommentiert und disputiert.

"Uns hat die Heftigkeit der Kritik überrascht", sagte dazu Marc März, Unternehmenssprecher der übergeordneten mk-group Holding. Als Beispiel führt er den Vorwurf an, die AGB seien nicht auf der Homepage verzeichnet. "Das ist falsch", sagt März, "wer sich das Informationspaket dort kostenlos herunterlädt, erhält die Geschäftsbedingungen."

Zu hohe Mahngebühren?

Auch die Aussage, man könne als Care-Energy-Kunde nicht zu einem anderen Versorger wechseln, sei unsinnig. Der Wechsel könne zu den gesetzlichen Vorgaben erfolgen. "Dieser Prozess ist bereits mehrere tausend Mal in der Praxis reibungslos gelaufen, ohne dass es die vermeintlichen Energieexperten in den Foren zur Kenntnis genommen hätten." In der Diskussion wurde zudem kritisiert, dass säumigen Zahlern eine Mahngebühr von fünf Euro berechnet werde. "Wenn wir", kontert März, "eine Mahnung versenden müssen, haben wir bereits an den Kunden geliefert, den Produzenten bezahlt und Verwaltungsaufwand gehabt." Die Mahngebühr diene dazu, diese Kosten zu decken. "Außerdem wenden wir jeden Monat mindestens einen Betrag in der Höhe der zweckgebundenen Mahngebühren für die Finanzierung unseres Sozialtarifs auf." Natürlich behalte man es sich vor, wie jedes andere Versorgungsunternehmen, bei dauerhafter Zahlungsverweigerung die Versorgung zu kündigen. "Im Unterschied zum Wettbewerb werden wir dieses allgemeine Recht niemals gegenüber Kunden einsetzen, die ihre Rechnung auf Grund sozialer Probleme nicht bezahlen können."

Wiederholt wurde von Skeptikern bezweifelt, dass Care-Energy ökonomisch kalkulieren könne. "Immer wieder", so März, "begegnen wir der sinnlosen Behauptung, eine Energieversorgung für weniger als 20 Cent pro Kilowattstunde wäre nicht möglich, obwohl wir mit knapp 200.000 Kunden jeden Tag das Gegenteil beweisen und alle Preise, Steuern und Abgaben bekannt sind. Paradox an dieser Situation ist nur, dass die Kritiker uns fragen, warum wir so günstig sind anstatt den Wettbewerb zu fragen, warum er deutlich teurer an die Kunden liefert.

Soziale Verantwortung

März verweist darauf, dass man Sozialpartner des HSV sei, im Winter Essen an Obdachlose ausgegeben habe. "Wir wollen verhindern, dass Menschen in Deutschland von der Stromversorgung und der sozialen Teilhabe ausgeschlossen sind." Die Übernahme von mehr als 300 Bürgern in Flensburg in die Versorgung werde angesichts der Kosten, sie durch Anzeigen zu finden, nicht profitabel. Es sei ein Signal an den Wettbewerb, "der sich nicht ausreichend seiner sozialen Verantwortung stellt".

Unterdessen hat sich auch die Unternehmensführung von Verivox zu Wort gemeldet. Deren Sprecherin Dagmar Ginzel verwahrt sich gegen die Behauptung von März, die Aufnahme in das Vergleichsportal sei kostenpflichtig. "Wir nehmen nur Provision bei Vertragsvermittlung." Der wahre Grund dafür liege vielmehr darin, dass die mk Holding nicht bei der Bundesnetzagentur gelistet sei. "Das ist bei uns Mindestkriterium." Man habe sich mit der Firma in Verbindung gesetzt, um Einblick in AGB und Tarife zu gewinnen. "Leider gab es kein Feedback."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen